Joseph Anton Julius Schill (* 4. April 1821 in Neuershausen; † 18. Februar 1880 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Apotheker, Geologe und Kartograf. Er prägte maßgeblich die frühe geologische Erforschung und amtliche Kartierung des südbadischen Raumes.
Julius Schill kam 1821 in Neuershausen (heute ein Ortsteil von March) als Sohn eines großherzoglich-badischen Registrators zur Welt. Aufgrund der Versetzung des Vaters zog die Familie nach Freiburg im Breisgau, wo Schill das humanistische Gymnasium (das heutige Berthold-Gymnasium) besuchte.
Nach dem Schulabschluss schlug er die pharmazeutische Laufbahn ein. Er absolvierte zunächst eine dreijährige praktische Apothekerlehre in Endingen am Kaiserstuhl. Nach den anschließenden Gehilfenjahren schrieb er sich für das wissenschaftliche Studium der Pharmazie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ein, wo er Vorlesungen in Chemie, Botanik, Physik und Mineralogie bei Karl Fromherz hörte und zum Dr. phil. promoviert wurde. Am 21. September 1842 legte er vor der badischen Prüfungskommission erfolgreich sein pharmazeutisches Staatsexamen ab.
In den 1850er-Jahren ließ sich Schill in Stockach am Bodensee nieder, wo er als selbstständiger Apotheker die Obere Apothekenanstalt betrieb. Neben seinem Hauptberuf widmete er sich intensiv der Erforschung der Erdgeschichte des Hegaus und des westlichen Bodenseeraumes. Er unternahm ausgedehnte Exkursionen, sammelte systematisch Gesteine sowie Fossilien und bereitete diese wissenschaftlich auf. Im Jahr 1858 gelang ihm die geologische Erstbeschreibung der wichtigen Landschneckenkalke von Hoppetenzell. Seine Erkenntnisse bündelte er 1859 in der umfassenden Monographie „Die Tertiär- und Quartärbildungen des Landes am nördlichen Bodensee und im Höhgau“. Vergeblich waren seine Versuche durch öffentliche Vorträge die Erdgeschichte einem breiten Publikum nahezubringen- das Interesse war damals im ländlichen Bereich äußerst gering.
Wegen der hohen fachlichen Qualität seiner Arbeit erregte er die Aufmerksamkeit der großherzoglichen Behörden. Aufgrund seiner herausragenden präparatorischen und chemischen Fähigkeiten wurde er von Moritz August Seubert offiziell dazu verpflichtet, wertvolle Versteinerungen aus den staatlichen Steinbrüchen der Region auszuwählen, chemisch-mechanisch aufzubereiten und für das großherzogliche Naturalienkabinett in Karlsruhe versandfertig zu machen. Diesen Auftrag erfüllte er bis zu seinem Wegzug im Herbst 1859. Er verkaufte seine Apotheke in Stockach und trat vollständig in den badischen Staatsdienst ein. Er zog wieder nach Freiburg und wurde als offizieller Geologe und Kartograph beim Statistischen Bureau in Baden angestellt. Gemeinsam mit Kollegen wie Philipp Friedrich Platz und Wolfgang Moritz Vogelgesang. Seine Vorgesetzten waren Fridolin Sandberger, Karl Alfred von Zittel und Adolf Knop.
Bereits während seiner Stockacher Zeit unternahm Schill geologische Exkursionen an den Hochrhein. Im Zuge seiner Manuskriptstudien: Meine Untersuchungen an der Wutach (1856/1857) gelang ihm als erstem Geologen der wissenschaftliche Nachweis der Wutachablenkung. Er erkannte durch Funde von Flussgeröllen auf den Hochflächen die Wutachabweichung und beschrieb als Erster die Umlenkung der Ur-Wutach, die ursprünglich nach Süden zur Donau floss, sich dann jedoch ein neues Flussbett zum Ur-Rhein bahnte. Im Klettgau und im Raum Waldshut war er auf zahlreichen Exkursionen unterwegs. Er erforschte die Täler der Steina, Schlücht, Wutach das Seltenbachtal und die Mühlsteinbrüche. Er analysierte die eiszeitlichen Schotterterrassen um die Entstehung des Rheintals zu rekonstruieren und kartierte das Grundgebirge.
Er gehörte er zu den Pionieren (noch vor Ferdinand Schalch) der ersten systematischen geologischen Landesaufnahme Badens im Maßstab 1:50.000. In dieser Funktion erstellte Schill unter anderem das amtliche Kartenblatt für die Region Waldshut Mit den Sammlern Franz Joseph Würtenberger sowie dessen Söhnen Leopold Würtenberger und Thomas Würtenberger stand er in Kontakt. Er empfahl Franz Joseph Würtenberger offiziell als einzig kompetenten Forscher für die geologische Landesaufnahme der Region Stühlingen, später wurde der studierte Schalch vorgezogen.
Gegen Ende der 1860er-Jahre verlagerte Schill seinen Lebensmittelpunkt und seine Feldarbeit dauerhaft nach Freiburg im Breisgau. Im Auftrag des Statistischen Bureaus widmete er sein letztes Lebensjahrzehnt fast ausschließlich der systematischen Erfassung des Südschwarzwaldes sowie des westlichen Schwarzwaldrandes.
Julius Schill führte ausgedehnte Kartierungsarbeiten im Glottertal, im Suggental sowie am Nordhang des Schauinsland-Massivs und im Dreisamtal durch. Zu seinen Schwerpunkten zählten die Untersuchung der kristallinen Grundgebirgsgesteine (Gneise und Granite), die Analyse historischer Erzgänge sowie die Erfassung eiszeitlicher Moränenablagerungen in den Schwarzwaldtälern. Zudem untersuchte er die geologisch komplexen Verwerfungszonen am Übergang vom Schwarzwaldvorland in den Oberrheingraben.
Mitten in der Auswertung dieser umfangreichen Feldforschungen verstarb Schill im Jahr 1880. Sein wissenschaftlicher Nachlass zum Schwarzwald wurde im Anschluss von dem Heinrich Fischer gesichtet, vervollständigt und im Jahr 1884 posthum als Geologische Beschreibung der Umgebungen von Freiburg im Breisgau herausgegeben.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schill, Joseph Anton Julius |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Pharmazeut, Geologe und Kartograph |
| GEBURTSDATUM | 4. April 1821 |
| GEBURTSORT | Neuershausen |
| STERBEDATUM | 18. Februar 1880 |
| STERBEORT | Freiburg im Breisgau |