Just Above My Head

James Baldwin
Deep River. Arrangement von Harry Burleigh, 1917

Just Above My Head (deutscher Titel: Zum Greifen nah) ist der sechste und letzte Roman des US-amerikanischen Schriftstellers James Baldwin. Baldwin schrieb den Roman in Saint-Paul-de-Vence, im September 1979 erschien er bei The Dial Press in New York.

Inhalt

Ich-Erzähler Hall Montana, ein Mann Ende 40, lebt mit seiner Frau Ruth und ihren beiden Kindern in der Bronx. Nach dem plötzlichen Tod seines jüngeren Bruders Arthur war er zwei Jahre lang unfähig gewesen, über diesen Verlust zu sprechen. Arthur war mit 39 Jahren auf der Herrentoilette einer Londoner Bar an einer schweren Blutung verstorben. Zwei Jahre später, im Rückblick auf das Leben des Bruders und des Familien- und Freundeskreises redet sich Hall seine Verzweiflung und Trauer von der Seele.

Als Teenager hatte Arthur zusammen mit seinen Freunden Peanut, Crunch und Red im Gospelquartett „Trumpets of Zion“ in den Kirchen Harlems gesungen und gepredigt. Doch von Arthurs drei Freunden wurde einer ermordet, einer geisteskrank, und der Dritte drogensüchtig. Arthur Montana erreichte als „Emperor of Soul“ Weltruhm. Hall arbeitete als Arthurs Manager und Betreuer, doch der Ruhm des Soulkaisers hielt offenbar nicht lange an, Baldwin geht hier nicht ins Detail. Die Presse meldet kurz den Tod einer „fast vergessenen Neger-Heulboje“.

Mit seinem musikalischen Begleiter auf der Bühne, Jimmy Miller, verbindet Arthur eine fünfzehn Jahre dauernde Liebesbeziehung. Jimmys Schwester Julia war Halls große Kindheitsliebe. Als Kind angeblich „vom heiligen Geist berufen“, in Wahrheit aber von ihrem Vater manipuliert und vergewaltigt, begeistern ihre naiv-frommen Predigten die Gemeinde. Häufig begleiten Arthur und die „Trumpets of Zion“ die Auftritte der aufgeputzten Kleinen. Julia löst sich später aus der Beziehung zu ihrem Vater, arbeitet als Prostituierte und Model. Hall stellt sie als fröhliche und liebenswerte Matrone dar, die im nahen Yonkers lebt und sich besonders mit seinen Kindern gut versteht.

Die Geschichte um die afroamerikanischen Familien Montana und Miller spielt vor dem Hintergrund des bitterarmen schwarzen Ghettos, von Rassenhass, der Bürgerrechtsbewegung und des Koreakriegs der 1940er bis 1960er Jahre. Baldwins Sprache ist hoch emotional, sie imitiert den leidenschaftlichen Predigt- und Gebetsstil der afroamerikanischen Kirchen. Wie eine Predigt unmittelbar in den Gesang eines Spirituals oder Gospellieds übergehen kann, webt Baldwin Liederzeilen in seinen Text ein, nutzt dramatische Pausen, wiederholt Worte und Satzteile manchmal bis hin zum Stakkato des Scat-Gesangs.

“Jesus is all this world to me motherfucker hold on this little light of mine oo-ba oo-ba shit man oo-ba oo-ba if I don't get my money hal-ay-lyu-yah!”

“He dared to look into Crunch's eyes. Crunch's eyes were wet and deep deep like a river, and Arthur found that he was smiling peace like a river.”

„Er wagte einen Blick in Crunchs Augen. Crunchs Augen waren feucht und tief deep like a river, und Arthur fand dass er lächelte, peace like a river.“

Rezeption

Ausgaben

Einzelnachweise

  1. ↑ James Baldwin; Übersetzer: Thomas Lindquist: Zum Greifen nah. Rowohlt, Hamburg 1981, ISBN 3-498-00468-9.
  2. ↑ Im Original: „nearly forgotten Negro moaner and groaner“ Baldwin. Later Novels. Library of America, 2015, S. 515.
  3. ↑ Ausgabe der Library of America, S. 525.
  4. ↑ Ausgabe der Library of America, S. 704.
  5. ↑ John Romano: Just Above My Head. In: New York Times Book Review. 23. September 1979, abgerufen am 14. März 2024.
  6. 1 2 3 Edmund White: James Baldwin Overcomes Just Above my Head. In: The Washington Post. 23. September 1979, abgerufen am 17. März 2024.
  7. ↑ Christopher Z. Hobson: Prophecy and Doubt in Just Above My Head. State University of New York Press, New York 2015, doi:10.7227/JBR.1.4 (researchgate.net [abgerufen am 17. März 2024]).