Justin Wolfers

Justin Wolfers

Justin Wolfers (* 1972 in Papua-Neuguinea) ist ein US-amerikanisch-australischer Ökonom. Er ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Public Policy an der Universität Michigan.

Leben

Wolfers erhielt seinen B.Sc. in Wirtschaftswissenschaft 1994 von der University of Sydney. Im Jahre 2001 erwarb er den akademischen Grad Ph.D. in Wirtschaftswissenschaft an der Harvard University. Von 1995 bis 2001 arbeitete Wolfers als Arbeitsökonom an der Reserve Bank of Australia. Von 2001 bis 2004 war er Professor an der Stanford University. Seit 2005 war er Professor an der Wharton School und ist Professor an der Gerald R. Ford School of Public Policy der University of Michigan und Senior Fellow am Peterson Institute for International Economics.

Wolfers ist mit Betsey Stevenson liiert und hat eine Tochter mit ihr.

Arbeit

Wolfers arbeitet in den Forschungsbereichen Law and Economics, Arbeitsökonomie, Sozialpolitik, Politische Ökonomie, Verhaltensökonomie und Makroökonomie.

Glücksforschung

Wolfers betätigt sich in Zusammenarbeit mit Betsey Stevenson in der Glücksforschung. Ihre wissenschaftlichen Veröffentlichungen fanden auch in Publikums-Medien einiges Echo:

Zusammenhang zwischen Einkommen und Glück

Wolfers und Stevenson veröffentlichten 2008 ein Papier, in dem sie das Easterlin-Paradox hinterfragen. Sie analysierten alle Daten zu Glück und Einkommen in Vergleichen zwischen reich und arm innerhalb einer Gesellschaft, in Vergleichen zwischen armen und reichen Ländern, und in intertemporalen Vergleichen. Dabei zeigte sich, dass der Zusammenhang zwischen subjektivem Glück und Einkommen für intranationale, internationale und intertemporale Vergleiche sehr ähnlich ist. Diese Ergebnisse widersprechen denen Easterlins, dessen Paradox auf der Annahme beruht, intranationale Vergleiche würden stärkere Glücksunterschiede bedeuten als internationale bzw. relatives Einkommen sei wichtiger für Zufriedenheit als absolutes Einkommen. In Ländern wie Japan oder Europa wuchs die subjektive Zufriedenheit zusammen mit dem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen. Auch war der Zuwachs von Glück größer, wenn das Einkommenswachstum größer war.

Die Veröffentlichung zog mehrere Fernseh- und Radiointerviews sowie internationale Pressereaktionen nach sich.

Entwicklung der Verteilung von Glück in den USA

2008 analysierten Wolfers und Stevenson die Entwicklung der Verteilung von Glück in den USA 1972–2006. Während die subjektive Zufriedenheit im Durchschnitt unverändert blieb, verringerte sich ihre Ungleichverteilung erheblich. Der Unterschied zwischen schwarz und weiß ging um zwei Drittel zurück, und der Unterschied zwischen Frauen und Männern verschwand vollständig. Der Zusammenhang zwischen Bildung und Zufriedenheit verstärkte sich.

Paradox der sinkenden Zufriedenheit von Frauen

Im August 2009 beschrieben die beiden einen Rückgang der subjektiven Zufriedenheit von Frauen in den USA und Westeuropa in den letzten 35 Jahren. Dieser Rückgang ist sowohl absolut als auch im Vergleich zu Männern sowie in verschiedenen demographischen Gruppen zu verzeichnen. Laut den Umfragen waren Frauen in den 1970er Jahren glücklicher als Männer, wohingegen heute Männer glücklicher als Frauen sind. Da dem Rückgang der Zufriedenheit von Frauen eine Verbesserung vieler objektiver Indikatoren (z. B. Emanzipation am Arbeitsmarkt und zuhause) gegenübersteht, sprechen die Autoren von einem Paradox.

Die Veröffentlichung fand ein starkes Medienecho, insbesondere in den USA und Großbritannien, aber auch in vielen europäischen Ländern.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Simon W. Bowmaker: Justin Wolfers (University of Pennsylvania). Edward Elgar Publishing, 2012, ISBN 978-1-84980-847-7 (elgaronline.com [abgerufen am 26. November 2019]).
  2. ↑ Economists in Love: Betsey Stevenson and Justin Wolfers. Spousonomics, 10. März 2011. (Memento vom 13. Mai 2011 im Internet Archive); abgerufen am 11. Februar 2024.
  3. ↑ Stevenson, B. & Wolfers, J. (2008): Economic Growth and Subjective Well-Being: Reassessing the Easterlin Paradox. Brookings Papers on Economic Activity, Spring 2008. (Memento vom 22. April 2008 im Internet Archive)
  4. ↑ Danielle Resnick: Subjective Well‐Being and Income: Is There Any Evidence of Satiation? Abgerufen am 11. Februar 2024 (amerikanisches Englisch).
  5. ↑ Rezeption in den Medien (Memento vom 25. November 2009 im Internet Archive); abgerufen am 11. Februar 2024.
  6. ↑ Stevenson, B. & Wolfer, J. (2008): Happiness Inequality in the United States. Journal of Legal Studies, Vol. 37, Juni 2008, S33-79 (Memento vom 16. Oktober 2009 im Internet Archive); abgerufen am 11. Februar 2024.
  7. ↑ Stevenson, B. & Wolfers, J. (2009): The Paradox of Declining Female Happiness. American Economic Journal: Economic Policy. Vol. 1, Nr. 2, pp. 190–225. (Memento vom 16. Oktober 2009 im Internet Archive); abgerufen am 11. Februar 2024.
  8. ↑ Rezeption in den Medien (Memento vom 25. November 2009 im Internet Archive); abgerufen am 11. Februar 2024.
  9. ↑ Das Unglück der Frauen. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 7. Oktober 2007
  10. ↑ Ganz schön traurig. Süddeutsche Zeitung, 11. Oktober 2009
Personendaten
NAME Wolfers, Justin
ALTERNATIVNAMEN Wolfers, Justin James Michael
KURZBESCHREIBUNG amerikanisch-australischer Ökonom
GEBURTSDATUM 1972
GEBURTSORT Papua-Neuguinea