Dieser Artikel beschäftigt sich mit einem Schaltkreis. Für weitere Bedeutungen siehe U 880.
CPU U880D.
Der U880 ist ein 8-Bit-Mikroprozessor, der vom VEB Mikroelektronik „Karl Marx“ Erfurt (abgekürzt MME; Betrieb im Kombinat Mikroelektronik Erfurt) in der DDR hergestellt wurde. Die Fertigung begann 1980 im VEB Funkwerk Erfurt (abgekürzt FWE), welches dann 1983 in VEB Mikroelektronik „Karl Marx“ umbenannt wurde. Der U880 ist ein nicht lizenzierter Nachbau des Prozessors Zilog Z80. Die Unterschiede zum Zilog Z80 beschränken sich auf spezielle Details wie ein nicht gesetztes Carry-Flag bei dem OUTI-Befehl.
Prozessorvarianten
Die des U880; Größe 4513µm × 4251µm (erster Die-Shrink 1984); Inschrift an der Unterkante: „U880/5 HL JH 84“Die des U880; Größe 3601µm × 3409µm (zweiter Die-Shrink 1990); Inschrift an der Unterkante: „U880/6 HL MME 1990“
Der U880 ist in n-MOS-Technik gefertigt und befindet sich in einem DIL40-Gehäuse aus Plastik mit einem Rastermaß (Pinraster) von 2,5mm Exportversionen haben das im Westen übliche Rastermaß von 2,54mm (= 100mil). Die russischen Versionen wurden auch in Keramikgehäuse eingesetzt.
Temperaturbereich
max. Taktfrequenz
Bezeichnungen
−00°C bis +40°C
1,0MHz
UD880D,(a) UB880D S1(a)
−00°C bis +70°C
2,5MHz
U880D,(b) UB880D, 80-CPU(c)
4,0MHz
UA880D,(d) 80A-CPU(c)
8,0MHz
U880DC08,(e) Thesys Z80H(f)
−25°C bis +85°C
2,5MHz
VB880D(d)
(a)
Anfalltyp für Bastler (die Messdaten des Schaltkreises entsprachen nicht der Norm)
(b)
ursprüngliche Bezeichnung; die Taktklasse B wurde oft durch ein quer gedrucktes 00B (wie im Titelbild oben) angegeben
Im VEB Mikroelektronik „Karl Marx“ wurde auch eine Reihe von Peripheriebausteinen für den U880 gefertigt. Die Bezeichnungen UA, UB, VB, 80 und 80A entsprechen den Temperaturbereichen und Taktfrequenzen wie oben für die Prozessorvarianten. Ebenso sind Anfalltypen mit S1 gekennzeichnet.
Vor 1990 war der U880 der einzige Z80-kompatible Mikroprozessor in den RGW-Staaten (Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und die Sowjetunion fertigten nur Nachbauten des Intel 8080). Beispiele für den Einsatz des U880 in Geräten außerhalb der DDR sind:
So wie Zilog als Nachfolger des Z80 die 16-Bit-Prozessoren Z8001 / Z8002 entwickelte, produzierte VEB Mikroelektronik „Karl Marx“ Erfurt Nachbauten dieser Prozessoren mit den Bezeichnungen U8001 / U8002. Genau wie ihre Vorbilder wurden auch der U8001 / U8002 bei weitem nicht so häufig eingesetzt wie der U880.
Als sich MS-DOS als Standardbetriebssystem durchzusetzen begann, war in den RGW-Staaten nur der sowjetische K1810WM86 als Nachbau des Intel 8086 verfügbar. VEB Mikroelektronik „Karl Marx“ entwickelte daraufhin den U80601 als Nachbau des Intel 80286. Außerdem wurde eine stromsparende CMOS-Version des U880 mit der Bezeichnung U84C00DC einschließlich entsprechender Peripheriebausteine (U84C20DC – PIO, U84C30DC – CTC, U84C40DC – SIO) entwickelt. Auf Grund des durch die Deutsche Wiedervereinigung bedingten Umbruchs kamen diese Projekte nicht über die Vorserienfertigung hinaus. VEB Mikroelektronik „Karl Marx“ (MME) wurde 1990 unter dem Namen ERMIC GmbH privatisiert. Ein großer Teil von ERMIC ging wiederum 1992 in der Thesys Gesellschaft für Mikroelektronik mbH auf. ERMIC und Thesys führten die Fertigung der NMOS-Version des U880 fort, wobei ERMIC den Aufdruck MME bzw. das Funkwerk-Erfurt-Logo auf seinen Produkten weiter verwendete. Ein Die-Shrink mit der internen Bezeichnung U880/6 war 1990 fertiggestellt worden und ging danach in Produktion. Die kleineren Chipstrukturen ermöglichten eine höhere Taktfrequenz von bis zu 8MHz für den U880DC08, der später als Thesys Z80H weiterverkauft wurde.
Im Zeitraum von etwa 1991 bis 1993 wurden unverkappte U880-Chips nach Russland und in die Ukraine geliefert und dort verkappt. Anfangs wurden Schaltkreise mit der Chipversion U880/5 als 80A-CPU und T34WM1 (russischТ34ВМ1) beschriftet. Spätere Schaltkreise mit der Chipversion U880/6 erhielten die offizielle Bezeichnung KR1858WM1 (russischКР1858ВМ1) für das Plastikgehäuse und KM1858WM1 (russischКМ1858ВМ1) für das Keramikgehäuse. Hersteller dieser Schaltkreise waren unter anderem Angstrem Selenograd, Kwasar Kiew and WSPP Woronesch.
Heiko Kieser, Michael Meder:Mikroprozessortechnik. Aufbau und Anwendung des Mikroprozessorsystems U880. VEB Verlag Technik Berlin, 1986, ISBN 3-341-00153-0 (mit umfangreicher Beschreibung und Programmieranleitung der Schaltkreisfamilie).
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