Kadir Padir ([kaˈdiɾ paˈdiɾ], * 1984 in Berlin) ist eine ehemalige Führungsfigur der deutschen Rockerszene. Er war Präsident des Berliner Charters Berlin City der Hells Angels und zuvor Mitglied der rivalisierenden Bandidos. Überregionale Bekanntheit erlangte er durch den Wechsel seiner Clubzugehörigkeit im Jahr 2010 sowie durch den sogenannten Berliner Wettbüromord von 2014. Wegen Anstiftung zu dieser Tat wurde Padir 2019 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Padir ist türkischer Staatsbürger.
Kadir Padir wurde in Berlin geboren und wuchs im Ortsteil Gesundbrunnen im Bezirk Wedding (heute Mitte) auf. Sein Vater war aus der Türkei nach Deutschland eingewandert und arbeitete beim Berliner Leuchtmittelhersteller Osram. Padir betrieb in seiner Jugend intensiv Boxsport und verzichtete nach Medienberichten auf Alkohol.
Anfang der 2000er-Jahre schloss er sich im Alter von etwa 20 Jahren dem Motorradclub Bandidos an, in dem er ein eigenes Chapter gründete. Zudem war Padir als Gastronom tätig und betrieb unter anderem das Café Harlem in der Triftstraße im Wedding, das als Rockertreffpunkt galt. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.
Padir gehörte zunächst dem Berliner Chapter El Centro des Motorradclubs Bandidos an. Unter seiner Führung wechselte im Februar 2010 eine größere Gruppe von Mitgliedern und Unterstützern zu den rivalisierenden Hells Angels. Der Übertritt galt als ungewöhnlich, da zwischen den beiden Motorradclubs eine langjährige Rivalität bestand.
Die Gruppe formierte sich zunächst unter der Bezeichnung Nomads Turkey und bildete später das Charter Berlin City, dessen Präsident Padir wurde. Die Mitglieder waren überwiegend migrantischer Herkunft, was für die damalige Struktur der deutschen Hells Angels untypisch war.
Unter Padirs Führung entwickelte sich das Charter zu einer einflussreichen Gruppierung der Berliner Rockerszene. Ihr Schwerpunkt lag insbesondere in den Bezirken Reinickendorf und Wedding. Nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden waren Mitglieder der Gruppierung unter anderem in Schutzgelderpressung, Drogenhandel und Gewaltdelikte verwickelt.
In dieser Zeit wurden mehr als 50 polizeiliche Ermittlungsverfahren gegen Padir angestrengt, von denen sechs zu Verurteilungen führten, unter anderem wegen Beleidigung, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und der Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung.
Im Mai 2012 ging die Berliner Innenverwaltung gegen das Charter Berlin City und dessen Unterstützerorganisationen vor. Hintergrund waren zahlreiche Straftaten, die seinen Mitgliedern zur Last gelegt wurden. Die Gruppierung löste sich kurz vor dem behördlichen Verbot selbst auf.
Die Auflösung führte jedoch nicht zum Rückzug Padirs aus der Rockerszene. Nach Medienberichten organisierte sich ein Teil der ehemaligen Mitglieder in neuen Gruppierungen. Padir behielt dabei nach Aussagen früherer Mitglieder eine führende Stellung.
Am 10. Januar 2014 wurde der 26-jährige Tahir Özbek in einem Wettbüro in der Residenzstraße in Berlin-Reinickendorf erschossen. Eine Gruppe von Mitgliedern der Hells Angels hatte das Lokal betreten. Einer der Beteiligten gab mehrere Schüsse auf Özbek ab, der noch am Tatort starb.
Der Tat war ein Konflikt zwischen Özbek und Mitgliedern der Hells Angels vorausgegangen. Im Oktober 2013 war es vor einer Berliner Diskothek zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung gekommen. Nach den späteren gerichtlichen Feststellungen hatte Padir die Tötung Özbeks aus Rache und zur Durchsetzung seiner Autorität innerhalb der Rockerszene veranlasst.
Die Tat führte zu umfangreichen Ermittlungen gegen Mitglieder der Berliner Hells Angels und zu zahlreichen Festnahmen. Auch Padir wurde in Untersuchungshaft genommen.
Im November 2014 begann vor dem Landgericht Berlin der Strafprozess gegen Padir und weitere Angehörige der Hells Angels. Das Verfahren erstreckte sich über rund fünf Jahre und umfasste etwa 300 Verhandlungstage. Es gehörte damit zu den umfangreichsten Berliner Strafverfahren gegen Angehörige der Rockerszene. Eine wesentliche Rolle spielte die Aussage des ehemaligen Hells-Angels-Mitglieds Kassra Zargaran, der selbst an der Tat beteiligt gewesen war und als Kronzeuge mit den Ermittlungsbehörden zusammenarbeitete. Am 1. Oktober 2019 verurteilte das Landgericht Berlin Padir wegen Anstiftung zum Mord zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Sieben weitere Angeklagte erhielten ebenfalls lebenslange Freiheitsstrafen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Padir die Tötung Özbeks in Auftrag gegeben hatte. Als Mordmerkmale wurden unter anderem Heimtücke und niedrige Beweggründe festgestellt.
Im Februar 2022 bestätigte der Bundesgerichtshof die Verurteilung Padirs. Damit wurde seine lebenslange Freiheitsstrafe rechtskräftig.
Padir wurde während seiner Zeit als Hells-Angels-Präsident wiederholt in regionalen und überregionalen Medien porträtiert. Insbesondere sein Aufstieg innerhalb der Berliner Rockerszene, die Konflikte zwischen unterschiedlichen Hells-Angels-Gruppierungen und der anschließende Mordprozess fanden größere öffentliche Beachtung.
Auch außerhalb der unmittelbaren Rockerszene trat Padir in Erscheinung. Er war unter anderem in dem Musikvideo Mitten in der Nacht des Rappers Bushido zu sehen. Angehörige seiner Rockergruppe wirkten zudem am Musikvideo Echte Männer der Rapper Fler, Silla und G-Hot mit.
Der frühere Hells Angel Kassra Zargaran beschrieb Padir in späteren Interviews u. a. mit Spiegel TV als autoritär und manipulativ. Nach Zargarans Darstellung waren die internen Machtverhältnisse des Charters stark auf die Person Padirs ausgerichtet. Diese Aussagen wurden insbesondere im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des Wettbüromordes öffentlich diskutiert.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Padir, Kadir |
| KURZBESCHREIBUNG | Führungsfigur der deutschen Rockerszene |
| GEBURTSDATUM | 1984 |
| GEBURTSORT | Berlin |