Kalbsaugenteich

Kalbsaugenteich
Kalbesauger Teich
Blick zum gebrochenen Damm
Blick zum gebrochenen Damm
Blick zum gebrochenen Damm
Lage bei Neudorf (Rodeacker) im Unterharz
Zuflüsse Stichgraben vom Anhalten Graben, Birnbaumbach
Abfluss Neuer Graben
Größere Orte am Ufer Neudorf
Kalbsaugenteich Kalbesauger Teich (Sachsen-Anhalt)
Kalbsaugenteich
Kalbesauger Teich (Sachsen-Anhalt)
Koordinaten 51° 36′ 19″ N, 11° 5′ 39″ OKoordinaten: 51° 36′ 19″ N, 11° 5′ 39″ O
Daten zum Bauwerk
Bauzeit 1779
Höhe des Absperrbauwerks 5 m
Daten zum Stausee
Gesamtstauraum 8 000 m³
Besonderheiten

1890 gebrochen

Neuer Graben aufgelassen (1910)

Der Kalbsaugenteich, auch Kalbesauger Teich, war ein Stauteich im Unterharz bei Neudorf im sachsen-anhaltischen Landkreis Harz. Der zwischen dem Langenberg und den Hankelsköpfen im oberen Tal des Birnbaumbachs gelegene Teich war Teil des Unterharzer Teich- und Grabensystems.

Geschichte

Der Bergbau im Birnbaumer Revier wurde 1740 wieder aufgenommen. Dazu war zusätzliches Wasser nötig, wofür die Anhalter Fürsten die Wassernutzungsrechte für den Silberhütter Kunstgraben von den Stolberger Grafen erwarben.

Das Wasser wurde über den 1761 bis 1762 errichteten Anhaltischen Graben zugeführt, der oberhalb des Faulen Pfützenteichs vom Schindelbrücher Kunstgraben abzweigte und so trassiert wurde, dass zunächst dem Oberlauf der Schmalen Wipper und somit dem Grenzteich Wasser zuzuführte. 1779 wurde der Kalbsaugenteich erbaut. Zunächst diente er als Zusatzspeicher für den Birnbaumteich, um die Wasserversorgung im Birnbaumer Revier zu stabilisieren.

Der im Quellgebiet des Birnbaumbachs liegende Teich hatte einen so kleinen natürlichen Einzugsbereich, dass er zur Erfüllung seiner Funktion permanent auf künstlich herangeführtes Zusatzwasser angewiesen war. Dies wurde durch eine bauliche Erweiterung des bereits 1761/62 angelegten Anhaltischen Grabens erreicht, der oberhalb und seitlich am Hang des Staubeckens vorbeigeführt wurde. Ein im Gelände morphologisch nachweisbarer, in der älteren Standardliteratur (wie bei Karl-Heinz Krause) jedoch unberücksichtigt gebliebener, kurzer Stichkanal stellte die funktionale Verbindung her, über die das Stolberger Wasser aus dem Schindelbrücher System direkt in das Becken des Kalbsaugenteichs abgeschlagen werden konnte. Der exakte Abzweig dieses Stichkanals ist heute im Gelände durch eine eingezäunte Nadelbaumschonung überprägt und optisch nicht mehr direkt auszumachen.

1817 wurde der Neue Graben erbaut. Dieser zweigte auf dem Stauanlagen-Niveau des damals noch intakten Teichdamms ab. Der Neue Graben führte das Wasser mit minimalem Gefälleverlust hangparallel nach Osten zu einem hydrotechnischen Teilungswehr (Dreiwege-Knotenpunkt) oberhalb des Langebergs, wo es in den Neudorfer Graben eingeleitet wurde. Erst durch diese künstliche Verknüpfung konnte der Kalbsaugenteich seine Hauptaufgabe als Kunstteich zur kontinuierlichen Versorgung der Neudorfer Radkünste und des Neudorfer Gemeindeteichs mit Aufschlagwasser erfüllen.

1890 brach der Staudamm und wurde nicht wieder aufgebaut.

Der Stichgraben zum Kalbesauger Teich

Die U-förmigen Konturen der historischen Grabensohle treten visuell deutlich hervor

Ein wichtiges Zeugnis für die mikrotopografische Erfassung von Oberflächenwasser im ehemals anhaltischen Teil des Harzgeröder und Neudorfer Revierbezirks ist der historische Stichgraben zum Kalbesauger Teich. Dieser schmale, obertägig aufgefahrene Kunstgraben diente als reiner Zubringer, um das Hang- und Sickerwasser aus den anhalt-bernburgischen Forstbereichen abzufangen und gezielt dem Kalbesauger Teich zuzuleiten, welcher als zusätzlicher Energiespeicher im dortigen Verbundnetz fungierte.

Obwohl der Graben seit der Einstellung des anhaltischen Bergbaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts trocken gefallen ist, hat sich das von flachen Erdwällen flankierte Grabenprofil im dichten Forst erhalten. Durch die tiefgreifenden Veränderungen der Harzer Waldstruktur infolge der extremen Dürrejahre und des nachfolgenden Fichtensterbens um das Jahr 2020 traten die ehemals völlig verwachsenen, U-förmigen Konturen der historischen Grabensohle im Gelände wieder visuell deutlich hervor.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Eckhard Oelke: Der Bergbau im ehemals anhaltischen Harz. Ein Überblick. In: Hercynia – Ökologie und Umweltwissenschaften. Neue Folge, Band 10, Nummer 1, Halle (Saale) 1973, S. 77–95.