
Eine Kanonenblende (auch kurz Blende) ist ein beweglicher Teil der Panzerung, der die Hauptwaffe eines Panzers oder eines anderen gepanzerten Kampffahrzeugs umgibt. Da die Kanone in der Höhe gerichtet werden muss, benötigt die Front des Geschützturms eine große Öffnung, die das Innere des Turms andernfalls feindlichem Beschuss aussetzen würde. Die Blende verschließt diese Lücke: Sie bewegt sich mit der höhenrichtbaren Masse der Waffenanlage mit, ohne fest mit dem Rohr selbst verbunden zu sein, so dass die Öffnung bei jedem Höhenrichtwinkel abgedeckt bleibt, und verstärkt zugleich den Schutz der Turmfront.
Einige moderne Panzer besitzen keine schwer gepanzerte Blende mehr. Beim britischen Chieftain wurde auf das Bauteil vor allem verzichtet, um das Gesamtgewicht zu verringern.
Bei vielen Panzern des Zweiten Weltkriegs trug die Blende die stärkste Panzerung des Fahrzeugs; der deutsche Tiger I etwa hatte 100 mm Panzerung an der Wannenfront, aber 120 mm an der Kanonenblende. Die Blende schirmte häufig auch die Lagerung der koaxialen Sekundärbewaffnung und die Öffnungen der Richtschützenoptik ab. Daneben diente sie als Träger weiterer Ausrüstung: Der amerikanische M48 Patton führte seinen Infrarot-/Weißlichtscheinwerfer mit einer Lichtstärke von einer Million Candela üblicherweise oben auf der Blende mit.
Eine Blende kann außenliegend sein und vor der Turmfront stehen, wie bei den meisten Panzern des Zweiten Weltkriegs, oder innenliegend hinter der Öffnung in der Turmfront angeordnet sein. Innenliegende Blenden fanden sich ab den 1930er Jahren an den meisten britischen Panzern. Bei sowjetischen Panzern wurden sie mit dem T-54 eingeführt, dessen ursprünglicher Turm auftreffende Geschosse nach unten in den Turmdrehkranz ablenkte und deshalb durch eine stärker halbkugelförmige Konstruktion mit innenliegender Blende ersetzt wurde.
Bei mehreren Konstruktionen des späten Kalten Kriegs und der Zeit danach, etwa dem M1 Abrams und dem Leopard 2, wurde die Blende gegenüber dem übrigen Turm in Größe und Stärke deutlich reduziert. Da die Blende zur höhenrichtbaren Masse gehört, erhöht eine schwere Blendenpanzerung die Last, die der Richtantrieb und die Waffenstabilisierungsanlage bewegen müssen, und verschlechtert damit die Stabilisierungsleistung; die Konstrukteure verringerten deshalb die von der Blende eingenommene Frontfläche.

Kanonenblenden treten in unterschiedlichen Formen auf. Sie können hinter der Turmpanzerung (innenliegend) oder vor ihr (außenliegend) angeordnet sein und flache oder gewölbte Formen aufweisen. Im deutschen Sprachgebrauch werden nach der Bauform unter anderem Walzenblende, Saukopfblende und Kugelblende unterschieden.
Eine Saukopfblende verringerte die Wahrscheinlichkeit, dass die Hauptwaffe durch Treffereinwirkung klemmte. Diese schmale Blendenform erhielt beispielsweise der Serienturm des deutschen Königstiger im Zweiten Weltkrieg.
Eine gewölbte oder geneigte Blende kann als Geschossfalle wirken: Ein Geschoss, das auf ihre Unterseite trifft, kann nach unten abprallen und das dünne Wannendach über dem Fahrerraum durchschlagen. Die gerundete Blende des deutschen Panther wies diese Schwäche auf; bei späteren Serienfahrzeugen wurde sie durch ein „Kinn“ an der Unterkante der Blende behoben. Auch der Vorserienturm des Königstigers mit seiner gewölbten, den Blenden der Panther-Ausführungen D und A ähnlichen Blende zeigte diese Schwäche: Tief auftreffende Geschosse konnten den Turmdrehkranz beschädigen oder in das erheblich dünnere Wannendach abgelenkt werden. Nach der Einstellung dieses Turms im Dezember 1943 fertigte Krupp den Serienturm mit Saukopfblende, bei dem das Problem nicht mehr auftrat.