Karantanen (lateinisch Quarantani, slowenisch Karantanci) war die Bezeichnung für eine slawisch geprägte frühmittelalterliche Gemeinschaft im Ostalpenraum. Ihr politisches Zentrum lag in Karantanien, dessen Kerngebiet sich im heutigen Kärnten befand. Die karantanische Gemeinschaft entstand aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen; ihre Geschichte ist eng mit der slawischen Besiedlung der Ostalpen sowie der späteren Einbindung in das bayerisch-fränkische Herrschaftsgebiet verbunden.
Die Entstehung der Karantanen als politisch und kulturell bestimmter Gemeinschaft wird von Peter Štih in das 7. Jahrhundert eingeordnet. Slawische Zuwanderer und romanisierte einheimische Bevölkerungsgruppen gehörten zu ihren Bestandteilen; auch andere Gruppen könnten beteiligt gewesen sein. Die Bezeichnung als slawisches Volk beschreibt dabei eine gemeinsame politische und kulturelle Zuordnung und setzt keine einheitliche Abstammung voraus. Die um 870 verfasste Conversio Bagoariorum et Carantanorum bezeichnet die Gruppe als Sclavi qui dicuntur Quarantani ("Slawen, die Karantanen genannt werden").
Die Hrvatska enciklopedija bezeichnet die Karantanen als eine der Vorläufergruppen der heutigen Slowenen. Der Name wurde später auch auf Einwohner weiterer Gebiete übertragen, darunter im 9. Jahrhundert Teile Niederpannoniens. Seine Bedeutung veränderte sich damit im Laufe der Zeit und war nicht auf die ursprüngliche Gemeinschaft beschränkt.
Im 8. Jahrhundert geriet Karantanien unter bayerische und fränkische Oberhoheit. Nach der Überlieferung rief Fürst Borouth die Bayern gegen die Awaren zu Hilfe. In der Folge verstärkte sich der Einfluss des Westens; zugleich begann die christliche Missionierung. Der letzte einheimische karantanische Fürst wurde 828 abgesetzt, und das Gebiet wurde stärker in die Herrschafts- und Rechtsordnung des Frankenreiches eingegliedert. Štih verbindet damit auch den allmählichen Verlust einer eigenständigen karantanischen ethnischen Identität.
Die Karantanen gehörten zu den ersten slawischen Gemeinschaften, die christianisiert wurden. Die Mission erforderte sprachliche Verständigung zwischen Missionaren und Bevölkerung; die Annahme des Christentums war zugleich mit gesellschaftlichen Veränderungen verbunden.