Die Stadt liegt in der historischen Region Großpolen, etwa 40 Kilometer nordöstlich der Stadt Zielona Góra (Grünberg in Schlesien) an der Obrzyca (Raule Obra).
Geschichte
Unruhstadt, südwestlich der Stadt Posen und östlich der Stadt Züllichau, auf einer Landkarte von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Die erste Erwähnung des Ortes Cargowo stammt aus dem Jahre 1360. Karge entwickelte sich zu einem Zentrum des bäuerlichen Handels und erhielt 1630 das Marktrecht verliehen. Der Marktflecken erhielt das Privileg zur Abhaltung von sechs Jahrmärkten. Die bekannten Karger Schweinemärkte brachten dem Ort im Volksmund den Namen Schweine-Karge ein.
1641 erwarb der Starost von Gniezno, Christoph von Unruh, den Marktflecken Karge und gründete in unmittelbarer Nachbarschaft eine Siedlung für evangelische Glaubensflüchtlinge aus Schlesien, die seinen Namen erhielt. 1655 gilt als Gründungsjahr der neuen Ortschaft.
Die beiden Orte verschmolzen schnell, und 1661 erhielt Unruhstadt Stadtrecht. Der Mutterort Karge blieb dessen ungeachtet weiter bestehen und bildete bis 1945 eine selbständige Gemeinde im Kreis Bomst bzw. im Kreis Züllichau-Schwiebus.
1793 kam Unruhstadt zusammen mit der Neuerwerbung Südpreußen zu Preußen, war dann zwischen 1807 und 1815 kurzzeitig Teil des Herzogtums Warschau.
1818 wurde die Stadt Teil des preußischen Kreises Bomst und trat 1938 zum Kreis Züllichau-Schwiebus.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Unruhstadt ein Zentrum der Tuchmacherei. Die Hänge zwischen Obra und Fauler Obra wurden für den Weinbau genutzt. Die Evangelische Kirche unterhielt in Unruhstadt ein Hospital.
Um 1935 hatte Unruhstadt unter anderem zwei Hotels, drei Gasthöfe und Restaurants, eine Sparkasse, eine Zweigstelle der Wirtschaftsbank, eine Bierbrauerei, zwei Branntweinbrennereien, ein Holzsägewerk, eine Korbfabrik, einen Maschinenbauer, sechs Mühlen, eine Schokoladen- und Kakaofabrik, einen Zweitungsverlag und eine zahlreiche Gemischtwaren- und Einzelhändler, Dienstleister sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kam es beim Vormarsch der Roten Armee im Frühjahr 1945 zu großen Zerstörungen in der Stadt und in deren Umgebung. Im selben Jahr wurde die Stadt von der Siegermacht Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen und von der polnischen Administration in Kargowa umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde größtenteils unter Missachtung der Atlantik-Charta von der polnischen Administration aus Unruhstdt vertrieben.
Einwohnerentwicklung
Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr
Einwohner
Anmerkungen
1800
1518
darunter 323 Juden; Stadt mit 259 Wohnhäusern, einer evangelischen Kirche (in Karge) und einer Synagoge, 36 Mühlen und einem öffentlichen Gebäude
1816
1928
Stadt
1836
2060
Stadt mit 300 Häusern und einer evangelischen Kirche, bedeutende Viehmärkte, adlige Besitzung
1852
2165
Stadt (Karge)
1864
2111
am 3. Dezember
1867
2056
am 3. Dezember; nach anderen Angaben 1734 Einwohner, ohne die Garnison: 3. und 4. Eskadron des Posener Ulanen-Regiments Nr. 10
1871
1959
am 1. Dezember, davon 1537 Evangelische, 289 Katholiken un 133 Juden
1875
1954
1885
1604
am 1. Dezember, davon 1289 Evangelische, 230 Katholiken, eine sonstige christliche Person und 84 Juden
1890
1724
am 1. Dezember
1905
1695
am 1. Dezember, davon 1222 Evangelische (darunter 1218 mit deutscher Muttersprache, zwei mit polnischer Muttersprache), 409 Katholiken (181 mit deutscher, 228 mit polnischer Muttersprache), drei andere Christen und 61 Juden; Stadt mit einer evangelischen Kirche, einer katholischen Kirche und einer Synagoge, viele Windmühlen, Weinbau
1910
1612
am 1. Dezember, darunter 1388 mit deutscher Muttersprache (1150 Evangelische, 202 Katholiken und drei Juden) und 220 mit polnischer Muttersprache (sämtlich Katholiken)
1925
1462
1933
1733
1939
1715
Religionen
Im 19. Jahrhundert gab es in Unruhstadt eine evangelische Kirche und eine katholische Kirche. Die Stadtbevölkerung war vor 1945 mehrheitlich evangelischer Konfession. Die Evangelischen hatten früher die alte evangelische Kirche in Karge besucht. 1805 wurde eine neue evangelische Kirche in Unruhstadt fertiggestellt.
Unruhstadt, Kreis Bomst, Regierungsbezirk Posen, Provinz Posen, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Unruhstadt (meyersgaz.org).
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