Karl Bushby

Karl Bushby (* 1969 in Kingston upon Hull, England) ist ein britischer Abenteurer. Er versucht seit 1998 als erster Mensch die Erde zu „umwandern“, ohne irgendein Verkehrsmittel zu nutzen. Eine besondere Herausforderung seiner Goliath-Expedition war es, den Pazifik ohne Nutzung eines Bootes zu überqueren.

Die geplante Route

Goliath-Expedition

Bushby startete seinen Weltrekordversuch am 1. November 1998 in der chilenischen Stadt Punta Arenas an der Magellanstraße und wollte von dort, dem südlichen Ende Südamerikas, bis zum Jahr 2009 zurück in seiner englischen Heimatstadt Hull sein. Durch Änderungen bei der Vergabe von Visa der zu durchquerenden Länder und die sich ändernde Sicherheitslage war der geplante Weg zahlreiche Male nicht passierbar. Die Expedition führt Bushby nicht in einem Stück, sondern in einzelnen Etappen durch, was auch die verhältnismäßig lange Zeitspanne für seine Unternehmung erklärt. Sollte Bushby samt seinem Team unbeschadet an seinem Zielort ankommen und die planmäßige Expeditionsroute eingehalten werden, hätte er bis dahin auf rund 58.000 Kilometern 25 Länder, sechs Wüsten und sieben größere Gebirgszüge auf insgesamt vier Kontinenten durchquert.

Amerika

Nach seinem Start im November 1998 wanderte Bushby durch Südamerika von Chile Richtung Norden. Dabei bewegte er sich in den Ländern Chile, Argentinien, Peru, Ecuador und Kolumbien. Zwischen Kolumbien und Panama, an der Grenze zwischen Süd- und Mittelamerika, durchquerte er das Darién Gap, ein straßenloses Gebiet mit tropischem Regenwald, beherrscht von Guerillakämpfern und Paramilitärs. In Panama kam er im Februar 2001 als illegaler Immigrant 18 Tage in Haft.

Im Mai 2002 erreichte Bushby die Vereinigten Staaten, nachdem er Panama, Costa Rica, Nicaragua, Honduras, El Salvador, Guatemala und Mexiko durchquert hatte. Auf seinem Weg durch den US-amerikanischen Südwesten hatte er mit Temperaturen um 50 Grad Celsius zu kämpfen. Anfang 2003 wurde ihm in Montana, kurz vor der Grenze zu Kanada, sein Gepäckwagen gestohlen. Er brauchte einen Monat, um die verlorenen Dinge zu ersetzen. Kurz bevor er zur Grenzüberquerung aufbrach, erfuhr Bushby, dass sein gestohlener Wagen in einem Steinbruch gefunden worden war. Bei der Wanderung durch Alaska sanken die Temperaturen auf minus 40 Grad. Im Mai 2004 erreichte Bushby Fairbanks (Alaska). Im Dezember 2004 machte er einen Trip ins Landesinnere Alaskas. Anfang 2006 war er bereit, die Überquerung der Beringstraße zu wagen.

Russland

Mitte März 2006 betraten Bushby und der französisch-amerikanische Abenteurer Dimitri Kieffer, der sich ihm angeschlossen hatte, die zugefrorene Beringstraße zwischen Alaska und Russland. Nach der 15-tägigen Überwindung dieses Hindernisses wurden sie an der russischen Grenze nahe der Siedlung Uelen wegen unrechtmäßiger Grenzüberschreitung von russischen Beamten aufgehalten, konnten ihre Reise jedoch wenig später fortsetzen, nachdem sich der Gouverneur des russischen autonomen Kreises Tschukotka, Roman Abramowitsch, und der stellvertretende britische Premierminister John Prescott hatten einigen können. Zusätzlich zu der 90-tägigen Beschränkung durch russische Visa wurde Bushby durch die Bedingungen in der Tundra behindert. Da ihn seine Route durch ein Gebiet führte, das zu Fuß nur über zugefrorene Flüsse und Eisstraßen bereist werden kann, war dies nur im späten Winter und frühen Frühling möglich.

Wegen erneuter Visaprobleme wurde die Reise unterbrochen und erst im März 2015 wieder aufgenommen. In dieser Zeit ging Bushby zu Fuß über 4800 km von Los Angeles nach Washington, D.C. und wieder zurück. Sein Ziel war die russische Botschaft in den USA. Hier erreichte er die Aufhebung des 2013 gegen ihn verhängten Wiedereinreiseverbots nach Russland und er erhielt sogar ein Einladungsschreiben der russischen Regierung.

Zentralasien

2017 überquerte Bushby die Grenze zwischen Russland und der Mongolei und war am 8. August 2017 in Ulaanbaatar.

Bushby traf Anfang Juni 2019 in Usbekistan ein und erreichte einige Monate später die Grenze zwischen Turkmenistan und dem Iran. Dort musste die Goliath-Expedition unterbrochen werden, da Bushby kein Visum für den Iran erhielt und die Weiterreise aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht möglich war. Bushby wurde genötigt, Turkmenistan zu verlassen, da sein 30-tägiges Visum abgelaufen war. Seine Ausrüstung wurde konfisziert und er reiste nach Los Angeles, um seine Sponsoren zu informieren.

Da eine Weiterreise zu Fuß durch Russland oder Iran aufgrund der aktuellen politischen Situation für einen Briten nicht durchführbar war, entschied er sich dafür, das Kaspische Meer zu durchschwimmen. Er startete im August 2024 und legte die 288 km lange Strecke von Kasachstan nach Aserbaidschan in 31 Tagen zurück.

Europa

Am 3. Mai 2025 erreichte er Istanbul. Mit einer Sonderbewilligung überquerte er zu Fuß die für Fußgänger gesperrte Brücke der Märtyrer des 15. Juli und war damit in Europa. Am selben Abend flog er aus Istanbul ab nach Mexiko, um die Visabestimmungen einzuhalten, aufgrund derer er die Türkei für 90 Tage verlassen musste. Das Ziel sei, anschließend von der Türkei aus seine Reise durch Europa fortzusetzen und im September 2026 zuhause in Hull anzukommen.

Bushby durchquerte Bulgarien, Rumänien, Ungarn und die Slowakei. Da sein Schengen-Visum als Folge des Brexits nur für 90 innerhalb von 180 Tagen galt, musste er den Schengenraum verlassen und wartete in Mexiko auf ein neues Visum. Von Ungarn aus setzte er seine Wanderung Anfang 2026 fort. Im Juni 2026 hatte er Belgien erreicht. Als sein Visum erneut ablief, wartete er wiederum in Mexiko auf eine Zusage, den Eurotunnel durchqueren zu dürfen. Da dies jedoch abgelehnt wurde, beschloss Bushby, durch den Ärmelkanal zu schwimmen. Im September 2026 nahm er in Belgien seine Wanderung wieder auf und überquerte am 20. September die Grenze zu Frankreich.

Am 5. Oktober 2026 erreichte Bushby Shakespeare Beach bei Dover, nach vier Tagen im Wasser mit Übernachtungen auf Begleitbooten. Er wurde von seiner Familie und Freunden sowie dem Filmemacher Werner Herzog empfangen; letzterer drehte einen Dokumentarfilm über Bushbys Goliath Expedition.

Werke und Zitate

Im April 2006 erschien im Vereinigten Königreich Bushbys Buch Giant Steps, in dem er von seinen Erfahrungen während seines einmaligen Weltrekordversuchs berichtet und das durchweg positive Kritiken erhielt.

„Ich bin kein bisschen naiv, aber ich habe über all die Jahre so viele Menschen kennen gelernt, die mir Geld gegeben haben, Essen oder auch ein Bett, dass ich im Zweifelsfall immer auf die Menschheit setze. Es mögen Arschlöcher da draußen leben, ich hatte das Glück, kaum welche kennen zu lernen.“

– Karl Bushby
Commons: Karl Bushby – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 The Longest Journey Home. Karl Bushby Homepage (englisch), abgerufen am 9. Oktober 2026
  2. ↑ Karl Bushby: Giant steps: an American odyssey from Punta Areanas to the edge of Alaska. Time Warner Books, London 2006 (englisch). Einleitung verfügbar im Internet Archive, abgerufen am 9. Oktober 2026
  3. ↑ Karl Bushby – The Longest Journey Home. Speakers Spotlight (englisch), abgerufen am 9. Oktober 2026
  4. ↑ Karl Bushby – In der Goliath-Expedition um die Welt gehen. In: angusadventures.com. Abgerufen am 25. Januar 2023.
  5. ↑ Russia ban for Hull's round-the-world walker Karl Bushby. In: archive.org. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 3. Februar 2014; abgerufen am 25. Januar 2023.
  6. ↑ Hull adventurer Karl Bushby to let camels take the strain in Mongolia on next leg of 36,000 mile trek. In: hulldailymail.co.uk. Abgerufen am 25. Januar 2023.
  7. ↑ Phillips, Holly: Round-the-world walker Karl Bushby swims across Caspian Sea. Abgerufen am 4. November 2024 (britisches Englisch).
  8. ↑ Update 17/9/2024. Abgerufen am 4. November 2024 (amerikanisches Englisch).
  9. ↑ ‘A big moment’: Karl Bushby reaches Europe on epic walk from South America. Abgerufen am 28. Juli 2025 (amerikanisches Englisch).
  10. ↑ Karl Bushby global walker from Hull prepares for home stretch. 11. Juni 2025, abgerufen am 28. Juli 2025 (britisches Englisch).
  11. ↑ Karl Bushby wanderte 50’000 Kilometer in 28 Jahren – nun ist er zurück zuhause. 7. Oktober 2026, abgerufen am 14. Oktober 2026.
  12. ↑ Britischer Weltumwanderer erreicht Heimatland nach 28 Jahren. Der Spiegel, 6. Oktober 2026, abgerufen am 7. Oktober 2026
  13. ↑ Giant Steps: The Remarkable Story of the Goliath Expedition: From Punta Arenas to Russia. In: amazon.de. Abgerufen am 25. Januar 2023.
  14. ↑ Zu Fuss um die Welt: Mit 500 Dollar in der Tasche lief er los – 27 Jahre später ist er noch immer unterwegs. 28. Mai 2025, abgerufen am 4. Mai 2026.
Personendaten
NAME Bushby, Karl
KURZBESCHREIBUNG britischer Abenteurer
GEBURTSDATUM 1969
GEBURTSORT Kingston upon Hull, England, Großbritannien