Seit 1873 unterstand Vent dem Oberbaudirektor Ferdinand Streichhan im Departement des Innern als Baubeamter für das fiskalische Bauwesen im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach und war gemeinsam mit diesen an mehreren staatlichen Bauvorhaben im Großherzogtum und vor allem in Weimar beteiligt. Neben seiner dienstlichen Funktion als Baubeamter entwarf Vent als Architekt in großherzoglichem Auftrag selbstständig, ohne Einbeziehung des Oberbaudirektors, eigene Bauwerke im Stil des Historismus mit Merkmalen der Neorenaissance. Dieser Stil entsprach dem Geschmack von Großherzog Carl Alexander, dessen Bauprogramm ein „inszeniertes Ilmflorenz“ war. Dazu zählt beispielsweise das ehemalige Lehrerseminars in Weimar, dessen Bauauftrag vom Großherzog direkt an Vent erteilt wurde. Er schuf mit „qualitätvollen Bauten im Stil der Neorenaissance ein repräsentatives, städtebaulich bedeutendes Ensemble“. Dieses prägt das Weimarer Stadtzentrum bis heute. Sie bedeuteten eine große Veränderung, die auch für die Stadtbauplanung und damit die Verkehrsführung im Zentrum noch heute wirksam sind. Vent fehlte dem Oberbaudirektor deshalb als Bauleiter für einen weiteren großen Bau: dem zeitgleich entstandenen Marstall, in welchem sich heute ein Teil des Hauptstaatsarchiv Weimar befindet. Er wäre dafür der zuständige Baubeamte gewesen, stand wegen der Bauleitung seiner eigenen großherzoglichen Projekte dafür aber nicht zur Verfügung.
Auf Bitten des befreundeten österreichischen Architekten August Ortwein und der Verlagshandlung E. A. Seemann in Leipzig erklärte sich Vent 1872 in seiner Eigenschaft als großherzoglicher Baukondukteur für die Erarbeitung der Beiträge über Weimar und Erfurt in dem mehrbändigen Tafelwerk Deutsche Renaissance bereit. Dieses Tafelwerk hat dokumentarischen Charakter und wurde bis in das 20. Jahrhundert als Kompendium zur Rekonstruktion von Gebäuden und zur Ergänzung von Bauteilen verwendet.
Vent starb im Alter von 44 Jahren und 8 Monaten in Weimar.
Bauten in Weimar (Auswahl)
1870-1873 Markt 14, Haus für den Kaufmann Schmidt-Predari, heute Teil der Weimarer Stadtverwaltung und Stadtwache der Polizei
1873 Entwurf für den Neubau des Staatsarchivs in Weimar neben der Hofgärtnerei, vom Großherzog aufgrund anderweitiger Nutzung des Bauplatzes verworfen
1873 Projektierung der sogenannten Passage auf dem überwölbten Schützengraben in Weimar
1878 Sophienstiftsplatz 1: Schulgebäude (Sophienstift, später Johann-Peter-Eckermann-Schule) nach Vorbild eines Palazzos in Trient aus Nebraer Sandstein Ursprünglich war das Sophienstift ein Mädchenlyzeum.
↑Jahres-Bericht über den Zustand und die Leistungen des Deutschen Polytechnisches Institut Prag, 1869/70, Prag 1870, S. 12; Oesterreichischer Bau-Almanach für Staats-, Landes- und Gemeinde-Beamte, 1871, S. 89.
↑Staatshandbuch für das Großherzogtum Sachsen. 1874, S. 74 (books.google.de).
↑Alf Rößner: Inszeniertes Ilmflorenz. Künstler und Bauten in Weimar Carl Alexanders. In: Weimar-Jena: Die große Stadt 3/2 (2010), S. 117–136. Hier S. 121.
↑Kerstin Vogel: Carl Heinrich Ferdinand Streichhan. Dissertation Weimar 2008, S. 180.
↑Kerstin Vogel: Carl Heinrich Ferdinand Streichhan. Dissertation Weimar 2008, S. 189.
↑Ludwig Leybold (Hrsg.): Deutsche Renaissance. Eine Sammlung von Gegenständen der Architektur, Decoration und Kunstgewerbe in Originalaufnahmen, Band: Augsburg, E. A. Seemann, Leipzig, 1872, 4. Umschlagseite.
↑Werner Broda: Hof: Spurensuche Nickel Hoffmann – Ein Baumeister der ‚Deutschen Renaissance‘ (~ 1515 – 1592), Diss. Philipps-Universität Marburg, Marburg 1998. Zugang zur PDF-Datei
↑Willy Flach: Beiträge zum Archivwesen, zur thüringischen Landesgeschichte und zur Goetheforschung. 2003, S. 60 (books.google.de).
↑Die Notwendigkeit dieses Baues auf Staatskosten wurde von einem Rechnungsausschuss hinterfragt und zur weiteren Beschlussfassung dem Landtag berichtet, vgl. Verhandlungen des [...] Landtags und der Gebietsvertretung von Sachsen-Weimar 1877, Weimar, 1877, S. 1.
↑Georg Dehio:Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Thüringen. 2. Auflage. Deutscher Kunstverlag, 2003, ISBN 978-3-422-03050-3, S.1329 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
↑Zu den bauplanerischen Vorarbeiten: Bauhistorische Untersuchung Sophienstiftsplatz (Mementodes Originals vom 20. Januar 2022 im Internet Archive)Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/stadt.weimar.de, S. 10. Auf S. 11 Anm. 53 heißt es: „Ein günstiger Umstand war es, daß ein Enkel Herders, Geheimrat Dr. Stichling, das Großherzogliche Staatsministerium, Departement des Kultus, leitete. Er zeigte namentlich auch für das Seminar lebendiges Interesse […] Der Enkel Karl Augusts, Seine Königliche Hoheit der Großherzog Carl Alexander, der eifrigste Förderer des Schulwesens seines Landes … gab bereitwilligst die Genehmigung zu dem beabsichtigten Bau. Nachdem der Landtag die Mittel verwilligt und, auf Grund der bei Besichtigung der neuesten Schulbauten im Königreich Sachsen durch den mit der Ausführung des Baus beauftragten Bauinspektor Vent und den Seminardirektor gewonnenen Erfahrungen, der Bauplan unter unermüdlicher und eingehendster Prüfung seitens des Regierungsrats Dr. Guyet von neuem durchgearbeitet worden war, fand am 23. Juni 1875, in Gegenwart Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs, der Frau Großherzogin und des Erbgroßherzogs, die feierliche Grundsteinlegung statt. Doch nur unter schweren Sorgen, die ein tückischer Erdgeist im Untergrund bereitet, ging der Bau seiner Vollendung entgegen.“
↑Zur Geschichte des Sophienstiftes bis ca. 1925: Hannelore Henze, Ilse-Sibylle Stapff: Streifzüge durch das alte Weimar. Weimar 2004, S. 76 ff.
↑Zum Mädchenschulwesen in Deutschland allgemein: Wilhelm Nöldeke: Von Weimar bis Berlin: Bemerkungen zur Entwicklung des höheren Mädchenschulwesen in Deutschland, Berlin: L. Oehmigkes Verlag (R. Appelius), 1888.
↑Art. Pauline Ida Marie Olga: Erbgroßherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, in: Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, S. 347. Steht auf der Liste der Kulturdenkmale in Weimar (Einzeldenkmale).