Greve erschien 2014 in Artnet News’ Most Admired Art Dealers Liste und wurde 2012 als auch 2013 in Blouin's Art + Auction Power 100 List aufgeführt. Er wird als einer der einflussreichsten europäischen Kunsthändler bezeichnet.
Leben und Karriere
Karsten Greve wurde Dahme/Mark geboren. Er verbrachte seine Schulzeit in Berlin und Siegen und studierte Jura und Kunstgeschichte an der Universität zu Köln, der Universität Lausanne und der Universität Genf. Als Student begann er seine eigene Kunstsammlung aufzubauen und erwarb sein erstes Cy-Twombly-Gemälde im Jahr 1966. Im Alter von 23 hatte er Werke von Cy Twombly, Joseph Beuys, Lucio Fontana, Yves Klein, Willem de Kooning, Joseph Cornell, und Jannis Kounellis erworben. Gemeinsam mit Rolf Möllenhof (* 1939, Chemnitz) betrieb er 1970 die Möllenhof/Greve Galerie. 1972 wurde er alleiniger Eigentümer der Galerie Karsten Greve, damals noch im Galeriehaus Köln Lindenstraße gelegen. Er eröffnete die Galerie mit einer dem Künstler Yves Klein gewidmeten Einzelausstellung, in deren Mittelpunkt die Anthropometry Werkreihe stand. Greve eröffnete 1989 eine zweite Galerie in Paris, 1994 eine dritte Galerie in Mailand (2002 geschlossen) und 1999 einen vierten Standort in St. Moritz.
Karsten Greve sammelt Design Möbel von Robert Mallet-Stevens, Le Corbusier und Pierre Chareau. Er erwarb einen Teil des rue Mallet-Stevens Hôtel Martel. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern.
Bedeutung in der Kunstwelt
Karsten Greve war einer der ersten Galeristen, die in den 1980er Jahren einen Ausstellungsraum im Marais Viertel von Paris eröffneten. Er war der erste Galerist, der eine Galerie in St. Moritz eröffnete.
Während seiner 40-jährigen Karriere als Kunsthändler trug Karsten Greve maßgeblich zur internationalen Anerkennung von Künstlern wieLouise Bourgeois – als einer der ersten der sie in Europa ausstellte – John Chamberlain, Lucio Fontana, Jannis Kounellis, Piero Manzoni und Cy Twombly bei. Bis zu zwei Drittel der Werke, die auf dem Markt zu finden sind, wurden ursprünglich von ihm verkauft. Seine enge Freundschaft zu den Künstlern diente hierbei als Basis für das Galerieprogramm, welches von der internationalen Nachkriegsavantgarde bestimmt ist.
Karsten Greve über seine erste Begegnung mit Cy Twombly: „It was 1969. I was 23 and had just opened a gallery in Cologne. He was living in Rome, in a 16th-century palace that had no names on the door. I eventually figured out where he lived. I went to his apartment a couple of times and rang the bell but he never answered. Eventually, he heard from others that a crazy young German wanted to meet him and he let me in.“
Greve hat für seine kuratierten Messepräsentationen und museale Ausstellungsqualität weitreichende Anerkennung erlangt ebenso wie für seine Fähigkeit, die Relevanz von Künstlern und ihrem Œuvre zu erkennen, bevor sie internationale Bekanntheit erreichen. Bei der 1996 Sao Paulo Biennale kuratierte Karsten Greve eine Cy Twombly gewidmete Einzelausstellung. Von 1997 bis 2003 war er Vorsitzender des Art Cologne Zulassungsausschusses. Ebenfalls war er Mitglied des Art Basel Selection Committee sowie der FIAC Jury.
Karsten Greve unterstützt den Jüdischen Nationalfonds (קרן קימת לישראל, Keren Kayemet LeYisrael) in seinen Umweltschutz und Aufforstungs-Projekten. 2013 wurde bekannt, dass Karsten Greve für den Anbau des geplanten neuen Deutschen Romantik-Museum in Frankfurt am Main eine Mio. Euro spendete, nachdem die Stadt Frankfurt überraschend aus dem Kreis der Geldgeber ausschied; seither galt er als Lokomotive der Spendeninitiative für den Bau des Literaturmuseums, welches voraussichtlich 2018 eröffnet wird. Er beteiligte sich 2015 an der Stiftung der Skulptur Usagi Kannon von Leiko Ikemura an das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln. Karsten Greve schenkte dem Kölner Museum Ludwig die Lucio Fontana Skulptur Natura sowie dem Museum für Angewandte Kunst in Köln Pierre Chareau Möbel.
↑Francoise-Claire Prodhon:January/February 1993 Edition of Flash Art. Hrsg.: Flash Art Magazine. Vol. XXVI Auflage. Nr.168: „Only rarely has Bourgeois’ work been exhibited in France; the large-scale retrospective at the Musée de Lyon in 1990 and this outing at Karsten Greve both went down as something of an event. By presenting prevalently recent pieces alongside a selection of older works, the show affords an insight into the work in all its complexity and ambivalence, […].“
12Benjamin Genocchio:Q&A with Karsten Greve. Hrsg.: Blouin art+auction. Dezember 2013.
↑Muf:M.O.RITZ – neue Arbeiten von John Chamberlain. Hrsg.: Engadiner Post. 7.August 2001: „Inspiriert wurde Chamberlain zu dieser Arbeit vergangenen Februar. Er war – zur Erholung nach einer Operation – Gast seines Galeristen in St. Moritz. Weil es ihm und seiner Frau hier so gut gefallen hat, begann er unter diesem Eindruck die Arbeit an „Candied Delights“ oder M.O.RITZ, wie er die Objekte auch nennt.“
↑50. Kunstmesse Art Cologne - Die alte Tante macht sich fein. In: General-Anzeiger Bonn. 14.April 2016 (general-anzeiger-bonn.de[abgerufen am 15.Februar 2017]).
↑Jürgen Raap:Räume der Angst. Hrsg.: Kölner Illustrierte. 4.April 1994: „Ein museumsreifes Programm von John Chamberlain bis Picasso macht schon seit längerem das Profil der Galerie Greve aus, und auch jetzt gibt es Hochkarätiges zu sehen: Zeichnungen und frühe Skulpturen von Louise Bourgeois in den Räumen am Wallrafplatz (…)“
↑Susanne Henle:Vorm Paradies drückt man sich die Nase platt. Hrsg.: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2.August 1997: „Greves Offerte erreicht hier museales Niveau. Insgesamt ist die Schau, die sich in den diesjährigen Sommermonaten auch an die internationalen, von der documenta angelockten art people wendet, als strategisch eingesetzte Kunstmarktoffensive zu werten.“
↑Roland Groß:Ein Galerist der Weltgeltungskünstler. Hrsg.: Der Standard. August 2003.
↑Katja Blomberg:Art Cologne: Die Schmerzgrenze ist erreicht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 6.November 2000, ISSN0174-4909 (faz.net[abgerufen am 15.Februar 2017]).
↑"Art Cologne": Der Kunstmarkt rotiert. (tagesspiegel.de[abgerufen am 15.Februar 2017]).