Kathy E. Ferguson (* 1950) ist eine US-amerikanische Politikwissenschaftlerin und feministische Politische Theoretikerin. Sie ist Professorin für Politikwissenschaft und Women, Gender, and Sexuality Studies (WGSS) an der University of Hawaiʻi at Mānoa, wo sie seit Herbst 2025 als Interim Chair des WGSS-Departments amtiert. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der feministischen Theorie, der anarchistischen Politischen Theorie und der Kritik von Bürokratie und Militarismus. Ferguson gehört zu den 25 meistzitierten Politischen Theoretikerinnen und Theoretikern in den Vereinigten Staaten und wurde 2009 mit dem Okin-Young Award der American Political Science Association für den besten Aufsatz in feministischer Politischer Theorie ausgezeichnet.
Kathy E. Ferguson wuchs auf einer Farm in Indiana auf. Sie erwarb 1972 den B.A. in Politikwissenschaft an der Purdue University und wurde 1976 an der University of Minnesota mit der ersten feministischen Dissertation des Fachbereichs promoviert. Von 1976 bis 1985 lehrte sie am Siena College in Albany, New York, wo sie das dortige Women and Minority Studies Program mitbegründete und als dessen erste Direktorin fungierte. In dieser Zeit erschienen ihre ersten beiden Monographien: Self, Society, and Womankind (1980) sowie The Feminist Case Against Bureaucracy (1984), die zu einem Standardwerk der feministischen Organisationstheorie avancierte.
1985 wechselte Ferguson an die University of Hawaiʻi at Mānoa, wo sie seither als Professorin für Politikwissenschaft und Women, Gender, and Sexuality Studies lehrt und zeitweilig als Departmental Chair des Department of Political Science amtierte. Seit Herbst 2025 fungiert sie als Interim Chair des Department of Women, Gender, and Sexuality Studies. Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte führten sie an das Institut für Höhere Studien in Wien, an die Universität Göteborg und 2019 an die University of Roehampton in London. 1999 erhielt sie ein Fulbright-Stipendium für einen Forschungsaufenthalt an der Ben-Gurion-Universität des Negev in Be’er Scheva, Israel.
Fergusons Werk The Feminist Case Against Bureaucracy (Temple University Press, 1984) analysiert die zunehmende Bürokratisierung von Arbeit und Politik als ein Phänomen, das die Möglichkeiten sinnvoller demokratischer Teilhabe systematisch untergräbt. Die Monographie wurde in der American Political Science Review besprochen und verzeichnet auf Semantic Scholar über 1.100 Zitationen.
In der Folgestudie The Man Question: Visions of Subjectivity in Feminist Theory (University of California Press, 1993) stellte Ferguson die herkömmliche „Frauenfrage“ auf den Kopf, indem sie Maskulinität als erklärungsbedürftiges Problem thematisierte. Wendy Brown (Berkeley) lobte das Werk für seine Verbindung von Klarheit, Witz und Gelehrsamkeit und attestierte ihm, der feministischen Theorie neue Räume zu eröffnen. Die Monographie verzeichnet über 220 Zitationen.
Mit Emma Goldman: Political Thinking in the Streets (Rowman & Littlefield, 2011) legte Ferguson eine Studie vor, die Emma Goldman erstmals systematisch als politische Denkerin – nicht nur als Aktivistin oder Ikone – ernst nimmt. Nathan J. Jun bewertete das Buch in Contemporary Political Theory als „great achievement“, das sowohl für die Anarchismusforschung als auch für die Politische Theorie im engeren Sinne grundlegend sei. Der zugrundeliegende Aufsatz „Discourses of Danger: Locating Emma Goldman“ (Political Theory 36, 2008, S. 735–761) wurde 2009 mit dem Okin-Young Award in Feminist Political Theory der American Political Science Association als bester feministisch-politiktheoretischer Aufsatz des Vorjahres ausgezeichnet.
Fergusons jüngere Forschung wendet sich der Rolle des Buchdrucks in der anarchistischen Bewegung (1870–1940) sowie den zahlreichen Frauen zu, die von der Pariser Kommune bis zum Spanischen Bürgerkrieg im Anarchismus aktiv waren; zu beiden Themen bereitet sie Monographien vor.
Gemeinsam mit Phyllis Turnbull verfasste Ferguson Oh, Say, Can You See? The Semiotics of the Military in Hawaiʻi (University of Minnesota Press, 1999), eine semiotische Analyse der militärischen Präsenz auf den Hawaiʻi-Inseln. Mit Monique Mironesco edierte sie den Sammelband Gender and Globalization in Asia and the Pacific (University of Hawaiʻi Press, 2008).
Fergusons Übersichtsaufsatz „Feminist Theory Today“ im Annual Review of Political Science (20, 2017, S. 269–286) bietet eine breit rezipierte Bestandsaufnahme zeitgenössischer feministischer Theorie und verzeichnet über 60 Zitationen.
| Personendaten | |
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| NAME | Ferguson, Kathy |
| ALTERNATIVNAMEN | Ferguson, Kathy E. |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanische Politikwissenschaftlerin und feministische Theoretikerin |
| GEBURTSDATUM | 1950 |