Kaur Alttoa

Kaur Alttoa (2007)

Kaur Alttoa (* 14. September 1947 in Tartu) ist ein estnischer Kunst- und Kulturhistoriker, der sich vor allem mit der mittelalterlichen Architektur Estlands beschäftigt hat.

Bildung

Kaur Alttoa wurde 1947 als Sohn des Literaturwissenschaftlers Villem Alttoa und der Schulleiterin Aino Alttoa, geb. Liit, in Tartu geboren und besuchte das dortige Hugo-Treffner-Gymnasium, wo Liidia Tanimäe, eine bekannte Physiklehrerin zu Zeiten der Estnischen SSR, seine Klassenlehrerin war. Nach seinem Schulabschluss 1966 begann er im selben Jahr ein Studium der Kunstgeschichte an der Universität Tartu, das er 1972 mit einer Diplomarbeit über die Festung Vastseliina, auf Deutsch auch „Neuhausen“ genannt, abschloss. Im Jahre 1995 erwarb Alttoa an der Universität Tartu den akademischen Grad eines Magisters der Künste (Magister artium) in Kunstgeschichte mit einer Masterarbeit über die Architektur Südestlands im 15. und frühen 16. Jahrhundert. Seine frühen Forschungen legten den Grundstein für seine spätere Karriere und boten eine solide Basis für nachfolgende Studien zur mittelalterlichen Architektur Estlands.

Forschung und Karriere

Von 1971 bis 1990 arbeitete Alttoa als Wissenschaftler an einer Filiale der Estnischen Denkmalbehörde in Tartu. Parallel dazu war er von 1975 bis 1980 als Oberlehrer an der Staatlichen Kunsthochschule der Estnischen SSR, heute Estnische Kunstakademie, in Tallinn tätig. Seit 1977 ist Alttoa an der Universität Tartu beschäftigt, wo er Ende der 1980er-Jahre Dozent für Kunstgeschichte wurde. Von 2005 bis 2007 leitete er den Lehrstuhl für Kunstgeschichte.

Alttoa war auch Leiter des Anton-Starkopf-Museums in Tartu und einer der Herausgeber der internationalen Buchreihe „Castella Maris Baltici“, die Studien zu Burgen im Baltikum veröffentlicht. Seine Lehrtätigkeit an der Estnischen Kunstakademie umfasste Vorlesungen über Kunstgeschichte von den Anfängen bis zum Impressionismus und der Kunst des 20. Jahrhunderts.

Kaur Alttoas Forschungsschwerpunkt liegt auf der mittelalterlichen Architektur Estlands. Er hat zahlreiche archäologische Ausgrabungen an Burgen wie die Ordensburg Fellin, die Hermannsfeste und Burg Neuhausen geleitet. Seine Masterarbeit von 1995 behandelte die Backsteinarchitektur Südestlands im 15. und frühen 16. Jahrhundert.

Zu seinen bedeutendsten Arbeiten gehört eine Monografie über die Johanniskirche in Tartu und deren Terrakotta-Skulpturen, an der auch seine Frau, die Historikerin und Konservatorin Eve Alttoa, mitgearbeitet hat. Alttoa hat auch über die Baugeschichte der Michaeliskirche in Lääneranna und die Olai-Kirche auf Vormsi publiziert. Seine Arbeiten umfassen eine breite Palette von Themen, darunter die mittelalterlichen Kirchen in Saaremaa, den Dom zu Riga und die Burgen des Deutschen Ordens in Viljandi (deutsch: Fellin) und Rakvere (deutsch: Wesenberg).

Engagement und Auszeichnungen

Im Jahre 1980 war Kaur Alttoa einer der 40 Unterzeichner des offenen Briefes estnischer Intellektueller, in dem sie die Russifizierungspolitik der Sowjetunion in Estland kritisierten und die Rechte der Estnischen Sprache verteidigten. Für seine Verdienste wurde Alttoa mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Orden des weißen Sterns IV. Klasse (2001), der Medaille der Stadt Tartu (2005), dem Orden des Staatswappens IV. Klasse (2006) und der Ehrenmedaille der Universität Tartu (2007 und 2012).

Werke

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Heino Rannap (Hrsg.): Eesti kooli biograafiline leksikon. Eesti Entsüklopeediakirjastus, Tallinn 1998, ISBN 9985-70-023-6, S. 14.
  2. 1 2 3 4 Kaur Alttoa: Heavenly Jerusalem – the Start or the Finish? In: Baltic Journal of Art History. Band 20, 2020, ISSN 1736-8812, S. 191–196 (196) (utlib.ee).
  3. ↑ Lauri Vahtre: Ajaleht Pravda ja 40 keisri hullu. Postimees Grupp, 28. Oktober 2005, abgerufen am 31. Mai 2024.
  4. ↑ Tartuer Medali-Kavalier: Kaur Alttoa. Tartu Linnavalitsus, 28. Juni 2005, abgerufen am 31. Mai 2024.
Personendaten
NAME Alttoa, Kaur
KURZBESCHREIBUNG estnischer Kunst- und Kulturhistoriker
GEBURTSDATUM 14. September 1947
GEBURTSORT Tartu