Kawardha liegt am kurzen Sakari River zu Füßen der waldreichen Maikal Hills nahe der Grenze zum Bundesstaat Madhya Pradesh in ca. 350m Höhe. Die Millionenstadt Raipur befindet sich etwa 120 km südöstlich; die Millionenstadt Jabalpur liegt etwa 235 km (Fahrtstrecke) nordwestlich. Das Klima ist warm bis heiß; Regen (ca. 500–1000mm/Jahr) fällt hauptsächlich während der sommerlichen Monsunzeit.
Die Region gehörte seit Urzeiten zum Siedlungsgebiet der Gond; vom 9. bis zum 14. Jahrhundert wurde sie von der regional bedeutsamen Nagvanshi-Dynastie kontrolliert, die ihrerseits wiederum den Kalachuri tributpflichtig waren. Später übernahmen muslimische Herrscher die Macht bis im Jahr 1751 die Gond den FürstenstaatKawardha gründeten, der sich jedoch ein Jahr nach der Unabhängigkeit Indiens (1948) der indischen Union anschloss.
Sehenswürdigkeiten
Umgebung
In der Waldeinsamkeit ca. 17 km nordwestlich von Kawardha liegt der dem Gott Shiva geweihte Bhoramdeo-Tempel, ein Meisterwerk des 11. Jahrhunderts aus der Zeit der überregional bedeutsamen Kalachuri-Dynastie. Der Tempel ruht auf einem stark gegliederten Sockel, der den Formen des Tempels folgt, aber keinen Platz für eine rituelle Umschreitung (pradakshina) bietet. Über eine Treppe erreicht man die kleine Eingangszone (mukhamandapa), an die sich die beidseitig geöffnete Hauptvorhalle (mandapa) anschließt. End- und Höhepunkt des Tempels ist der reich gegliederte und im unteren Bereich mit zahlreichen erotischen Szenen geschmückte Shikhara-Turm, dessen Krümmung von kleinen Türmchen (urushringas) begleitet wird und dessen oberer Abschluss von einem Rundstein (amalaka) (ehemals mit aufruhendem Krug (kalasha)) gebildet wird. In der nochmals um eine Stufe erhöhten Cella(garbhagriha) erhebt sich ein glattpolierter Shiva-Lingam.
Shikhara-Turm
Außengliederung und -aufbau am Bhoramdeo-Tempel
Gliederung und Figurenschmuck am Bhoramdeo-Tempel
Erotische Szenen am Bhoramdeo-Tempel
Erotische Szene am Bhoramdeo-Tempel
Portal zur Cella
Madwa-Mahal-Tempel
Links neben dem Haupttempel liegt der deutlich kleinere und beinahe verfallene Istaliq-Tempel; er ist ohne mandapa aus Ziegelsteinen errichtet und wird ins 3. Jahrhundert datiert.
Rechts des Haupttempels befindet sich ein weitgehend zerfallener, dem Gott Hanuman geweihter, Steintempel aus dem 11. oder 12. Jahrhundert.
Der ca. 1 km entfernte Madwa-Mahal-Tempel (auch bekannt als Mandawa Mandir) ist deutlich älter als der Bhoramdeo-Tempel und wird gemeinhin ins 7./8. Jahrhundert datiert. Die Pfeiler/Säulen der allseitig offenen Vorhalle nehmen Bezug auf Formen, die in der Gupta-Zeit (z. B. Tigawa) entwickelt wurden. Die Figurenreliefs in der Außenwand des nur wenig gegliederten Shikhara-Turms stehen beziehungslos nebeneinander, aber immerhin finden sich einige verwitterte zumeist erotisch gemeinte Liebespaare (mithunas) oder Einzelpersonen.