Kehlsteinhaus

Kehlsteinhaus
Kehlsteinhaus vom Kehlsteingipfel. Im Hintergrund Lattengebirge, Hochstaufen und Untersberg (v. l.)
Kehlsteinhaus vom Kehlsteingipfel. Im Hintergrund Lattengebirge, Hochstaufen und Untersberg (v. l.)

Kehlsteinhaus vom Kehlsteingipfel. Im Hintergrund Lattengebirge, Hochstaufen und Untersberg (v. l.)

Lage am Kehlstein; Bayern, Deutschland; Talort: Berchtesgaden
Gebirgsgruppe Berchtesgadener Alpen
Geographische Lage: 47° 36′ 41,2″ N, 13° 2′ 31,3″ OKoordinaten: 47° 36′ 41,2″ N, 13° 2′ 31,3″ O
Höhenlage 1834 m ü. NHN
Kehlsteinhaus (Bayern)
Kehlsteinhaus (Bayern)
Erbauer Martin Bormann (Partei-Kanzlei der NSDAP)
Besitzer Freistaat Bayern
Erbaut 1937/38
Bautyp Berggasthaus; Massiv
Erschließung Kehlsteinstraßen, Kehlsteinlift, Kehlsteinfußweg
Übliche Öffnungszeiten dauerhaft geschlossen
Beherbergung keine
Weblink Kehlsteinhaus.de
p6

Das Kehlsteinhaus auf dem Kehlstein wurde von 1937 bis 1938 im Auftrag der NSDAP nach Plänen von Roderich Fick als Repräsentationsgebäude im heutigen oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land errichtet. Es ist ein denkmalgeschützter Täterort und war Teil des Führersperrgebietes Obersalzberg. Von 1952 bis zum Brand im Oktober 2026 war das Kehlsteinhaus öffentlich zugänglich. Eine Ausstellung informierte über seine Geschichte; die übrigen Räume wurden als Gaststätte genutzt.

Technisch erschlossen ist das Kehlsteinhaus durch eine exponierte Bergstraße – die Kehlsteinstraße – und einen Aufzug. Die Straße wurde ausschließlich von Bussen der Kehlsteinlinie befahren. Die gesamten Kehlsteineinrichtungen befinden sich im Eigentum des Freistaates Bayern. Die Berchtesgadener Landesstiftung hat den Nießbrauch an den Kehlsteineinrichtungen. Die Reinerträge kommen gemeinnützigen Zwecken im Landkreis Berchtesgadener Land zugute.

Das Kehlsteinhaus gehörte mit 350.000 Besuchern (Stand 2014) zu den touristischen Angebotsschwerpunkten in der Landkreisteilregion Berchtesgadener Land und damit zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten des ganzen Landkreises. In der Nacht zum 24. Oktober 2026 brannte das Gebäude infolge mutmaßlicher Brandstiftung bis auf die Außenmauern nieder.

Lage

Lage des Kehlsteinhauses auf dem Kehlstein. Ansicht aus den Umgäng. Im Hintergrund der Untersberg.

Das Kehlsteinhaus steht in 1834 m ü. NHN Höhe knapp unterhalb des Kehlsteingipfels auf einem Bergsporn und gehört zur Gemarkung Eck der Gemeinde Berchtesgaden. Teile der Kehlsteinstraße liegen im gemeindefreien Gebiet Eck.

Bezeichnungen

Nach Angaben des Journalisten G. Ward Price war es Hitler selbst, der dem Gebäude „den bescheidenen Namen Teehaus“ verlieh. Auch in seinem 1939 erschienenen Buch Year of Reckoning berichtet Ward Price über ein Treffen mit Hitler im „Tee-Haus“ auf dem Gipfel des Kehlsteins, das kurz nach dem Besuch Neville Chamberlains anlässlich des Münchner Abkommens stattgefunden hatte. In einem 1939 veröffentlichten Bericht über den Besuch von Ward Price am 17. September 1938 bei Hitler wurde das Gebäude in der deutschen Presse als Bergkastell tituliert.

Nicht mehr eindeutig zu belegen sind frühere Bezeichnungen für das Kehlsteinhaus, das während der Zeit des Nationalsozialismus auch 2. Teehaus, D-Haus (Diplomatenhaus) oder T-Haus (Haus T) genannt worden sein soll. Erst nach dem Krieg ist die Benennung als Diplomatenhaus belegt.

Der französische Botschafter André François-Poncet, der am 18. Oktober 1938 Adolf Hitler im Kehlsteinhaus besuchte, bezeichnete den Ort erstmals als Adlerhorst (französisch Nid d’Aigle). Poncet war der einzige ausländische Besucher von Rang, den Hitler im Kehlsteinhaus empfing.

Die englische Entsprechung Eagle’s Nest wurde nach Kriegsende in der ganzen englischsprachigen Welt zum stehenden Begriff für dieses Haus und hat übersetzt auch in andere Sprachen Einzug gehalten. Entsprechend wurde es im deutschsprachigen Raum nach Kriegsende vereinzelt als Adlerhorst bzw. seltener als Adlernest bezeichnet. Häufiger ist jedoch im Deutschen mit „Adlerhorst“ das gleichnamige Führerhauptquartier in Hessen gemeint.

Geschichte

Bau des Kehlsteinhauses 1937–1938

Hitler empfängt Familie Goebbels 1938 im Kehlsteinhaus

Adolf Hitler besuchte den Obersalzberg erstmals 1923. Nach der Machtergreifung 1933 wurde der kleine Ort zum Führersperrgebiet erklärt, das sich bis zum Kehlstein erstreckte, und völlig umgestaltet.

Eines der aufwendigsten Bauprojekte innerhalb des Führersperrgebiets war das Kehlsteinhaus mit Kehlsteinstraße und -lift, dessen Planung Martin Bormann dem Architekten Roderich Fick übertrug. Mit den Rohbauarbeiten für das Kehlsteinhaus wurde die Münchner Niederlassung von Hochtief beauftragt. Die Oberleitung für den Bau der Straße lag beim Generalinspektor des Straßenwesens Fritz Todt. Involviert war als Bauleiter der ausführenden Firma im Straßenbau Polensky & Zöllner auch Leopold Müller. An der Errichtung des Kehlsteinhauses waren vor allem deutsche, später auch tschechische und 3.000 italienische Facharbeiter beteiligt. Bei der Errichtung des Aufzugsschachtes innerhalb des Berges gab es zwölf tödliche Arbeitsunfälle. Die Bauzeit der Straße lag bei 13 Monaten.

Die Einweihung durch Hitler erfolgte am 17. September 1938.

Nutzung durch Adolf Hitler

Adolf Hitler selbst besuchte das Kehlsteinhaus nur etwa zehnmal (die Zahlen schwanken zwischen fünf- und vierzehnmal), weil ihm die Ausflüge dorthin zu zeitaufwendig und riskant gewesen sein sollen. Vor allem soll Hitler kritisiert haben, dass der Aufzugsschacht nicht sicher gegen Blitzeinschläge sei und man einem Überraschungsangriff der Alliierten und ihren Bombern schutzlos ausgeliefert wäre.

Kriegsende und Nachkriegszeit

Eingang zum Kehlsteinlift kurz nach der deutschen Kapitulation (1945)

Am 25. April 1945 war das Kehlsteinhaus beim Fliegerangriff der britischen Lancaster-Bomber auf den Obersalzberg zwar eines der Hauptziele, wurde jedoch nicht getroffen – vermutlich weil es samt dem schmalen Gipfelplateau für die damals abgeworfenen, nicht lenkbaren Bomben als Ziel zu klein war.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde am 4. Mai 1945 das Führersperrgebiet von amerikanischen und französischen Truppen besetzt. Die Amerikaner erklärten es wiederum zum militärischen Sperrgebiet. Das Kehlsteinhaus wurde beschlagnahmt und am 1. April 1946 förmlich unter Kontrolle genommen.

Am 17. Februar 1949 ging das Kehlsteinhaus an den Freistaat Bayern über. Rückwirkend zum 20. Juni 1948 wurde es am 18. Juli 1949 der Bayerischen Allgemeinen Finanzverwaltung, vertreten durch das Finanzamt Berchtesgaden, übertragen, blieb aber noch bis 1951 unter der Kontrolle der Amerikaner.

Im Frühjahr 1951 gingen die Kehlsteinstraße und die Dalsenwinkelstraße in die Zuständigkeit der bayerischen Verwaltung über und am 12. Juni 1951 erhielt der Landkreis Berchtesgaden das Alleinbenutzungsrecht an diesen Straßen. Der Landkreis verpflichtete sich zur Einrichtung eines Linienverkehrs auf der Kehlsteinstraße und zur Übernahme der Instandsetzungskosten und des laufenden Unterhalts. Der Betrieb der Buslinie wurde zunächst der Deutschen Bundespost übertragen, die im Oktober 1955 die Omnibusfahrer Anton Kurz, Josef Walch und Georg Wegscheider auszeichnete, nachdem diese je „tausendmal unfallfrei bis zum Gipfellift des Kehlsteines“ gefahren waren. Am 19. Januar 1956 ging der Linienbetrieb dann an den damaligen Fremdenverkehrsverband des Berchtesgadener Landes über.

Der Landkreis hatte zwischenzeitlich die vom bayerischen Kabinett geplante Sprengung des Kehlsteinhauses abgewehrt. Der damalige, nicht zuletzt auf den wachsenden Fremdenverkehr bedachte Landrat Karl Theodor Jacob handelte aus, dass lediglich die Ruinen, die noch von den Bombardements und den ersten Sprengungen übrig geblieben waren, gesprengt wurden, das Kehlsteinhaus aber erhalten blieb. Er meinte, dass „die Sensation am Berg das Kehlsteinhaus“ sei und gegen den „Nazitourismus“ wusste er ein eigenes Mittel: „Ich habe immer wieder gesagt, da schenken wir Münchner Hofbräubier aus, und da kommt schon keine weihevolle Stimmung auf.“

Im Februar 1952 verpachtete der Freistaat Bayern das Kehlsteinhaus mit Einverständnis der Amerikaner an die Sektion Berchtesgaden des Deutschen Alpenvereins. Ebenfalls auf Initiative des Landrats Jacob und anlässlich der 150-jährigen Zugehörigkeit der ehemaligen Fürstpropstei Berchtesgaden zu Bayern brachte im Jahr 1960 der Freistaat den Nießbrauch an den Kehlsteinbetrieben in die Berchtesgadener Landesstiftung ein, auch Kehlsteinstiftung genannt. Deren Erlöse kommen gemeinnützigen Zwecken im Landkreis Berchtesgadener Land zugute.

Seit den 1950er Jahren beschränkte sich das Literatur- und Andenkenangebot im Umfeld des Kehlsteinhauses jahrzehntelang weitgehend auf Hochglanzbroschüren mit früheren Propagandafotos vom Obersalzberg; auch die Andenken waren nicht selten mit idyllischen NS-Motiven versehen.

21. Jahrhundert

Im Jahr 2009 wurde bekannt, dass die Bayerischen Staatsforsten vorhatten, das asphaltierte historische Wegenetz im Kehlsteingebiet durch Schotterwege zu ersetzen. Gegner des Vorhabens verwiesen auf den Denkmalschutz und die touristische Bedeutung der asphaltierten Wege, die gerne von Radfahrern und Wanderern genutzt werden. Nach jahrelangen Debatten gaben zwei Gutachten den Ausschlag, laut denen der aus der Nazizeit stammende Asphaltbelag auf Neben- und Wanderwegen mit hochgiftigem Steinkohlenteer belastet war. Im Juni 2017 begann der aufwendige Ersatz durch feinen Schotter auf 13 Kilometern Länge.

In einigen Kilometern Entfernung vom Kehlsteinhaus war am 20. Oktober 1999 die Dokumentation Obersalzberg eröffnet worden. Seitdem wird den Besuchern unweit einer Bushaltestelle zum Kehlsteinhaus eine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte dieses Täterortes geboten. 2017 richtete das Institut für Zeitgeschichte auch im Kehlsteinhaus selbst eine kleine, ergänzende Ausstellung zu dessen NS-Geschichte ein.

Von Ende 2023 bis Mai 2025 war der Kehlsteinlift außer Betrieb – der Austausch des fünf Tonnen schweren defekten Motors von 1973 konnte erst nach Ende der Saison 2024 vorgenommen werden und kostete eine halbe Million Euro.

Brand 2026

In der Nacht auf den 24. Oktober 2026 kam es zu einem Großbrand, bei dem das Gebäude schwer beschädigt wurde und Teile des Dachs einstürzten. Es besteht der dringende Verdacht einer Brandstiftung; ein Tatverdächtiger wurde festgenommen. Der Mann kam der Polizei mit einem Motorrad auf deren Weg zum Einsatzort entgegen. Da laut der Staatsanwaltschaft Traunstein ein durch einen Sachverständigen durchgeführtes psychiatrisches Kurzgutachten Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung ergeben habe, wurde der mutmaßliche Täter in einer forensischen Einrichtung untergebracht.

Ausstattung und Baukosten

Offener Kamin

Die Raumaufteilung sah Arbeits-, Speise-, Wohn-, Wach- und Ruhezimmer sowie eine Küche, Waschräume und einen großen Keller vor.

Der Teeraum wurde mit Untersberger Marmor vermauert, die Wände des Scharitzkehlstüberls sind vollständig mit Zirbelholz verkleidet. Ein Großteil der Möbeleinrichtung hatte das Design von Paul László – ohne dass vorher der als Jude verfolgte Architekt László und der im Nachhinein darüber entrüstete Albert Speer davon unterrichtet worden wären. Den Marmor für den großen Kamin des Hauptraumes hatte Italiens Diktator Mussolini gestiftet.

Als Zugang zum Haus wurde ein 124 m hoher Aufzug eingerichtet, zu dessen Eingang wiederum ein 124 m langer und 3 m hoher Tunnel in den Berg getrieben wurde. Das Innere der Aufzugkabine wurde mit polierten Messingplatten und venezianischen Spiegeln verkleidet; die an den Seiten ausklappbaren, gepolsterten Sitze wurden mit grünem Leder bespannt. Die Kabine ist weitgehend original erhalten, einschließlich Wandtelefon aus Bakelit und mechanischer Uhr. Hergestellt wurde der Aufzug von der Maschinenfabrik Carl Flohr aus Berlin.

Die reinen Baukosten des Hauses einschließlich des Aufzugssystems mit Zugangstunnel und der Kehlsteinstraße mit fünf weiteren Tunneln betrugen rund 30 Millionen Reichsmark – heute etwa 161 Millionen Euro.

Zugang

Busse auf der Kehlsteinstraße (2011)
Tunnelportal zum Kehlsteinlift (2005)
Tunnel zum Kehlsteinlift

Die Kehlsteinstraße führt bis zu einem Buswendeplatz unterhalb des Kehlsteinhauses und ist für den Individualverkehr gesperrt. Die restlichen 124 Höhenmeter konnten die Besucher wahlweise mit dem historischen Kehlsteinlift oder zu Fuß überwinden.

Das Kehlsteinhaus und dessen wirtschaftlich genutzter Umgriff mit Kehlsteinstraße und Kehlsteinlift wurden zuletzt unter dem Begriff „Kehlsteinbetriebe“ zusammengefasst und von dem Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden unterhalten.

Kehlsteinstraße

Am Hintereck (970 m ü. NHN) am Obersalzberg beginnt die 1938 nach 13 Monaten Bauzeit fertiggestellte, hauptsächlich auf der Südseite des Kehlsteins gelegene 6,5 km lange Kehlsteinstraße. Sie führt durch fünf Tunnel (von unten nach oben: Reck-, Martinswand-, Gams-, Hirsch- und Schwalbennesttunnel) und überwindet einen Höhenunterschied von etwa 700 Metern, teilweise beträgt die Steigung bzw. das Gefälle 24 %. Die Straße endet bei einem großen Buswendeplatz (1696 m ü. NHN) nördlich unterhalb des Kehlsteinhauses.

Die Kehlsteinstraße ist asphaltiert. Sie ist für den Individualverkehr gesperrt, dies gilt auch für Radfahrer und ab dem großen Wegekreuz am Klingereckboden (1115 m ü. NHN) auch für Fußgänger. Sie wurde während der Sommermonate mit Spezialbussen befahren (Motorleistung, Getriebe und Bremsen verändert), die Besucher zu der Gaststätte brachten. Die Kehlsteinlinie wird von der Regionalverkehr Oberbayern GmbH (RVO) betrieben.

Über die Nordseite führt vom Ofnerboden (1150 m ü. NHN) die etwas schmalere, 4,6 km lange Dalsenwinkelstraße ebenfalls zu dem Buswendeplatz. Sie quert die steile Nordwand des Kehlsteins. Die Dalsenwinkelstraße ist auf 2,8 Kilometern asphaltiert und auf 1,8 Kilometern eine Schotterstraße. Ein Straßenschild verbietet das Befahren durch Fahrzeuge aller Art, dennoch nutzen Radfahrer die Straße.

Beide Straßen nehmen ihren Anfang im unteren Bereich eines weitläufigen Wegenetzes zwischen der Scharitzkehlalm im Süden und der Roßfeldhöhenringstraße im Norden. Dazu zählen die Endstalstraße, die Ligeretstraße, die Salzwandstraße, die Ofnerbodenstraße und die Kehlalmstraßen. Das gesamte Wegenetz ist für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Vom Buswendeplatz zum Kehlsteinhaus

Der bequemste Weg ins ehemalige Teehaus war die Auffahrt mit dem Kehlsteinlift, der direkt ins Vestibül des Kehlsteinhauses fuhr. Vom Buswendeplatz ging man zu einem Tor aus Granitquadern und von dort durch einen 124 m langen und 3 m hohen Tunnel bis zum Aufzug. Der Aufzug überwand im Berginneren die 124 Höhenmeter in 41 Sekunden. Die Kabine des Aufzugs ist verspiegelt und mit Messing verkleidet. Die gepolsterten Sitze blieben aufgrund des hohen Besucheraufkommens während der touristischen Nutzung normalerweise hochgeklappt.

Die Alternative war ein schmaler asphaltierter Fußweg, der vom Buswendeplatz in mehreren Serpentinen hinauf zum Kehlsteinhaus führt, zuletzt über mehrere Steinstufen.

Tourismus

Blick auf Berchtesgaden
Blick von der Terrasse

Das Kehlsteinhaus sowie seine hochalpine Zufahrtsstraße einschließlich der Busabfahrtsstelle am Hintereck wurden 1952 für den allgemeinen Tourismus freigegeben. Andere Areale des einstigen Führersperrgebiets blieben hingegen als Armed Forces Recreation Center von 1953 bis 1996 ausschließlich Angehörigen der US-Streitkräfte zugänglich.

Das Kehlsteinhaus aber wurde zum „Highlight des Tourismus in Oberbayern“ mit jährlich etwa 300.000 Besuchern aus dem In- und Ausland.

Das Kehlsteinhaus landete 2013 zusammen mit weiteren Sehenswürdigkeiten in der Landkreisregion Berchtesgadener Land, dem Salzbergwerk Berchtesgaden und dem Nationalpark Berchtesgaden, auf Platz 20 der TOP-100-Sehenswürdigkeiten in Deutschland.

Es gewährt einen Panoramaausblick auf die Berchtesgadener Alpen. So sind von dort aus die Westwand des Hohen Gölls, der Königssee, der Watzmann, der Hochkalter, der Untersberg und Salzburg auszumachen. Im Kehlsteingärtchen oberhalb des Kehlsteinhauses wurde eine von kleinen Informationstafeln erläuterte Auswahl an Alpenflora angelegt, hierunter finden sich auch seltenere Pflanzen, die unter Naturschutz stehen. Der Kehlstein ist zudem Ausgangspunkt für eine Tour über den Mannlgrat – ein Klettersteig, der direkt am Ende des Rundwegs beginnt und zum Gipfel des Hohen Gölls führt.

Angezogen wurden die Besucher des Kehlsteinhauses aber „unverkennbar auch von der historischen Authentizität des Ortes“. Nach Eröffnung der Dokumentation Obersalzberg 2002 ging der Umsatz von Andenken „mit idyllischen NS-Motiven und reißerischen Hochglanzbroschüren“ um ca. 50 Prozent zurück. Nach der Darstellung von Volker Dahm steht dieser Rückgang im Zusammenhang mit der in Dokumentationen angebotenen „seriöse(n) und wissenschaftlich fundierte(n) Information“, die seiner Meinung nach auch dazu führten, dass „die schlimmste Broschüre mehr oder weniger aus dem Verkehr gezogen“ wurde und „die anderen in den Neuauflagen besser geworden“ sind.

Über die Winterszeit (etwa von November bis April) war das Kehlsteinhaus üblicherweise für den Besucherverkehr geschlossen.

Sendeanlage

Auf dem Kehlsteinhaus befand sich lange Zeit eine Sendeanlage, die als Füllsender für analoges Fernsehen benutzt wurde, um Berchtesgaden zu versorgen. Nach dem Ende des analogen terrestrischen Fernsehens wurde die Sendeanlage im Juni 2009 abgebaut. Bis dahin wurde von dort ausgestrahlt:

Kanal Frequenz
(MHz)
Programm ERP
(kW)
Sendediagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
41 631,25 ZDF 0,4 D H
59 775,25 Bayerisches Fernsehen (Schwaben/Altbayern) 0,33 D H

Literatur

Commons: Kehlsteinhaus (Berchtesgaden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Deutsche Bahn AG, Unternehmensbereich Personenverkehr, Marketing eCommerce: Kehlsteinhaus / Eagle’s Nest. In: dbregiobus-bayern.de.
  2. ↑ Elias Butzmann: Natur- und Ökotourismus im Nationalpark Berchtesgaden, Würzburger Geographische Arbeiten. Band 116. Würzburg University Press, Würzburg 2017; Zuvor als Dissertation, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Philosophische Fakultät, 2016. PDF, S. 150 von 370 Seiten.
  3. ↑ Brand am Kehlsteinhaus ist unter Kontrolle. In: www.br.de. Bayerischer Rundfunk, 24. Oktober 2026, abgerufen am 25. Oktober 2026.
  4. ↑ Homepage des Kehlsteinhauses.
  5. ↑ Amtliche topografische Karte (online)
  6. ↑ Ein Besuch bei Hitler im Bergkastell auf der Kehlsteinspitze. Englischer Journalist berichtet über eine Einladung zum Tee. In: Banater Deutsche Zeitung, 30. August 1939, S. 4 (online bei ANNO).
  7. ↑ Ward Price über „Ein Jahr der Abrechnung“. In: Pester Lloyd, 25. August 1939, S. 18 (online bei ANNO).
  8. 1 2 Ein Besuch bei Hitler im Bergkastell auf der Kehlsteinspitze. Englischer Journalist berichtet über eine Einladung zum Tee. In: Banater Deutsche Zeitung, 27. August 1939, S. 4 (online bei ANNO).
  9. ↑ Übersicht von Zeitungsartikeln (Trefferliste einschlägiger Suche bei ANNO).
  10. ↑ Thomas Gayda: Deutschland war sein Schicksal. In: André François-Poncet: Botschafter in Berlin 1931–1938. Europa Verlag, München 2018, ISBN 978-3-95890-257-2 (Digitalisat).
  11. ↑ Übersicht von Zeitungsartikeln (Trefferliste einschlägiger Suche bei ANNO).
  12. ↑ Kehlstein-Besuch per Autobus. In: Salzburger Nachrichten. Unabhängige demokratische Tageszeitung, 21. Mai 1953, S. 5 (online bei ANNO).
  13. ↑ Der Führer hat Gäste. Ein Bild des Führers aus den letzten Tagen bei einem Besuch auf dem Kehlstein bei Obersalzberg… (Bildunterschrift). In: Das kleine Volksblatt, 26. Oktober 1938, S. 8 (online bei ANNO).
  14. 1 2 Der Adlerhorst des „Führers“. In: Salzburger Nachrichten. Unabhängige demokratische Tageszeitung, 4. Jänner 1947, S. 6 (online bei ANNO).
  15. ↑ Siehe englische Ausgabe von Adolf Hitler, Current Biography 1941, S. 384.
  16. ↑ Die Kehlsteinstraße auf den Kehlstein 2. August 2011, abgerufen am 1. Juni 2020.
  17. ↑ Dieter Dörfler: Hochgebirgsstraßen im Berchtesgadener Land, 4. September 2010, abgerufen am 1. Juni 2020.
  18. ↑ christoph-links-verlag.de (Memento vom 9. November 2013 im Internet Archive) Leseprobe aus einem Obersalzbergbuch des Ch. Links Verlags, siehe Bombenziel Obersalzberg, S. 4 (PDF-Datei; 217 kB).
  19. ↑ obersalzberg.de (Memento vom 16. Dezember 2014 im Internet Archive) Zur Geschichte des Führersperrgebiet mit Abbildungen.
  20. ↑ Aktenzeichen Y Co-1255-77
  21. ↑ Übertragungsurkunde Nr. 1259/V, Kontrollratsdirektive Nr. 50
  22. ↑ Je tausendmal unfallfrei…. In: Salzburger Nachrichten. Unabhängige demokratische Tageszeitung, 18. Oktober 1955, S. 7 (online bei ANNO).
  23. ↑ „Täterort“ und historische Aufklärung. Vortrag von Dr. Volker Dahm (Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte; München-Berlin, fachlicher Leiter der Dokumentation Obersalzberg) anlässlich eines Symposiums in zwei Teilen (5. bis 7. Dezember 2002, 16. bis 17. Januar 2003), nachzulesen im Tagungsband S. 198–210, Zitate der vom Vortragenden bestätigten Diskussionsbeiträge s. S. 204 f. (online (Memento vom 28. April 2015 im Internet Archive) auf ns-dokumentationszentrum-muenchen.de; PDF 1652 kB).
  24. ↑ Volker Dahm: "Täterort" und historische Aufklärung. Siehe Tagungsband S. 198–210, Zitat s. S. 199 f.
  25. ↑ Wirtschaftlichkeit gegen Denkmalschutz. In: Berchtesgadener Anzeiger, 3. Juni 2009.
  26. ↑ Hitlers giftige Wege werden saniert salzburg.orf.at, 20. Juni 2017.
  27. ↑ Aktuelles der Dokumentation Obersalzberg – Neue Ausstellung, Meldung vom 7. August 2017 auf der Website des Instituts für Zeitgeschichte, online unter ifz-muenchen.de
  28. ↑ Ausstellung, Abschnitt zur Ausstellung des Institutes für Zeitgeschichte, online unter kehlsteinhaus.de
  29. ↑ 124 Meter in 41 Sekunden – Hitlers Lift zum Kehlsteinhaus braucht neuen Motor, Meldung vom 20. Dezember 2023 im Tagesspiegel, online unter tagesspiegel.de.
  30. ↑ Das Kehlsteinhaus startet in die Saison 2025, blog.berchtesgadener-land.com, 30. April 2025.
  31. ↑ Historisches Hitler-Teehaus geht in Flammen auf. In: n-tv. 24. Oktober 2026, abgerufen am 24. Oktober 2026.
  32. 1 2 Kehlsteinhaus niedergebrannt, Mann festgenommen. In: Süddeutsche Zeitung. 24. Oktober 2026, abgerufen am 24. Oktober 2026.
  33. ↑ Ermittler zu Kehlsteinhaus: Mutmaßlicher Brandstifter gefasst. In: BR24. 24. Oktober 2026, abgerufen am 24. Oktober 2026.
  34. ↑ Kehlsteinhaus am Obersalzberg fast vollständig zerstört. In: tagesschau.de. 24. Oktober 2026, abgerufen am 25. Oktober 2026.
  35. ↑ Diese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, ist auf volle Millionen Euro gerundet und bezieht sich auf Januar 2026.
  36. ↑ Kehlsteinstraße auf kehlsteinbus.de
  37. ↑ Das Kehlsteinhaus bleibt 2020 wegen Sanierung geschlossen traunsteiner-tagblatt.de, 1. Juni 2020. Zitat: „Die Kehlsteinstraße soll auch neu asphaltiert werden.“
  38. ↑ PRESSRELATIONS – DEREFER. In: presseservice.pressrelations.de.
  39. ↑ rvo-bus.de Hinweise zur Kehlsteinlinie des RVO.
  40. 1 2 Dalsenwinkelstraße auf bgl.wiki (ein Wiki zum Landkreis Berchtesgadener Land).
  41. 1 2 Volker Dahm: „Täterort“ und historische Aufklärung. Siehe Tagungsband S. 198–210, Zitat s. S. 200 f.
  42. ↑ Deutsche Zentrale für Tourismus e. V.: Top 100 Sehenswürdigkeiten in Deutschland (Memento vom 8. Oktober 2014 im Internet Archive)
  43. ↑ Volker Dahm: „Täterort“ und historische Aufklärung. Siehe Tagungsband S. 198–210, Zitat s. S. 206 f.