


Kin-Ball ist eine relativ junge Mannschaftssportart, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Ihre Geschichte begann 1986 in Kanada. Drei Mannschaften mit jeweils vier Spielern agieren gleichzeitig auf einem Spielfeld variabler Größe, ohne Netz und Tore. Gespielt wird mit einem riesigen, 1,22 Meter großen Ball, der ein Kilogramm leicht ist. Grundlegendes Ziel des Spiels ist, einen Angriffsschlag so auszuführen, dass die angegriffene Mannschaft den Ball nicht unter Kontrolle bringen kann und er den Boden berührt. Das Kin-Ball-Spiel hat mit dem Riesenball, einer starken elektrischen Pumpe, den Kennzeichnungswesten in drei Farben und einer dreiteiligen Zähltafel keinen großen Materialbedarf.
Weltweiter Dachverband ist der im Jahr 2000 gegründete Internationale Kin-Ball Verband (IKBF), dem sich momentan (2026) 14 nationale Verbände angeschlossen haben. Schätzungsweise spielen heute (2026) weltweit knapp 4 Millionen Menschen Kin-Ball. Die Tendenz ist steigend. In Deutschland wird der Kin-Ball-Sport durch den im Jahr 2019 gegründeten Deutschen Kin-Ball Verband (DKBV) organisiert.
Kin-Ball fördert und fordert mit seiner Spielweise und den Möglichkeiten einer variablen Mannschaftszusammensetzung neben den motorischen Fähigkeiten in besonderem Maße auch die sozialen Kompetenzen. Damit bildet Kin-Ball einen gewissen Gegenpol zu den klassischen Sportspielen. Das Regelwerk sorgt dafür, dass jedes Mannschaftsmitglied die gleichen Spielanteile erhält, also gleich wichtig für die Mannschaft ist und sich kein egozentrierter ‚Star‘ herausbilden kann. Kin-Ball ist in seiner Grundkonzeption für jeden schnell zu erlernen, hat aber einen weiten Spielraum bis zur leistungssportlichen Ausprägung. Das Regelwerk und die räumlichen Rahmenbedingungen ermöglichen spektakuläre Szenen (siehe Fotos).
Die offiziellen Mannschaftsfarben sind schwarz, grau und blau. Früher wurde statt blau auch pink verwendet. Bei internationalen Wettbewerben misst das Spielfeld 20 × 20 Meter. Die Begrenzungslinien gehören zum Spielfeld. Bei nationalen Meisterschaften sind geringfügige Abweichungen nach unten erlaubt. Bei Spielen beispielsweise im Freizeitbereich oder Schulsport ist jede Feldgröße möglich, die dem Niveau der Spieler angepasst ist.
Im Spiel treten 3 Mannschaften mit jeweils 4 Spielern gleichzeitig auf dem Spielfeld gegeneinander an. Zu Beginn einer Spielperiode und nach einem Fehler kontrolliert der Schiedsrichter den Ball. Mit einem Doppelpfiff gibt er den Angriff frei, d. h. erst danach darf die angreifende Mannschaft ihren Aufruf machen (Signalwort und Farbe der angegriffenen Mannschaft). Der Aufruf beginnt mit einem Schlüsselwort, gefolgt von der Farbe. Bei offiziellen Turnieren ist das Signalwort „Omnikin“, abgeleitet aus omnes = alle (lateinisch) und κινούμαι = sich bewegen (griechisch), ansonsten kann ein beliebiges Schlüsselwort wie z. B. „Team“ oder „Kin-Ball“ gerufen werden. Der Ball darf erst dann geschlagen werden, nachdem der Schiedsrichter die Farbe der angegriffenen Mannschaft laut wiederholen konnte. Der Ball darf nur mit einem Körperteil oberhalb der Hüfte geschlagen werden, wobei alle 4 Spieler der angreifenden Mannschaft im Moment des Angriffsschlages auf irgendeine Weise Kontakt mit dem Ball haben müssen. Die angegriffene Mannschaft versucht, den Ball unter Kontrolle zu bringen, d. h. mit allen Körperteilen zu verhindern, dass der Ball zu Boden fällt oder nach einem Ballkontakt ins Aus fliegt. Gelingt es ihr, den Ball unter Kontrolle zu bringen, hat diese Mannschaft ab dem Moment des ersten Ballkontaktes 10 Sekunden Zeit, den nächsten Angriff auszuführen. Solange der Schiedsrichter einen Spielzug nicht wegen eines Fehlers abpfeift (ein Pfiff), greift fortlaufend die Mannschaft an, die den Ball nach einem Angriff erfolgreich unter Kontrolle gebracht hat - solange, bis eine Mannschaft einen Fehler begeht. Danach signalisiert der Schiedsrichter den Fehler und die Mannschaft an den Punkterichter, der die Zähltafel entsprechend bedient. Darauf kontrolliert der Schiedsrichter den Ball, platziert ihn auf den Punkt, an dem der Fehler begangenen wurde und gibt den Ball wieder mit einem Doppelpfiff frei und zwar immer für die Mannschaft, die den Fehler vorher begangen hat.
Auf internationaler Ebene dauert ein Spiel so lange, bis eine Mannschaft eine vorab festgelegte Anzahl von z. B. 4 Spielperioden gewonnen hat. In jeder Spielperiode scheidet die punktschwächste Mannschaft aus, wenn eine Mannschaft 9 Punkte erreicht hat. Danach spielen die beiden verbleibenden Mannschaften bis zum 11. Punkt weiter. Bei diesem Spielmodus mit 4 Gewinnperioden dauert eine Spielrunde manchmal bis zu 150 Minuten. Der Spielmodus kann sehr unterschiedlich gestaltet werden, um beispielsweise den Zeitbedarf der Anzahl der teilnehmenden Mannschaften anzupassen. In der Deutschen Bundesliga dauert ein Spiel nach der derzeitigen Spielordnung stets 4 Spielperioden, nach denen die Spielpunkte vergeben werden. Möglich sind v. a. im Schul- und Breitensport auch Spielperioden auf Zeit oder bis zu einem beliebigen Punktestand.
Ein Spieler kann eine Reihe von Fehlern während eines Spiels begehen:


Wenn eine Mannschaft einen Fehler begeht, bekommen die anderen beiden Mannschaften jeweils einen Punkt. Dies und die Regel, dass immer die punkthöchste Mannschaft angegriffen werden muss, bewirkt, dass schwächere Mannschaften im Spiel bleiben und nicht blamabel verlieren (außer sie machen viele Fehler unmittelbar hintereinander). Ist die punkthöchste Mannschaft die aufschlagende, so muss sie die Mannschaft mit der zweithöchsten Punktzahl angreifen.
Die obersten Werte sind

Kin-Ball ist ein Selbstläufer, weil die Motivation, sich zu bewegen, schon aus dem außerordentlichen Aufforderungscharakter des Sportgeräts selbst kommt. Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von individuellen und kollektiven Übungsformen über ‚Kleine Spiele‘ bis hin zum regelkonformen Kin-Ball-Spiel sorgen für eine zeitgemäße und freudvolle sportliche Beschäftigung. Kin-Ball liefert einen umfassenden Beitrag zur körperlichen, geistigen, sozialen und emotionalen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Damit ist es hervorragend für die sportlichen Bildungs- und Erziehungsaufgaben in Schule, Verein, Betrieben und allen Organisationen geeignet, die im Sport ein Mittel für den Wertetransport sehen. Kin-Ball wurde auch entwickelt, um einen Kontrapunkt zu den kraftbetonten, den Starkult und Individualismus fördernden Mannschaftssportarten zu setzen.
Das Mannschaftsspiel Kin-Ball hat viele Vorzüge:

Ein Abschlussprojekt der University of Quebec in Montreal war 1986 die Geburtsstunde des Kin-Ball-Sports. Mario Demers und 4 weitere Studenten erhielten den Auftrag, eine Aktivität zu entwickeln, welche die Bevölkerung motivieren sollte, sich in gemeinsamem Tun mehr zu bewegen. Hintergrund war das zunehmende Defizit an konditionellen und koordinativen Fähigkeiten sowie sozialverträglichem Verhalten in der Bevölkerung.
Der Besuch eines Rockkonzerts, bei dem die Band riesige Bälle ins Publikum warf, mit denen sich die Besucher vergnügten, brachte die Gruppe auf die Idee, solche Riesenbälle zu Handlungsobjekten ihres Abschlussprojektes zu machen. Viele Bewegungsideen mit diesen Bällen wurden gesammelt und ausprobiert bis schließlich ein zündender Spielgedanke geboren war. Aus dem Kin-Ball-Sport mit den vielen 'Kleinen Spielen' und Übungsformen hatte sich ein für Akteure und Zuschauer attraktives Kin-Ball-Spiel entwickelt. Nun waren es drei Mannschaften à 4 Spieler, die gleichzeitig auf dem Spielfeld darum kämpften, im Fall eines Angriffs den Ball unter Kontrolle zu bringen und ihrerseits einen erfolgreichen Angriff zu starten. Mit dieser Spielidee war neben der motorischen Fitness auch der Teamgeist gefordert und der Auftrag im Abschlussprojekt erfüllt – zumindest teilweise.
Mario Demers war klar, dass eine tolle Idee sich nicht von selbst in der Gesellschaft verbreitet. Dafür brauchte es das nötige Spielmaterial, Werbung und engagiertes Personal. So wagte er 1987 die Gründung einer Kapitalgesellschaft mit der Bezeichnung OMNIKIN Inc. mit der das Material, die Weiterentwicklung und Verbreitung des Sportspiels Kin-Ball finanziert werden sollte. Den Namen ‚Omnikin‘ leitete er aus dem lateinischen Wort omnes = alle und der griechischen Vorsilbe kin ab, die für Bewegung bzw. sich bewegen stehen. Auch für die Bezeichnung Kin-Ball hat er die griechische Vorsilbe gewählt und sich beide Begriffe mit einer Trademark schützen lassen.
Im August 1987 bekam das Sportspiel Kin-Ball ein festgeschriebenes Regelwerk, das alle zwei Jahre überarbeitet wird. Seitdem steht Kin-Ball für die neue Form eines Spiels, das als sozial-integrativer Schul- und Freizeitsport aber auch als leistungsorientierter Wettkampfsport betrieben wird.
1992 wurde in der kanadischen Provinz Quebec der erste Kin-Ball-Verband gegründet. Er ist bis heute der Motor und richtungsweisend für die internationale Verbreitung des Kin-Ball-Sports.
2000 gründeten sich der Kanadische Kin-Ball-Verband und der Internationale Kin-Ball-Verband (IKBF).
2001 brachten ein Student und ein Sportpädagoge den Kin-Ball-Sport in den Westen Frankreichs.
Kin-Ball wird mittlerweile auf allen Kontinenten der Erde gespielt (mit Ausnahme der Antarktis).
Die derzeitigen (2026) Mitgliedsnationen des Internationalen Kin-Ball-Verbandes sind Kanada, Japan, Belgien, Frankreich, Schweiz, Spanien, Deutschland, Dänemark, Tschechien, Slowakei, Singapore, Südkorea, China, Hong Kong.
2004 wurde Kin-Ball auf dem Deutschen Turnfest erstmals in Deutschland vorgestellt. Andrea Pielen, eine Mitarbeiterin des Saarländischen Turnerbundes (STB), brachte das Spiel aus Kanada mit.
2005 nahm eine saarländische Delegation an den Weltmeisterschaften in Belgien teil.
2008 fand die Europameisterschaft in Saarlouis statt, bei der eine deutsche Auswahlmannschaft der Damen aus dem Saarland bereits eine Silbermedaille gewann.
Bis 2019 hatte sich Kin-Ball über das Saarland hinaus auf Vereine in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen verbreitet. Spieler dieser Vereine gründeten im November 2019 im Rahmen des 10. Kin-Ball Welt Cups im französischen Les Ponts-de-Cé (Angers), einen eigenständigen Deutschen Kin-Ball-Verband (DKBV). In den Folgejahren kamen zwei weitere Verein aus den Bundesländern Thüringen, Niedersachsen und Hessen hinzu.
Seit 2019 organisiert der DKBV eine Bundesliga mit der in 4 Turniertagen die drei besten Mannschaften einer Saison ermittelt. Diese kämpfen an einem 5. Turnietag um den Titel des Deutschen Meisters.
2026 zählt der Deutsche Kin-Ball-Verband 330 Mitglieder, die auf 16 Vereine in Deutschland verteilt sind:
Internationale Wettbewerbe
| Jahr | Stadt | |||
|---|---|---|---|---|
| 2003 | Belgien | Frankreich - Pays de Loire | Frankreich - Pays breton | |
| 2008 | Saarlouis | Belgien | Spanien | Frankreich |
| 2010 | Angers Villeneuve-d’Ascq | Frankreich | Belgien | Spanien |
| 2012 | Belgien | Schweiz | Frankreich | |
| 2014 | Hradec Králové | Belgien | Schweiz | Frankreich |
| 2018 | Trnava | Frankreich | Tschechien | Belgien |
| 2023 | Jaén | Belgien | Frankreich | Spanien |
| 2026 | Erfurt | Tschechien | Belgien | Spanien |
| Jahr | Stadt | |||
|---|---|---|---|---|
| 2003 | Angers | Belgien | Frankreich - Pays de Loire | Frankreich - Pays breton |
| 2008 | Saarlouis | Frankreich | Deutschland | Belgien |
| 2010 | Angers Villeneuve-d’Ascq | Belgien | Frankreich | Spanien |
| 2012 | Frankreich | Belgien | Schweiz | |
| 2014 | Hradec Králové | Belgien | Frankreich | Schweiz |
| 2018 | Trnava | Belgien | Frankreich | Tschechien |
| 2023 | Belgien | Tschechien | Frankreich | |
| 2026 | Erfurt | Belgien | Tschechien | Frankreich |
| Jahr | Stadt | |||
|---|---|---|---|---|
| 2001 | Kanada | Japan | Belgien | |
| 2002 | Kanada | Japan | Frankreich | |
| 2005 | Kanada | Japan | Frankreich | |
| 2007 | Kanada | Japan | Frankreich | |
| 2009 | Kanada | Belgien | Japan | |
| 2011 | Kanada | Japan | Frankreich | |
| 2013 | Kanada | Japan | Belgien | |
| 2015 | Japan | Frankreich | Tschechien | |
| 2017 | Kanada | Japan | Tschechien | |
| 2019 | Kanada | Frankreich | Japan | |
| 2024 | Japan | Kanada | Belgien |
| Jahr | Stadt | |||
|---|---|---|---|---|
| 2001 | Kanada | Japan | Belgien | |
| 2002 | Kanada | Japan | Frankreich | |
| 2005 | Kanada | Japan | Frankreich | |
| 2007 | Kanada | Japan | Frankreich | |
| 2009 | Kanada | Frankreich | Japan | |
| 2011 | Kanada | Japan | Schweiz | |
| 2013 | Kanada | Japan | Belgien | |
| 2015 | Kanada | Japan | Frankreich | |
| 2017 | Kanada | Japan | Frankreich | |
| 2019 | Kanada | Tschechien | Japan | |
| 2024 | Kanada | Japan | Belgien |