Kintsugi

Beispiel für eine Reparatur von gebrochener Keramik mit Kintsugi
Oben: Der gebrochene Deckel eines yokode Kyūsu.
Unten: Derselbe Deckel nach der Reparatur mit der Kintsugi-Technik

Kintsugi (japanisch 金継ぎ „Goldverbindung, -flicken“) oder seltener Kintsukuroi (金繕い, „Goldreparatur“) ist eine traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik. Keramik- oder Porzellanbruchstücke werden mit Urushi-Lack geklebt, fehlende Scherben werden mit einer in mehreren Schichten aufgetragenen Urushi-Kittmasse ergänzt, in die feinstes Pulvergold oder andere Metalle wie Silber und Platin eingestreut werden. In Anlehnung an Streubilder (maki-e) entstehen die für Kintsugi charakteristischen Dekorationseffekte.

Die Kunst des Kintsugi, bei der zerbrochene Keramik mit einer Lackschicht repariert wird, die mit Gold-, Silber- oder Platinpulver vermischt ist, hebt den Schaden hervor und würdigt die Geschichte und Vergänglichkeit des Objekts. Dies entspricht den Prinzipien von Mono no Aware und Wabi-Sabi. Die Formen, Farben (oft gedämpft) und Texturen (manchmal rau) japanischer Keramiken, insbesondere solcher, die mit der Teezeremonie in Verbindung stehen, können ein Gefühl von „Mono no Aware“ hervorrufen. „Mono no Aware“ ist ein japanischer Ausdruck, der Einfachheit, Natürlichkeit und die Schönheit der Unvollkommenheit beschreibt.

Kintsugi-Schale. Die mit Goldlack reparierten Bruchlinien sind deutlich zu erkennen.

Geschichte

Vor dem Hintergrund des sich stärker verbreitenden Zen-Buddhismus entwickelte sich im Japan des 16. Jahrhunderts auf Betreiben einiger Teemeister trotz des Widerstandes der wohlhabenden Klasse, welche die Teezeremonie als Tradition zur Vorführung von Glanz und Luxus betrieb, ein neues ästhetisches Prinzip – Wabi Sabi. Die japanische Wabi-Sabi-Ästhetik reicht von einer metaphysischen Basis über geistige Werte, moralische Vorschriften bis hin zur stofflichen Qualität, die auch in der Teekunst zum Ausdruck kommt und sich auf viele Bereiche der Kunst und Kultur auswirkt. Die Einfachheit und die Wertschätzung der Fehlerhaftigkeit stehen im Zentrum dieser Anschauung. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich Kintsugi – die Goldverbindung, die den Makel hervorhebt.

Sonstiges

Literatur

Commons: Kintsugi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 金継ぎ. In: デジタル大辞泉 bei kotobank.jp. Abgerufen am 4. Januar 2013 (japanisch).
  2. ↑ Stephan Joppich: Mono No Aware: The Secret Key to an Intentional Life. In: Stephan Joppich. 26. Juli 2023, abgerufen am 17. Juni 2025 (amerikanisches Englisch).
  3. ↑ Embracing Ephemera: “Mono no aware” in the Modern Shin-Hanga Movement. 11. Juli 2024, abgerufen am 17. Juni 2025 (amerikanisches Englisch).
  4. ↑ Filmpodium: The Golden Thread. Abgerufen am 9. Februar 2022 (Schweizer Hochdeutsch).