Klappscheinwerfer

Mazda 323F der Serie BG

Klappscheinwerfer, umgangssprachlich auch Schlafaugen genannt, sind Front-Scheinwerfer, die im ausgeschalteten Zustand versenkt oder verdeckt sind.

Geschichte

Das erste in Serie hergestellte Automobil mit Klappscheinwerfern war der im Jahr 1935 vorgestellte Cord 810/812. Bei ihm wurden Scheinwerfer verwendet, die von Stinson Aircraft hergestellt wurden und ursprünglich als versenkbare Landescheinwerfer in Flugzeugen zum Einsatz kamen.

Limousinen mit Klappscheinwerfern auszustatten wurde nur in den USA populär, wo 1968 bis 1983 keine aerodynamischen Glasabdeckungen vor den Scheinwerfern zulässig waren. Andernorts wurden typischerweise Sportwagen mit derartigen Scheinwerfern ausgestattet. Durch sie war es möglich, die Frontpartie so zu gestalten, dass sie aerodynamisch besonders günstig ist, solange die Scheinwerfer nicht benötigt werden – allerdings um den Preis umso schlechterer Windschlüpfigkeit, wenn die Scheinwerfer eingeschaltet sind. Das bedeutet, dass Klappscheinwerfer in Ländern, die Tagfahrlicht vorschreiben, aerodynamisch nicht sinnvoll sind.

Darüber hinaus gibt es bei Fahrzeugen mit Klappscheinwerfern eine besondere Situation mit dem Fernlicht; so kann man im normalen Betrieb bei Tag (wenn die Scheinwerfer geschlossen sind) keine Lichthupe geben oder muss eine starke Zeitverzögerung in Kauf nehmen, bevor sich die Scheinwerfer erst aufklappen, um ein Lichtsignal geben zu können. Da dies höchst unpraktisch ist und im Einzelfall Schwierigkeiten bei der Zulassung machen kann, baute man z. B. im BMW 8er (E31) zwei Paar Fernlichter ein. Zusätzlich zum Fernlicht für den dauerhaften Betrieb (welcher sich im Klappscheinwerfer befindet), platzierte man ein zweites Paar Fernlichter in der Leiste neben dem Blinker. Dieses Zweitfernlicht ist auch bei eingefahrenem Klappscheinwerfer sichtbar und dient dem Geben von Lichtsignalen.

Ein weit verbreiteter Irrglaube besteht darin, dass neue, zusätzliche Vorschriften, technische oder gesetzliche Regelungen für das Aussterben der Klappscheinwerfer verantwortlich sind. Tatsächlich ist kein technischer oder rechtlicher Grund bekannt, warum Klappscheinwerfer nicht mehr zum Einsatz kommen dürften. Wahrscheinlicher ist, dass sie schlicht aus der Mode gekommen sind, da sich neuere Beleuchtungstechniken designtechnisch besser integrieren lassen und Klappscheinwerfer mit hohen Produktionskosten und erhöhtem Luftwiderstand verbunden sind.

2004 wurde vorerst die Produktion der letzten drei Fahrzeuge mit Klappscheinwerfern, der Corvette C5, des Lotus Esprit und des De Tomaso Guarà, eingestellt. Der Ferrari Daytona SP3 erhielt 2021 jedoch bewegliche Abdeckungen die an Klappscheinwerfer früherer Modelle erinnern. 2026 wurde mit dem Bertone Runabout ein auf 25 Exemplare limitiertes Modell mit Klappscheinwerfern vorgestellt.

Bauarten und Technik

Um etwa 135° in der Querachse gedrehte Scheinwerfer (Corvette C2)

Es existieren verschiedene Grundprinzipien, nach denen Klappscheinwerfer in Automobilen umgesetzt sind:

Klappscheinwerfer waren vor Einführung der Polyellipsoid-Scheinwerfer (in den 1980er Jahren) eine Kompromisslösung, um große Scheinwerfer in sehr sportliche Kraftfahrzeuge unterzubringen. Bei Gebrauch des Scheinwerfers verschlechtert sich der durchschnittliche -Wert um 3 bis 10 Prozent.

Siehe auch

Commons: Klappscheinwerfer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ e31.net: Illustration der Beleuchtungseinheiten der BMW 8er Serie
  2. 1 2 Wieso sind Schlafaugen verschwunden? 17. Januar 2019, abgerufen am 14. Februar 2025.
  3. ↑ Lichttechnik: Warum es keine Autos mit Schlafaugen mehr gibt - WELT. Abgerufen am 14. Februar 2025.
  4. ↑ Thomas Harloff: Ferrari Daytona SP3: Brandneu - und schon eine Ikone. In: auto-motor-und-sport.de. 20. November 2021, abgerufen am 1. August 2022.
  5. ↑ Manuel Lehbrink: Ferrari Daytona SP3: Der neue Icona mit 840 PS starkem V12. In: de.motor1.com. 20. November 2021, abgerufen am 1. August 2022.
  6. ↑ Uli Baumann: So Keil kann Sportwagen sein. In: auto-motor-und-sport.de. 26. Januar 2026, abgerufen am 26. Januar 2026.
  7. ↑ Olaf von Fersen (Hrsg.): Ein Jahrhundert Automobiltechnik. Personenwagen. VDI Verlag 1986, ISBN 3-18-400620-4, S. 316.
  8. ↑ Michael Trzesniowski: Rennwagentechnik. 2 Auflage. Vieweg+Teubner, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-8348-0857-8, S. 129