Klaus Cornfield

Klaus Cornfield bei einem Auftritt mit dem Orchestre Miniature in the Park im Rahmen des Haldern Pop Festivals in Rees 2013

Klaus Cornfield (* 10. September 1964 in Lima/Peru, bürgerlicher Name: Klaus Gaffkus) ist ein deutscher Musiker, Comicautor und -zeichner und Illustrator. Bekannt wurde er vor allem als Sänger und Gitarrist der Band Throw That Beat in the Garbagecan und als Schöpfer der Comicserie Kranke Comics. Seit 1986 firmiert Klaus Gaffkus unter dem Pseudonym Cornfield, das sich Iwie Candy X07 und Lotsi Lapislazuli, seine Bandkolleginnen bei Throw That Beat in the Garbagecan, für ihn ausdachten.

Karriere

Musik

1986 gründete Cornfield mit Oliver Kolb die Band Throw That Beat in the Garbagecan. Ihre größte Popularität erlangte die Band in der Formation Klaus Cornfield (Gesang, Gitarre), Oliver „Polli Pollunder“ Kolb (Gitarre, Gesang), Lord Ray (Bass), Iwie Candy X07 (Keyboard, Gesang), Lotsi Lapislazuli (Gesang, Blockflöte, Melodica, Glockenspiel) und Alex Sticht (Schlagzeug, Gesang). Cornfield spielte nicht nur Gitarre und sang, er schrieb auch größtenteils die Texte der Band. Das Artwork ihrer Veröffentlichungen gestalteten Cornfield und Lotsi Lapislazuli. Die Band veröffentlichte zahlreiche Tonträger und spielte über 1000 Konzerte in ganz Europa, den U.S.A. und Japan. 1997 lösten sich Throw That Beat in the Garbagecan auf.

1999 gründete Cornfield mit Paul Greco, der zuvor auf mehreren Alben der Band Chumbawamba Bass gespielt hatte, die Band Katze. Bereits kurz nach Gründung der Band stieß Minky Warhol zu Katze. Cornfield (Gesang, Gitarre) und Warhol (Gesang, Stylophone, Mellotron) waren die beständigsten Mitglieder der Band, die im Laufe ihrer Geschichte zahlreiche Besetzungswechsel durchlief. Cornfield und Warhol schrieben die Texte der Band und gestalteten die Veröffentlichungen. Die Band veröffentlichte verschiedene Tonträger und spielte zahlreiche Livekonzerte.

2007 gründete Cornfield das „erste und einzige bunte Miniaturinstrumenteorchester der Welt“ Orchestre Miniature in the Park (OMP). Neben Cornfield als Hauptsänger sind an dem Projekt über dreißig Musiker beteiligt. Das Orchester spielt regelmäßig live und veröffentlichte 2015 ein Album.

Sein jüngstes musikalisches Projekt ist die Old Men Group, die Cornfield (Gitarre) mit Dirk Kretz (Bass) und Robert „Bobby“ Schätzle (Schlagzeug) 2018 gründete. Die Band gab Anfang 2019 ihr Debüt-Konzert in Berlin, weitere Liveauftritte folgten.

Neben seinem Engagement in den verschiedenen Bands ist Cornfield in Solo- und Seitenprojekte involviert.

Comics

Bereits als Kind begann Cornfield Comics zu zeichnen. In den frühen neunziger Jahren erschienen erste Strips von ihm in dem Comicmagazin KiX. Den frühen Veröffentlichungen seiner Band Throw That Beat in the Garbagecan lagen von ihm gestaltete Comics bei. 1992 erschien im Alpha Comic Verlag ein Comicalbum, das die Geschichte und Erlebnisse von Throw That Beat zum Inhalt hat. Ein ähnliches Album über die Band The Bates erschien beim selben Verlag. Um den Charakter der Band und ihrer Mitglieder kennenzulernen und im Comic umsetzen zu können, begleitete Cornfield The Bates auf einer Tournee. Auch zu seiner Band Katze veröffentlichte er ein Heft mit Comicgeschichten, diese erschienen teilweise auch in der Musikzeitschrift Intro. Das Katze-Heft wurde 2006 als Bester Kurzcomic beim ICOM Independent Comic Preis ausgezeichnet. In den Heften der deutschen Ausgabe der Serie Hate (deutscher Titel: Krass) von Peter Bagge erschienen regelmäßig Zweitgeschichten von Cornfield.

Cornfields bekannteste Schöpfung ist die Serie Kranke Comics. 1995 schrieb und zeichnete er ein erstes Heft unter diesem Titel. Bei den Protagonisten der Geschichten des Hefts handelte es sich deutlich erkennbar um Disney-Charaktere wie Micky Maus und Donald Duck, die Cornfield in extremster satirischer Zuspitzung in eine abseitige Gegenwelt aus überbordenden Sex-, Gewalt- und Drogenexzessen stürzte. Aufgrund drohender rechtlicher Konsequenzen durch den Disneykonzern blieb das Heft zunächst unveröffentlicht. Da die Geschichten in Cornfields privatem Umfeld allerdings auf begeisterte Resonanz stießen, beschloss er, das Konzept weiter auszuarbeiten. Er entwickelte eigene anthropomorphe Tierfiguren für die Serie, darunter auch seine populärsten Charaktere Fou-Fou und Haha.

Fou-Fou und Haha sind extrem niedlich gestaltete Bärchen, die sich als Comic-Herausgeber verdingen. Sie träumen stets davon, „schöne“ Comics herauszugeben, sind aber gezwungen Kranke Comics herauszugeben, da nur diese von der Leserschaft gekauft werden. Ha Ha und vor allem Fou Fou sind darüber sehr traurig und bitten die Leser immer wieder inständig, die „schlimmen Geschichten“ nicht zu lesen. In dem krassen Kontrast zwischen der Niedlichkeit dieser beiden, die in einer Idylle aus Kakao und Marmeladenbrötchen leben, zu den abgründigen Perversionen, in denen sich die anderen Charaktere der Geschichten ergehen, liegt ein Wesensmerkmal des Stils Cornfields.

Die Kranken Comics richten sich mit ihren expliziten Inhalten an ein erwachsenes Publikum. „Im allerniedlichsten Stil klassischer Kindercomics zeigt Cornfield jede nur denkbare Perversion und reizt sie aus“, schreibt Mikki Sixx von Turbo Radio, und die „Brutal-Satire“ beinhalte die „derbsten, bösesten, krankesten und schmutzigsten“ Comics, die je in Deutschland erschienen. Timur Vermes von Spiegel Online beschreibt die Geschichten der Kranken Comics als „eine absurde Menge geballten Drecks“, in denen „ohne Unterbrechung gefickt, gepisst, geschissen“ wird und „Cornfield zeigt, was Hemmungslosigkeit wirklich bedeutet“. Die Comics seien „nichts weniger als eine grenzenlose Zumutung“ der „ganze nackte Wahnsinn“ aber trotzdem „grauenhaft gut“ und „sehr, sehr komisch“. Bela Sobottke vom Tagesspiegel attestiert, die Kranken Comics seien weit mehr als „lediglich eine Aneinanderreihung von platten Sexismen, pubertärem Humor und schlechtem Geschmack“, sondern hier habe „jemand der Menschheit genau auf ihre blutigen Finger geguckt“ und Cornfield habe „all die Grausamkeiten und die doppelbödige Moral der Gesellschaft aufgesogen und ihr den hässlichen Spiegel“ vorgehalten. Für Sobotke gehört die Serie zu den „großen Klassikern des deutschen Comics“ und liefere die „besten deutschen Underground-Comics aller Zeiten“.

Cornfield veröffentlichte die Kranken Comics ab 1997 unter dem Signet Fou-Fou und Haha Verlag im Selbstverlag und ab der Ausgabe #5 von 1998 bis 2000 bei verschiedenen Comicverlagen. Es erschienen acht Ausgaben der Serie sowie ein Album unter dem Titel Kranke Comics Extra. Das ursprünglich unveröffentlichte erste Heft erschien 2004 als Kranke Comics #0 in einer Kleinstauflage bei Staple Press. Der Weissblech Verlag veröffentlichte 2018 den Sammelband Das gesammelte Elend, der neben den regulär erschienenen Ausgaben #1 bis #8 und Kranke Comics Extra auch die zuvor unveröffentlichte Ausgabe #9 enthielt. Cornfields frühe Arbeiten aus den KiX-Comics veröffentlichte der Hanauer Kleinverlag Violess War 2019 in einem Heft.

Gelegentlich schreibt Cornfield Lieder für Charaktere aus Kranke Comics, die er dann als deren Alter Ego aufnimmt, so beispielsweise die Songs Serenade für die Figur Akne Jürgen oder Ich hab ne Uzi für die Figur Sir Angry, eine Hip-Hop-Nummer, die Cornfield mit Ferris MC einspielte. Auch für Fou-Fou und Haha entstanden Lieder. Teilweise erschienen diese auf einer CD, die dem Album Fou-Fou und Haha in Paris, das 2002 bei Carlsen erschien, beilag. Zu manchen dieser Songs erstellte Cornfield auch animierte Musikvideos.

Abseits der Kranken Comics veröffentlichte Cornfield verschiedene Comicalben, darunter zwei Bände mit kindgerechten Geschichten um Fou-Fou und Haha. In über 200 Folgen erschienen die Comics mit Fou-Fou und Haha ab 2001 für mehrere Jahre in der Zeitung Junge Welt. Cornfield präsentiert seine Comics auch live bei Comic-Lesungen. Mehrfach waren den Kranken Comics Ausstellungen im gesamten Bundesgebiet gewidmet, so beispielsweise 2012 und 2018 beim Comic-Salon Erlangen.

Ab Januar 2021 veröffentlicht Cornfield die Serie Fou-Fou und Haha Sonntagstrips auf der Webcomic-Plattform Toons Up.

Biografisches und Privatleben

Cornfield wurde im peruanischen Lima als Sohn eines Nähmaschinenhändlers und der Tochter eines Kaffeeplantagenbesitzers geboren, eingeschult wurde er in den Niederlanden. Die Familie siedelte nach Deutschland über, erst nach Köln, danach nach Fürth. In Deutschland brach er die Schule ab und verweigerte den Wehrdienst. Seine Jugend verbrachte Cornfield in Fürth, lebte dann zeitweise mit Thomas D auf einem alternativen Bauernhof in der Eifel, bevor er 2004 nach Berlin zog. Er bestreitet seinen Lebensunterhalt mit Illustrationen für Kinderbücher, die er unter einem Pseudonym anfertigt. Cornfield lebt und arbeitet in Berlin.

Veröffentlichungen

Comics

Kranke Comics

Sonstige Comics

Beiträge in Anthologien

Animierte Musikvideos zu Comicfiguren

Diskografie

Solo

Mit Throw That Beat in the Garbagecan

Mit Katze

Mit Orchestre Miniature In The Park

Klaus Cornfield & Buddy Love

Klaus Cornfield & Lotsi Lapislazuli

Klaus Cornfield & The Creams

Commons: Klaus Cornfield – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Rouge Ruiz: Throw That Beat in the Garbagecan! In: Cloudberry Cake Proselytism. Interview mit Klaus Cornfield, 1. April 2014, abgerufen am 22. Mai 2019 (englisch).
  2. ↑ Throw That Beat In The Garbagecan. Interview mit der Band von Flux FM Radio, 12. September 2014, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. September 2021; abgerufen am 22. Mai 2019.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. ↑ Paul Grecko. auf Discogs, abgerufen am 22. Mai 2019.
  4. ↑ Bandbiographie: Katze. auf Laut.de, abgerufen am 22. Mai 2019.
  5. ↑ OMP. Offizielle Homepage der Band, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 18. September 2020; abgerufen am 22. Mai 2019.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. ↑ Old Men Group. Offizielle Facebook-Seite der Band, abgerufen am 24. Mai 2019.
  7. 1 2 3 4 5 Mikki Sixx: Kranke Comics mit Klaus Cornfield. In: Cultural Broadcasting Archive. Interview von Turbo Radio, 17. Mai 2018, abgerufen am 21. Mai 2019.
  8. ↑ Klaus Cornfield: Katze. Schwarzer Turm, Hünfeld 2005, S. 33.
  9. ↑ Bester Kurzcomic: „Katze“ von Klaus Cornfield (Schwarzer Turm). Interessenverband Comic, 2006, abgerufen am 13. Juni 2018.
  10. 1 2 Bela Sobottke: Auf ewig verdorben. auf Tagesspiegel.de, 26. Juni 2018, abgerufen am 22. Mai 2019.
  11. 1 2 Timur Vermes: Eine absurde Menge geballter Dreck. auf Spiegel Online, 20. Juni 2018, abgerufen am 21. Mai 2019.
  12. ↑ Klaus Cornfiels. YouTube-Kanal, abgerufen am 24. Mai 2019.
  13. ↑ Conny Lösch: Das Fou-Fou- + Haha-Interview. In: Junge Welt. 9. November 2002, abgerufen am 24. Mai 2019.
  14. ↑ 15. Internationaler Comic-Salon Erlangen 2012. In: Comixene #114, JNK-Verlag, Berlin 2012, S. 30, 50, 70; Stadt Erlangen (Hrsg.): 18. Internationaler Comic-Salon Erlangen 2018, Druckhaus Haspel, Erlangen 2018, S. 32, 48.
  15. ↑ Jaja Verlag: Autoren. www.jajaverlag.com, 2018, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 13. Juni 2018; abgerufen am 13. Juni 2018.
  16. ↑ Throw That Beat In The Garbage Can! In: Bayrischer Rundfunk. Interview mit Klaus Cornfield in der Sendung Zündfunk., 18. Juni 2013, abgerufen am 21. Mai 2019.
Personendaten
NAME Cornfield, Klaus
ALTERNATIVNAMEN Gaffkus, Klaus (wirklicher Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Musiker und Comiczeichner
GEBURTSDATUM 10. September 1964
GEBURTSORT Lima, Peru