Klaus Schindling

Klaus Günter Schindling (* 9. September 1968 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Kommunalpolitiker (CDU) und seit 2016 Bürgermeister der Stadt Hattersheim am Main.

Werdegang

Schindling wurde in Frankfurt-Höchst geboren und wuchs ab seinem siebten Lebensjahr in Kriftel auf. Er besuchte das Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Frankfurt am Main und machte dort 1988 sein Abitur. An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studierte er Rechtswissenschaften. Mit seiner Heirat im Jahr 1997 zog Schindling in den Hattersheimer Ortsteil Okriftel und stieg in den Betrieb der Schwiegereltern ein, bevor er Mitgesellschafter einer Abfallentsorgungsfirma im Frankfurter Westhafen wurde. Schindling hat einen Sohn und eine Tochter.

Politische Laufbahn

Gemeinderatsmitglied und Stadtverordneter

Mit 17 Jahren trat Schindling in die Junge Union ein. Mit 22 Jahren trat er in die CDU ein, für die er in den 1990er-Jahren in die Gemeindevertretung von Kriftel gewählt wurde. Ab 2005 war Schindling ehrenamtliches Mitglied der Stadtverordnetenversammlung von Hattersheim am Main. Bei den darauf folgenden Kommunalwahlen konnte er sein Mandat jeweils verteidigen, zuletzt bei der Kommunalwahl im März 2016.

Bürgermeister

Am 6. März 2016 kandidierte Schindling bei der Bürgermeisterwahl in Hattersheim am Main. Dabei sah er in dem ehemaligen Bürgermeister von Kriftel Hans-Werner Börs (1928–1996) sein politisches Vorbild, obwohl dieser wegen Korruptionsverdachtes in Untersuchungshaft genommen wurde und einer Verurteilung nur aufgrund seines frühzeitigen Todes entging. Mit 38,4 % der abgegebenen Stimmen wurde Schindling Zweiter hinter der Amtsinhaberin Antje Köster (SPD), welche 47,0 % erhalten hatte. Da keiner die nötige Mehrheit der abgegebenen Stimmen hatte, erfolgte am 30. März 2016 eine Stichwahl, bei der sich Schindling mit 50,5 % zu 49,5 % gegen seine Kontrahentin durchsetzen konnte. Sein Amtsantritt erfolgte am 1. Oktober 2016, bei gleichzeitigem Ausscheiden aus der Stadtverordnetenversammlung. Am 8. Mai 2022 erfolgte seine Wiederwahl als Bürgermeister mit 75,5 % der abgegebenen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 45,6 %.

Ermittlungen und Anklage

Zum Jahresende 2025 teilte Schindlings der Presse mit, dass in den vergangenen beiden Jahren bei Staatsanwaltschaft, Polizei, Dienstaufsichtsbehörde und Hessischer Datenschutzbehörde bislang mehr als 40 Eingaben in Form von Remonstrationen, Mitteilungen, Anzeigen usw. gegen seine Handlungen als Bürgermeister eingegangen seien, aufgrund derer die nachstehenden staatsanwaltlichen Ermittlungen resultierten. Bei Bekanntwerden der Anklageerhebung Mitte Oktober 2026 sprach Schindling von mehr als 50 Vorwürfen gegen ihn.

Ermittlungs- und Disziplinarverfahren wegen Verdachts der Vorteilsannahme

Im November 2023 leitete die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main ein Verfahren wegen des Verdachts der Vorteilsannahme gegen Schindling ein und ermittelt in diesem Zusammenhang auch gegen drei weitere Personen. Schindling hatte mehrfach Spiele von Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt besucht, wobei die Kosten für den Besuch einer VIP-Loge im Deutsche Bank Park jeweils von Günter Horn, dem Geschäftsführer der Kelkheimer Projektgesellschaft Horn GmbH, getragen wurden. Die Projektgesellschaft Horn hatte von 2019 bis 2021 im Hattersheimer Wohnpark „An der Ölmühle“ 343 Wohnungen errichtet. Die polizeilichen Ermittlungen wurden durch das Hessische Landeskriminalamt geführt. Daneben wurde aufgrund der polizeilichen bzw. staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen durch den Landrat Michael Cyriax (ebenfalls CDU) auch ein Disziplinarverfahren gegen Schindling eingeleitet. Ausgelöst wurde das Ermittlungsverfahren durch eine Mitteilung der Ersten Stadträtin Heike Seibert (ebenfalls CDU) an die Behörden, die sich seit längerer Zeit Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt sieht. Auf einem CDU-Kreisparteitag am 1. März 2024 wurde Schindling zu einem der vier stellvertretenden Vorsitzenden des CDU-Kreisverbands gewählt. Heike Seibert, eine ehemalige stellvertretende Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Hattersheim, war nicht zum Parteitag geladen worden, angeblich aufgrund einer veralteten Mitglieder-Datei, die versehentlich für die Einladungen verwendet wurde. Im März 2025 wurde bekannt, dass das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft wegen Verdachts der Vorteilsannahme unter der Auflage von Geldzahlungen in Höhe von insgesamt 40.000 Euro eingestellt wurde. Hiervon hatten Schindling und Horn jeweils 20.000 Euro zu zahlen, davon 10.000 Euro an die Staatskasse sowie weitere 10.000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung.

Anklage wegen besonders schwerer Haushaltsuntreue und versuchter Nötigung

Unmittelbar vor den Weihnachtsfeiertagen 2024 gab Schindling im Rahmen einer Personalversammlung bekannt, dass ab Januar 2025 die Zahlung von Zulagen für die städtischen Beamten und Angestellten auf unbestimmte Zeit eingestellt werden. Hintergrund sei die Mitteilung der Kommunalaufsicht des Main-Taunus-Kreises, dass in neun der rund 200 Fällen, in denen Zulagen (darunter auch Zahlungen wie Jobticket, Fahrtkostengeld oder ein Zuschuss zum Jobrad) gezahlt werden, der Verdacht aufgekommen sei, dass die engen Grenzen für die Zahlung von Zulagen im öffentlichen Dienst nicht eingehalten worden sein könnten. Die Kommunalaufsicht habe namentlich neun Verdachtsfälle benannt, in denen geprüft werden müsse, ob möglicherweise zu viel Geld ausgezahlt wurde. Nach Abschluss der Prüfungen und sofern sich der Verdacht nicht bestätigt, würden die Zulagen ggf. auch rückwirkend wieder ausgezahlt werden. Die Stadt habe eine Anwaltskanzlei mit der Prüfung der Sachlage beauftragt, was schätzungsweise Kosten in sechsstelliger Höhe verursachen würde. Während Schindling als Ursache für die Ermittlungen der Kommunalaufsicht die Remonstration der Erste Stadträtin Heike Seibert nannte, teilte diese mit, dass die Zulagen von ihr nicht bemängelt worden seien und sie daher davon ausgehe, dass die Ermittlungen möglicherweise aufgrund der Remonstration von zwei Beamtinnen oder Beamten der Stadt erfolgten. Im Mai 2025 wurde bekannt, dass aufgrund der Zulagenzahlungen auch ein Anfangsverdacht wegen Haushaltsuntreue bejaht werden konnte und von der Staatsanwaltschaft ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen Schindling eingeleitet wurde. Im Rahmen der Ermittlungen wurden im August 2025 mehrere Zeugen vernommen. Am frühen Vormittag des 18. September 2025 vollstreckten Polizeibeamte des Hessischen Landeskriminalamtes im Beisein des Staatsanwaltes im Hattersheimer Rathaus unangekündigt einen Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Frankfurt am Main.

Mitte Oktober 2026 wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main nach Abschluss des Ermittlungsverfahrens Anklage gegen Schindling wegen besonders schwerer Haushaltsuntreue in neun Fällen sowie versuchter Nötigung eines Mitarbeiters der Stadt erhebt. In neun Fällen soll Schindling städischen Mtarbeitern von Juni 2019 bis zur vorgenannten Einstellung im Dezember 2024 unrechtmäßig Zulagen gewährt haben, wodurch der Stadt ein Schaden von mehr als 200.000 € entstanden sei. Daneben soll Schindling einen Angestellten der Stadt genötigt haben, indem er ihm mit Kündigung gedroht habe, weil dieser aus einem Fußballverein austreten wollte. Schindling ist als Beisitzer ein Vorstandsmitglied des FC Eddersheim. Über die Eröffnung eines Hauptverfahrens aufgrund der Anklage, hat das Landgericht Frankfurt am Main zu entscheiden. Drei Tage nach Bekanntwerden der Anklageerhebung forderte die Fraktion der Linken in einer Pressemitteilung den Rücktritt von Schindling, u. a. unter Hinweis auf das drohende Strafmaß von sechs Monaten bis zehn Jahren Freiheitsstrafe, bei einer Verurteilung wegen besonders schwerer Haushaltsuntreue. Die Fraktion der Grünen forderte in einer Pressemitteilung Transparenz, einen fairen Umgang und eine aktive Rolle der Stadtverordnetenversammlung bei der Aufklärung.

Lobbytätigkeit

Schindling wurde 2021 Vorstandsmitglied der German Datacenter Association (GDA), die ein Lobbyverband der Rechenzentrumsbranche ist. Laut GDA dient Schindling dabei als Schnittstelle zwischen Politik und Kommunen und er selbst sieht seine Rolle darin, Kommunen, die an einer Ansiedlung von Rechenzentren interessiert sind, bei ihrer Entscheidung zu beraten. In seiner Amtszeit als Bürgermeister siedelte Schindling seit 2017 zwölf Rechenzentren in Hattersheim an. Gegen einen geplanten sogenannten Data-Campus mit drei weiteren Rechenzentren wehren sich seit spätestens März 2024 Teile der Bürgerschaft. Auch über diesen weiteren Data Center Standort hinaus schlossen der Betreiber NTT Global Data Centers EMEA und Schindling im März 2023 eine weitere Ansiedlung von Rechenzentren in Hattersheim grundsätzlich nicht aus. Im April 2024 ließ sich Schindling erneut für weitere drei Jahren in den GDA-Vorstand wählen. Aufgrund des geplanten Rechenzentrums am Friedhof reichte eine Bürgerinitiative im April 2025 mit drei offiziellen Klägern einen Antrag auf Normenkontrolle beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof gegen die Stadt Hattersheim ein. Nach einer im Dezember 2025 von der GDA-Mitgliederversammlung beschlossenen „organisatorischen Neuausrichtung“, stellte sich Schindling im Juni 2026 für ein GDA-Präsidium nicht mehr zur Wahl.

Einzelnachweise

  1. ↑ Klaus Günter Schindling. In: companyhouse.de. Abgerufen am 4. März 2024.
  2. ↑ Amtsblatt des Main-Taunus-Kreises, Nr. 6, 19. Januar 2021, S. 14
  3. 1 2 3 Ulrike Kleinenkoenen: Ein Vereinsmensch sieht Chancen. In: Frankfurter Neue Presse. 20. November 2018, abgerufen am 4. März 2024.
  4. 1 2 Mia Möller trifft... Klaus Schindling, Bürgermeisterkandidat der CDU (Memento des Originals vom 22. August 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., 7. Februar 2016, Verlag Dreisbach Online
  5. 1 2 Hattersheim: Schindling kandidiert gegen Köster, 3. Juli 2015, Frankfurter Rundschau
  6. ↑ Manfred Becht: Klaus Schindlings Vorbild ist Hans-Werner Börs. In: Frankfurter Neue Presse. 20. November 2018, abgerufen am 4. März 2024.
  7. ↑ Reiner Scholz: Unter der öffentlichen Hand. In: Die Zeit. 30. August 1996, abgerufen am 21. März 2024.
  8. ↑ Wahlergebnis (Memento des Originals vom 5. Oktober 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. der Bürgermeisterwahl in Hattersheim am Main 2016 auf der Internetseite des Hessischen Statistischen Landesamtes
  9. ↑ Wahlergebnis (Memento des Originals vom 5. Oktober 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. der Bürgermeisterstichwahl in Hattersheim am Main 2016 auf der Internetseite des Hessischen Statistischen Landesamtes
  10. ↑ Erster Arbeitstag für Klaus Schindling: Neuer Hattersheimer Bürgermeister will nur einen neuen Stuhl, 4. Oktober 2016, Höchster Kreisblatt
  11. ↑ Fraktionen benennen Mitglieder für die Fachausschüsse, 31. Mai 2006, Höchster Kreisblatt
  12. ↑ Bürgermeisterwahl am 8. Mai 2022 in Hattersheim am Main (Main-Taunus). hessenschau, 5. August 2022, abgerufen am 4. April 2024.
  13. 1 2 Adrian Kaske: SPD-Vertreter und Bürgerinitiative kritisieren Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) – der widerspricht. In: www.fnp.de. Frankfurter Neue Presse, 7. Januar 2026, abgerufen am 9. Januar 2026.
  14. 1 2 Robin Kunze, Adrian Kaske: Anklage gegen Schindling erhoben. In: Höchster Kreisblatt. 14. Oktober 2026 (fnp.de).
  15. ↑ Robin Kunze: Rathauschef würde sich gerne zu Vorwürfen äußern. In: Frankfurter Rundschau. 18. März 2024 (fr.de – In Onlineversion als Zwischenbericht).
  16. 1 2 Robin Kunze: Ermittlung gegen Schindling unter Auflagen eingestellt. In: Frankfurter Neue Presse. 17. März 2025, abgerufen am 22. September 2025.
  17. ↑ Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Hattersheimer Bürgermeister. 21. Dezember 2023, abgerufen am 4. März 2024.
  18. ↑ Ermittlungen gegen Schindling dauern an. 31. Januar 2024, abgerufen am 4. März 2024.
  19. ↑ Robin Kunze: „Man lernt, mit der Angst zu leben“: Morddrohung gegen Hattersheims Erste Stadträtin. In: Frankfurter Neue Presse. 5. Februar 2024, abgerufen am 6. März 2024.
  20. ↑ Angriffe auf Kommunalpolitiker nehmen zu. In: 1730live.de. 17:30 Sat.1 Rheinland-Pfalz/Hessen, 5. März 2024, abgerufen am 14. März 2024.
  21. ↑ Vgl. Parteivorstand der CDU Hattersheim. In: cdu-hattersheim.de. CDU Stadtverband Hattersheim, 14. März 2024, abgerufen am 4. April 2024 (zum Datum noch als stellvertretende Vorsitzende genannt; bei Abruf nicht mehr. Ende des Amtes unklar).
  22. ↑ CDU lädt Seibert nicht zu Parteitag. In: Frankfurter Rundschau. 4. März 2024, abgerufen am 4. März 2024.
  23. ↑ Karl-Josef Schmidt: Kajos Wochenschau : Dreierlei Politisches. In: Höchster Kreisblatt. 9. März 2024.
  24. ↑ Robin Kunze: Bürgermeister Schindling friert Zulagen für Mitarbeiter der Stadt ein. In: Frankfurter Neue Presse. 30. Dezember 2024, abgerufen am 30. Januar 2025.
  25. ↑ Robin Kunze: Razzia im Rathaus: Durchsuchung wegen Zulagen. In: Höchster Kreisblatt. 20. September 2025.
  26. ↑ Robin Kunze (rk): Linke fordert Schindling zum Rücktritt auf. In: Höchster Kreisblatt. 17. Oktober 2026.
  27. ↑ Zoe Garnjost: Hattersheim: Die Linke fordert Rücktritt von Bürgermeister Schindling nach Anklage wegen Untreue. In: dielinke-mtk.de. Die Linke – Kreisverband Main-Taunus, 17. Oktober 2026, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  28. ↑ Vorwürfe gegen Bürgermeister Schindling müssen transparent und umfassend aufgeklärt werden. In: verlag-dreisbach.de. 20. Oktober 2026, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  29. ↑ Robin Kunze: Als Bürgermeister Lobbyist? In: Frankfurter Rundschau. 18. März 2024 (fr.de).
  30. ↑ Bürger in Hattersheim wehren sich gegen Erweiterung Gewerbegebiet Nord. In: hessenschau. 13. März 2024, abgerufen am 20. März 2024 (Podcast).
  31. ↑ Robin Kunze: Gewerbegebiet Nord ist wohl noch nicht das Ende. In: Höchster Kreisblatt. 21. März 2024.
  32. 1 2 Robin Kunze (rk), Adrian Kaske (adk): Rückzug aus GDA-Vorstand. In: Höchster Kreisblatt. 22. Oktober 2026.
Personendaten
NAME Schindling, Klaus
ALTERNATIVNAMEN Schindling, Klaus Günter
KURZBESCHREIBUNG deutscher Kommunalpolitiker (CDU) und Bürgermeister
GEBURTSDATUM 9. September 1968
GEBURTSORT Frankfurt am Main