
Klaus Steinbock (* 20. Juni 1939 in Leipzig) ist ein deutscher Elektroingenieur und Professor für Automatisierungstechnik. Von 1992 bis 2003 war er Gründungsrektor der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig.
Klaus Steinbock wurde kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Mitteldeutschland geboren, er hat hier eine schwierige Kindheit und Jugend verbracht. Die Umstände führten dazu, dass er bei seinen Großeltern aufgewachsen ist, und nach deren Tod war er völlig allein auf sich gestellt. Er besuchte eine Volksschule bis zur 8. Klasse. Anschließend absolvierte er eine dreijährige Berufsausbildung in der Elektrobranche, die er 1956 als Facharbeiter für Automatisierungsanlagenbau abschloss.
Nach einigen Jahren berufspraktischer Tätigkeit studierte er an der Ingenieurschule für Automatisierungstechnik in Leipzig und erwarb den Abschluss als Ingenieur für Automatisierungstechnik. Mit dieser Qualifikation war er langjährig auf dem Gebiet der Projektierung von Automatisierungsanlagen im Betrieb Geräte- und Regler-Werke in Leipzig tätig. Auf diesem modernen Fachgebiet sammelte er umfangreiche Industrieerfahrungen.
Er setzte parallel zur beruflichen Tätigkeit seine Qualifizierung fort, indem er ein Fernstudium im Elektroingenieurwesen an der TH Ilmenau, Fachrichtung Technische Kybernetik erfolgreich absolvierte und mit seiner Diplomarbeit den ersten akademischen Grad Diplomingenieur (Dipl.-Ing.) erlangte.

1977 wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die neu gegründete Technische Hochschule Leipzig (THL) an den Lehrstuhl Projektierung von Rainer Müller, der von Berlin über Ilmenau und Jena nach Leipzig berufen wurde. Hier baute dieser gerade das Fachgebiet Projektierung von Automatisierungsanlagen völlig neu auf, wobei er insbesondere von dem habilitierten Hochschuldozenten Heinz Wolf und dem Steuerungsspezialisten Jochen Alder sowie weiteren Mitarbeitern unterstützt wurde. Dieses vorbildfreie Fachgebiet war innerhalb eines profilbestimmenden Wissenschaftsbereiches an der Sektion Automatisierungsanlagen (Direktor: Werner Richter) vorgesehen, und Klaus Steinbock konnte hierzu seine umfangreichen spezifischen Industrieerfahrungen beisteuern.
Klaus Steinbock bearbeitete in dieser Zeit auch seine Dissertation zur Thematik Projektierung von Kaskadenregelungen für technologische Prozesse. 1981 wurde er an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der TH Leipzig zum Doktoringenieur (Dr.-Ing.) promoviert.
Danach nahm er am Lehrstuhl Automatisierungsanlagentechnik von Werner Kriesel im parallelen Wissenschaftsbereich Automatisierungssysteme der Sektion Automatisierungsanlagen eine Tätigkeit als Lektor an, neben dem damaligen Oberassistenten Peter Gibas (1948–2021) und dessen Nachfolger Klaus Kabitzsch. In dieser Zeit befasste er sich in seinen auf eine Habilitation ausgerichteten Forschungsarbeiten insbesondere mit der Zuverlässigkeit von Automatisierungsanlagen unter dem Einfluss des Strukturwandels durch Mikrorechner, Industrielle Kommunikation und Intelligente Gerätetechnik.
Klaus Steinbock ist verheiratet und lebt mit seiner Frau in zentrumsnaher Lage von Leipzig. Beide sind Liebhaber Klassischer Musik und daher ständige Gäste des Gewandhauses zu Leipzig. Als Hobby pflegten sie das Bootfahren, bevorzugt auf der Mecklenburger Seenplatte. Zum Ritual von Klaus Steinbock gehörten seine regelmäßigen Sonnabendbesuche im Lesesaal der Deutschen Bücherei, der heutigen Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig.

Als Folge des Beitritts der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990 wechselte die Bildungshoheit in die Verantwortung der fünf neu gegründeten Bundesländer. Daher musste das neue Bundesland Sachsen nach der deutschen Wiedervereinigung insgesamt 8 Technische Hochschulen finanzieren. Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) folgte hierzu den Empfehlungen des Wissenschaftsrats: gebildet wurden die TU Dresden, die TU Chemnitz sowie die TU Bergakademie Freiberg, gleichzeitig wurden fünf Technische Hochschulen geschlossen: HfV Dresden, TH Leipzig, IH Mittweida, TH Zittau, TH Zwickau. An ihrer Stelle wurden weniger kostenintensive Fachhochschulen neu gegründet.
Im Zuge der Wiedervereinigung wurde also auf Beschluss der Sächsischen Staatsregierung entschieden, die THL abzuwickeln, sodass sie zum Jahresende 1996 ohne juristische Nachfolge geschlossen wurde. Auf der Grundlage des Gesetzes zur Struktur des Hochschulwesens und der Hochschulen im Freistaat Sachsen vom 10. April 1992 wurde die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (FH) am 15. Juli 1992 als juristisch eigenständige Institution neu gegründet. Es wurde ein Gründungssenat der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) gebildet, dem unter dem Vorsitz des Rektors der THL Rolf Thiele insgesamt 19 Persönlichkeiten angehörten, zu denen auch Klaus Steinbock zählte.
Klaus Steinbock wurde 1992 als Professor für Automatisierungstechnik an die HTWK berufen, kurze Zeit danach wurde er durch das Sächsische Staatsministerium SMWK als deren Gründungsrektor bestellt. Seine Aufgabe war es, die hochschulpolitischen und strategischen Zielstellungen gestaltend umzusetzen, wie diese auch in den Redebeiträgen der feierlichen Gründungsveranstaltung formuliert wurden:
Klaus Steinbock als Gründungsrektor entwickelte aus dem Sachbestand der THL und aus den Gebäuden – jedoch nur teilweise aus dem Personal – zusammen mit seinem Leitungsteam und den Hochschulangehörigen schrittweise die HTWK Leipzig während einer Zeitspanne mit mehr als 10 Jahren von 1992 bis 2003. Die Strategie von Klaus Steinbock führte in den ersten Jahren zu zahlreichen Diskussionen und Widerständen, fand aber auch Unterstützung – insbesondere durch enge Vertraute wie Günter Stein, den späteren Dekan Elektrotechnik – und bedingte die Aussetzung des Hausberufungsverbotes.
Gemeinsam mit seinen Prorektoren und dem Chemie-Professor Ulrich Ziegler als langjährigem Kanzler der HTWK wurden zahlreiche hochschulstrategische Projekte in Angriff genommen und erfolgreich bearbeitet. Bei der täglichen Arbeit in seinem Rektorat wurde er durch den auf dieser Leitungsebene höchst erfahrenen Referenten Jochen Staude unterstützt, der bereits für die THL-Rektoren Dietrich Balzer und Rolf Thiele tätig war.
Im Jahr 2003 hat der Gründungsrektor Klaus Steinbock nach 11 Jahren aus Altersgründen sein Amt an den Nachfolger Manfred Nietner (2003–2006) weitergegeben, danach wurde im Jahre 2006 Hubertus Milke als zweiter Nachfolger zum Rektor der HTWK Leipzig gewählt. Beide Nachfolger entwickelten jeweils eigene Vorstellungen für die weitere Perspektive der HTWK, aber sie konnten auch noch hochschulpolitische Projekte aus der Gründungszeit positiv abschließen und damit ursprüngliche Aufgabenstellungen aus dem Jahr 1992 erfüllen, beispielsweise:
Bei den Hochschulbauten konnte an der HTWK Leipzig kurzfristig ein neues Forschungszentrum auf dem Gebiet „Live Science“ eingerichtet werden. Das vom nachfolgenden Rektor Manfred Nietner geplante Medienzentrum und die Hochschulbibliothek wurden bautechnisch umgesetzt. Der Umbau der alten Bibliothek zum „Gutenbergbau“ und der Neubau des Fakultätsgebäudes für die Maschinen- und Energietechnik („Nieperbau“) wurden in der Amtszeit des Rektors Hubertus Milke vorbereitet.
Weiterhin wurde in der Amtszeit von Rektor Hubertus Milke
Verbunden war diese Entwicklung nach der Amtszeit von Klaus Steinbock u. a. auch mit einer starken Steigerung der Drittmitteleinnahmen, damit verknüpft auch die deutliche Steigerung des Drittmittelpersonals und der Doktoranden. Zu dieser Entwicklung hat nachhaltig beigetragen, dass während der Amtszeit von Klaus Steinbock im Frühjahr 1997 die Gründung des Forschungs- und Transferzentrums Leipzig e. V. (FTZ) an der HTWK erfolgen konnte. Seither entwickelt sich das FTZ erfolgreich und hat breite Anerkennung bei seinen Praxispartnern gefunden. Die Wahl von Siegfried Altmann zum ersten Wissenschaftlichen Direktor des FTZ war Ausdruck für seine Bemühungen um diese Gründung, in dieser Funktion wirkte er bis 2001. Inzwischen sind die beiden amtierenden Direktoren des FTZ Tilo Heimbold und Dirk Lippik bereits ehemalige Absolventen von Leipziger Hochschuleinrichtungen. Weiterhin ist Tilo Heimbold im Jahre 2004 als fachlicher Nachfolger auf die Professur von Klaus Steinbock berufen worden, nachdem dieser emeritiert wurde.
Der Anteil von ausländischen Studierenden und der Anteil von Studierenden aus den alten Bundesländern wurde ebenfalls während des Rektorats von Klaus Steinbock und auch danach deutlich gesteigert.
Frühzeitig erkannte der Gründungsrektor Steinbock, dass die Einbindung der neuen HTWK in das industrielle, wirtschaftliche und kulturelle Umfeld von maßgeblicher Bedeutung für die Hochschulperspektive sein wird. Seit 1994 engagierte er sich gemeinsam mit Siegfried Altmann auch bei der Gründung eines Fördervereins der HTWK und bei der Gründung der Hochschulzeitschrift „Podium“. Von 1997 bis 2005 war Altmann der erste Vorsitzende dieses Fördervereins. Als Nachfolger wurde Klaus-Peter Schulze gewählt, der dieses Amt im Jahre 2019 an Markus Krabbes übergeben hat. Zu den Mitgründern des Fördervereins gehörte auch Jochen Staude als langjähriger Referent des Rektors, der als Schriftführer des Vorstandes tätig war und für sein 25 Jahre währendes Wirken im Förderverein im Jahre 2020 mit der Albert-Geutebrück-Medaille der HTWK geehrt wurde.
Als eine traditionsbildende Maßnahme für die junge HTWK hat ihr Gründungsrektor Klaus Steinbock den Sitzungssaal des Senats mit "Leipziger Technikerporträts" schmücken lassen als ein Spezifikum dieser Hochschule, einer Galerie aus 17 eigens geschaffenen Ölgemälden des Radebeuler Künstlers Klaus H. Zürner. "Es ist dies ein Gebiet mehr, auf dem Professor Steinbock mit seiner in breiten Kreisen der Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft außerordentlich geschätzten und geachteten Persönlichkeit zum Wohle der HTWK Leipzig wirksam wurde" – urteilt sein Nachfolger im Rektorenamt Manfred Nietner.
Im Kreise der sächsischen Universitäts- und Hochschulrektoren entwickelte sich Klaus Steinbock zu einem angesehenen Repräsentanten, so dass er schließlich als Sprecher der Landeshochschulkonferenz wirksam wurde.
Nach 8 Jahren seit Gründung der HTWK veröffentlichte Steinbock über die erreichten Ergebnisse und Erfahrungen für einen Fachkreis eine positive Zwischenbilanz:
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Steinbock, Klaus |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Automatisierungsingenieur und Professor für Automatisierungstechnik, Gründungsrektor der HTWK Leipzig |
| GEBURTSDATUM | 20. Juni 1939 |
| GEBURTSORT | Leipzig |