Klepsau liegt am großen Nordbogen der Jagst zwischen Dörzbach und dem zentralen Krautheim, also fast an ihrem nördlichsten Punkt, in der hier sehr flachen und einen halben Kilometer breiten rechten Flussaue, vor den zulaufenden rechten Klingen des Talgrabens und des größeren, diesen zuletzt aufnehmenden Laibachs. Dieser mündet am östlichen Weichbildrand entlang in die Jagst, die hier selbst dicht am linken Talhangfuß vorbeifließt.
Der alte Ortskern liegt zwischen der Jagsttalstraße (L1025) in der Auenmitte und dem Ufer. Von einem Streichwehr in der Jagst geht ein rechtsseitiger Kanal an, an dem eine alte Mühle steht. Neuere Siedlungsteile gibt es nördlich der Straße und selbst noch auf dem untersten rechten Hang des Jagsttales. Von der Landesstraße geht nordostwärts die K2313 ab, die zum Dörzbacher Teilort Laibach im Laibachtal führt.
Im Jahre 1926 wurden in Klepsau Reste einer Siedlung gefunden, die ungefähr von 700 bis 600 v. Chr. bestand. Zwischen 1964 und 1976 wurde ein fränkischesReihengräberfeld aus der Merowingerzeit mit 66 Bestattungen (davon 19 „Adelsgräber“) ausgegraben. Das Gräberfeld weist eine Belegungsdauer von ca. 7 Generationen auf und ist in zwei Teile gegliedert, eine Nordgruppe und eine Südgruppe. In der Südgruppe finden sich die ältesten Bestattungen des Gräberfeldes, welche in die Mitte des 6. Jahrhunderts datieren. Deutlich zu erkennen sind die sozialen Unterschiede der Bestatteten im Gräberfeld. Der Münzentyp eines Pseudoimperial, welcher als „Typ Klepsau“ bezeichnet wird, wurde erstmals im Klepsauer Gräberfeld entdeckt. Diese Münzen fanden sich in Grab 4, dem Grab einer Frau. Grab 4 war sehr reich ausgestattet; so fanden sich neben den 6 Goldmünzen und einem ostgotischen Triens unter anderem ein silbervergoldetes Bügelfibelpaar, ein Holzeimer (bei welchem neben den Beschlägen aus Eisen und Bronze auch 13 Dauben aus Holz erhalten waren), ein Messer, bei welchem sich Gewebereste von der Scheide erhalten hatten, sowie ein Kästchen, welches zerbrochen war (Fundnummern 41–55). Der Grabkammer vorgelagert war eine weitere kleine Kammer, in welcher sich Speisebeigaben sowie ein Sturzbecher aus „gelb-olivgrünem“ Glas befanden. Insgesamt wurden für das Grab 62 Fundnummern vergeben.
Dem Knaben in Grab 13, welcher etwa 4 Jahre alt war, wurde ein Folienkreuz nach der Art eines Goldblattkreuzes mit ins Grab gegeben und ihm auf die Stirn gelegt. Das Kreuz ist jedoch nicht wie in der Regel aus Goldfolie, sondern aus Silberfolie gefertigt. Neben dem Kreuz, einem Tongefäß und einem Kamm, welcher durch seine besonders gute Erhaltung auffällt, wurde ihm eine komplette Waffenausstattung und ein Triens des ostgotischen Königs Athalarich mit ins Grab gegeben. Ursula Koch schließt aus der Beigabe des ostgotischen Triens und dem silbernen Folienkreuz, dass „ein enger Verwandter des adeligen Knaben (...) kurz vor dessen Tod aus Italien heimgekehrt “ war. Der Knabe aus Grab 13 ist für sie neben der Bestattung von Grab 4 mit den ebenfalls aus dem italienischen Raum stammenden Münzen sowie der Beigaben des Mannes aus Grab 6, welcher eine Fibel im Grab hatte, welche nördlich der Alpen untypisch ist, jedoch südlich der Alpen regelmäßig vorkommt. Auch hatte dieser ein Bronzebecken aus Italien sowie einen aus Byzanz stammenden Gewichtssatz in seinem Grab zu den Belegen zu zählen. Koch schließt daraus, dass die Männer aus dem Gräberfeld von Klepsau „eine Verpflichtung zu ganz bestimmten Aufgaben “ hatten, „die nach Aussage der Grabbeigaben eindeutig mit der Italienpolitik der Merowinger zusammenhingen. “
Kaisermänover 1909
Am 13. September 1909 war Klepsau Schauplatz des ersten Gefechts im Kaisermanöver 1909. Gemäß dem kurz zuvor erneuerten Exerzierreglement, ging die Kavallerie erstmals abgesessen und in Schützenlinie gegen den Übungsgegner in den Klepsauer Weinbergen vor.
Am 1. September 1971 wurde der vordem selbständige Ort in die Stadt Krautheim eingemeindet.
Der Großteil der Bevölkerung ist römisch-katholischen Glaubens.
Bereits im fränkischen Gräberfeld von Klepsau finden sich christliche Zeugnisse. So wurde einem etwa vierjährigen Knaben in Grab 13 ein Folienkreuz aus Silber mit ins Grab gegeben und auf die Stirn gelegt.
Weinbau
Seit Mitte des 13. Jahrhunderts wird in Klepsau Weinbau betrieben. Im Jahre 1950 wurde die Winzergenossenschaft „Bezirkskellerei Jagst“ gegründet, 1953 der Winzerkeller erbaut. Der Ort gehört zum Weinbaugebiet Baden. Heute wird auf ca. 36 Hektar Wein angebaut, die Becksteiner Winzer vermarkten die Erzeugnisse. Jährlich finden am Ort die Klepsauer Weintage statt.
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau, Hohenlohe-Kreis In:
Archäologisches Korrespondenzblatt, Mainz: LEIZA Verlag, 1971, 10(1980), 1, Seite 71–79, Taf. 11–14,
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, S. 125 ff. 234 f. Abb. 96 Taf. 2.
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, Fundnummern 6-11, S. 24
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, Fundnummer 12, S. 24
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, Fundnummer 3 und 4, S. 24 f.
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, Fundnummer 59, S. 25, 27
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, Fundnummer 33, S. 26 f.
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, S. 25, 27
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, S. 22
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, Fundnummer 61, S. 27
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990,S. 24-28
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, S. 47 f., 201, Tafel 16
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, S. 201 f.
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, Fundnummer 48, S. 48
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, Fundnummern 1-15, S. 48
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, Fundnummern 1-15, S. 249
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, S. 249
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, S. 28-35, Tafel 6
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, S. 250
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, S. 250
↑Ursula Koch: Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 38, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1990, S. 250
↑Frobel, Guido Karl Johann Joachim v. (Hrsg.):Von Löbell's Jahresberichte über das Heer- und Kriegswesen. Band36, Jg. 1909. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1910, S.306.