Klimt-Foundation

Gustav Klimt | Wien 1900-Privatstiftung
Rechtsform Kunststiftung
Gründung 2013
Gründerin Ursula Ucicky (Restitution des Klimt-Gemäldes Wasserschlangen II)
Sitz Wien-Neubau (⊙Koordinaten: 48° 12′ 11,6″ N, 16° 21′ 25,6″ O)
Schwerpunkt Gustav Klimt und das Wien der Belle Epoque
Vorsitz Peter Weinhäupl
Website klimt-foundation.com

Die Gustav Klimt | Wien 1900-Privatstiftung (Klimt-Foundation) wurde im September 2013 von Ursula Ucicky (1922–2025), Witwe des Filmregisseurs und unehelichen Klimt-Sohnes Gustav Ucicky (1899–1961), begründet und ist eine nach österreichischem Recht eingetragene Privatstiftung, die gemäß ihrer Stiftungssatzung gemeinnützige, kultur- und kunsthistorische, wissenschaftliche und ausbildende Zwecke verfolgt.

Geschichte

Gustav Ucicky gilt als der erste uneheliche Sohn von Gustav Klimt (1862–1918) und wurde als Kameramann und Filmregisseur bekannt. Seine Karriere verlief entlang der wichtigsten Meilensteine der österreichischen Filmgeschichte, von der k.u.k. Ära über NS-Propagandafilme bis in die Nachkriegszeit. Zeitlebens erwarb er Werke seines Vaters Gustav Klimt und kompensierte so vielleicht auch das in seiner Kindheit unzureichende Vater-Sohn-Verhältnis. Gustav Ucicky erwarb die Werke seiner Sammlung vermutlich ab Mitte der 1920er Jahre bis zum Ende der 1950er Jahre. Noch zu seinen Lebzeiten gelangten Werke im Rahmen eines Vergleichs in die Österreichische Galerie Belvedere. Gustav Ucicky starb 1961 und vermachte die privat verbliebene Kunstsammlung seiner dritten Frau Ursula.

2001 und 2004 wurden die dem Belvedere übereigneten Werke als entzogen im Sinne des Kunstrückgabegesetzes eingestuft und restituiert. 2013 vereinbarte Ursula Ucicky als Privatperson für Klimts Gemälde Wasserschlangen II gemäß den Washington Principles vom 3. Dezember 1998 einen Vergleich mit den Erben nach Jenny Steiner, der Erstbesitzerin des Bildes. Im selben Jahr gründete sie mit dem Erlös die Klimt-Foundation und brachte die in ihrem Besitz verbliebenen Gemälde und Zeichnungen in die Privatstiftung ein.

Aktivitäten und Organisation

Das Ziel der Stiftung ist, das Leben und Werk des Künstlers Gustav Klimt (1862–1918) und der in Wien um 1900 entstandenen und von Klimt geprägten Strömung des Jugendstils/der Klassischen Moderne zu bewahren, zu erforschen und in ihrer Bedeutung für die kulturelle Entwicklung Österreichs bis heute aufzuzeigen. Die in die Stiftung eingebrachten Kunstwerke werden der Öffentlichkeit im Rahmen von Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen zugänglich gemacht und wissenschaftlich erschlossen. In diesem Zusammenhang widmet sich die Stiftung besonders der Erforschung ihrer Provenienz, sowie, gemäß dem Stiftungszweck, der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Leben und Werk des Filmregisseurs Gustav Ucicky. Die Stiftung fungiert generell als unabhängige und interdisziplinär tätige Plattform zur Dokumentation der Epoche „Wien 1900“ und agiert als Leihgeber und Partner für Forschungs- und Ausstellungsprojekte.

Anlässlich ihres dreijährigen Bestehens hat die Klimt-Foundation als Betreiber des Gustav Klimt Zentrums bei der oberösterreichischen Autorin Clara Gallistl das Stück „Süße Wiener Dunkelheit / tiefheller See“ beauftragt. Der Titel des Monologes stellt die immer noch anziehende, besondere Emotion der kulturgeschichtlichen Epoche „Wien 1900“ neben das einzigartige Erleben der Seenlandschaft Attersee. Gustav Klimt und Emilie Flöge verewigten sich am 27. Juli und am 10. August 1900 im Gästebuch der Villa Paulick in Seewalchen am Attersee und waren seither gerngesehene Gäste in der historistischen Sommerfrische-Villa des k.u.k. Hoftischlermeisters Friedrich Paulick. Die Uraufführung der szenischen Lesung mit Schauspielerin Maxi Blaha fand am 3. September 2016 in dem einzigartigen, historischen Ambiente in der Villa Paulick in Seewalchen am Attersee statt und kommt auch 2017 wieder exklusiv in der Villa Paulick zur Aufführung. Im Stück wirft die gealterte Emilie Flöge, dargestellt von Schauspielerin Maxi Blaha, aus dem Wien der 1930er-Jahre einen sehnsuchtsvollen Blick zurück auf die Zeit der berühmten Sommerfrische und des Secessionismus, während sie heterosexuelle Begehrensstrukturen, geschlechtliche Arbeitsbedingungen und politische Implikationen ihres Schaffens kritisch reflektiert.

Vorstand

Zum Vorstand gehören Vorstandsvorsitzender Peter Weinhäupl, die Geschäftsführerin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende Sandra Tretter, sowie der Betriebswissenschaftler Hubert Weinhäupl. Die drei Vorstandsmitglieder wurden von Stiftungsgründerin Ursula Ucicky persönlich bestellt. Juristischer Berater ist Andreas Nödl. Eine im Juli 2014 erfolgte Parlamentarische Anfrage der Grünen wurde vom zuständigen Bundesminister beantwortet.

Die Sammlung

Das Sammlungsinventar der Klimt-Foundation umfasste bei Stiftungsgründung im September 2013 vier Ölgemälde und zehn Zeichnungen von Gustav Klimt, ein von Georg Klimt verfasstes Buch über das Leben der Familie Klimt sowie ein Konvolut an Korrespondenz zwischen Gustav Klimt und Maria Ucicka, der Mutter Gustav Ucickys. Dieser Bestand wird wissenschaftlich dokumentiert und beforscht. Die Ergebnisse wurden im ersten Band der Edition Klimt-Research der Klimt-Foundation publiziert. Die Stiftungssatzung ermöglicht es zudem, Werke als Schenkungen anzunehmen und ebensolche zur Bestandserweiterung anzukaufen. Dabei richtet sich der Fokus der Bestandserweiterung auf österreichische Kunst zwischen 1890 und 1918. Derzeit umfasst das Inventar der Klimt-Foundation rund 90 Objekte. Die Stiftung ist nicht gewinnorientiert und nicht gewerblich am Kunstmarkt tätig.

Forschung

Die Klimt-Foundation fungiert als unabhängige und interdisziplinär tätige Plattform zur Dokumentation der Epoche „Wien 1900“ und agiert als Leihgeber und Partner für Forschungs- und Ausstellungsprojekte.

Die Erforschung und Dokumentation der in die Stiftung eingebrachten Kunstwerke wird vorrangig behandelt. Vor diesem Hintergrund sollen in den kommenden Jahren folgende Projekte umgesetzt werden:

Kooperationen

Publikationen

Die Klimt-Foundation ediert seit Herbst 2014 zwei eigene Publikationsreihen – Edition Klimt und Edition Klimt-Research – zu internen Forschungsprojekten und externen Forschungskooperationen im Feld von Gustav Klimt, der Epoche „Wien 1900“ und im Kontext der Stifterin Ursula Ucicky und des Sammlers Gustav Ucicky.

Folgende Themenschwerpunkte sind in den Publikationsreihen der Stiftung bereits erschienen:

Edition Klimt

Edition Klimt-Research

Einzelnachweise

  1. ↑ Stiftungssitz, klimt-foundation.com
  2. 1 2 Organe der Stiftung, klimt-foundation.com
  3. ↑ Klimt-Foundation mit Werken aus der Sammlung von Gustav Ucicky gegründet, Presseaussendung, APA, OTS0104, 24. Sep. 2013.
  4. ↑ Klimt-Foundation gibt Team von Rechtsexperten bekannt, Presseaussendung, APA, OTS0164, 24. Jan. 2014
  5. ↑ Antwort von Josef Ostermayer
  6. ↑ Die Presse vom 5. Dezember 2014 https://diepresse.com/home/zeitgeschichte/4613236/Gustav-Ucicky_Ein-Konner-von-Goebbels-Gnaden
  7. ↑ ORF vom 19. November 2014 https://wien.orf.at/news/stories/2680136/
  8. ↑ Gedenkstätte Gustav Klimt (klimt.at)
  9. ↑ Gustav Klimt-Zentrum (Memento des Originals vom 2. März 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., auf attersee.salzkammergut.at