Das Kloster Alino »Christi Himmelfahrt« (bulgarisch Алински манастир »Възнесение Господне«) ist ein Mönchskloster im geistlichen Bezirk Samokow der Diözese Sofia der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche. Es ist auch unter dem Namen »Hl. Erlöser« (»Св. Спас«) bekannt. Seine Gründung erfolgte Ende des 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts. Die Klosterkirche ist speziell durch ihre aus der Gründungszeit erhaltenen Fresken kunstgeschichtlich von Bedeutung.
Es liegt per Luftlinie ca. 30 km südsüdöstlich des Zentrums von Sofia und 17 km nordöstlich von Samokow entfernt in der Oblast Sofia. Die Anlage befindet sich an der Südflanke des Plana-Gebirgszugs, eines Teils der Westlichen Sredna Gora. Sie ist am Fuße des Südwesthangs des Gipfels Kaleto (връх Калето) am linken Ufer des Flusses Manastirska (р. Манастирска) positioniert. Das zur Stadt Samokow gehörige Dorf Alino (с. Алино) ist per Luftlinie 5 km in Richtung Südwesten entfernt. Eine von dort zum Kloster führende Straße beginnt am nordwestlichen Ortsende. Sie verläuft westlich des Stausees Alino (Язовир Алино) und geht in einen Feldweg und schließlich in einen schwer befahrbaren Waldweg über. Die Entfernung beträgt ca. 7 km. Alternativ kann das Kloster über den rund 10 km langen, leichter zu befahrenden Weg vom Dorf Plana (с. Плана) nach Alino erreicht werden. 200 m nördlich des Klosters sind die Überreste der aus dem 11. bis 14. Jahrhundert stammenden Festung von Alino (Алинско Кале) erhalten.
Das Dorf Alino wurde in einem osmanischen Dokument aus dem Jahre 1576 erstmalig erwähnt. Ein Teil seiner Bürger war im Bergbau tätig. Das geförderte Erz brachte man zur Verhüttung nach Samokow, dem damaligen Zentrum der Eisenverarbeitung im Osmanischen Reich. Durch Spenden vieler Einwohner wurden die Mittel aufgebracht, um den Bau eines Klosters zu finanzieren. Dessen Gründung erfolgte Ende des 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts. Sein abgelegener Standort wurde bewusst gewählt, um Versuchen einer gewaltsamen Islamisierung seitens der osmanischen Obrigkeit zu entgehen. Diese resultierten Mitte des 17. Jahrhunderts in der Zerstörung von 218 Kirchen und 33 Klöstern im Gebiet zwischen Kostenez und dem heutigen Assenowgrad. Laut einer Stifterinschrift konnte die Ausschmückung des Innenraums der Klosterkirche mit Fresken im Jahr 1626 abgeschlossen werden.
Während der Zeit der osmanischen Herrschaft entwickelte sich das Kloster zu einem literarischen und kulturellen Zentrum von lokaler Bedeutung. Es beherbergte ein Skriptorium sowie eine Schule für Ikonenmaler. Um 1900 verfügte das Kloster über einen umfangreichen Immobilienbesitz und galt als wohlhabend. Später setzte jedoch eine lange Phase des Niedergangs ein. Heute existieren neben der Kirche nur noch zwei weitere Baulichkeiten.
Mit einem im Staatsanzeiger (Държавен Вестник, Dărschawen Westnik) Jahrgang 1972, № 9 veröffentlichten Dekret des Ministerrats erhielt die Kirche den Status eines historischen Kulturdenkmals von nationaler Bedeutung. 1987 wurde dieser Status der gesamten Klosteranlage zugesprochen.
Die Restauration der Klostergebäude wurde im Jahr 2016 begonnen und 2019 abgeschlossen. Das Fundament der Kirche wurde saniert und abgedichtet. Des Weiteren erfolgten eine Renovierung der Außenwände und eine Rekonstruktion des Dachs. Das Projekt war mit dem Nationalen Institut für unbewegliches Kulturerbe abgestimmt worden. Die nötigen finanziellen Mittel stellte das Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums (Програма за развитие на селските райони) zur Verfügung. Das verfallene Wohngebäude der Mönche wurde abgebrochen und an alter Stelle neu erbaut. Ebenso wurde eine baufällige Holzhütte gegenüber dem Wohngebäude 2019 rekonstruiert.
Nach langer Zeit ohne Mönche, ist das Kloster seit 2019 wieder aktiv.
Das Areal des Klosters hat die Form eines unregelmäßigen Rechtecks. Es umfasst eine große Wiese, die von einem Drahtzaun umschlossen ist. Da der von Alino nach Plana (с. Плана) führende Feldweg das Gelände durchquert, gibt es eine Einfahrt im Südwesten und eine im Nordosten. Die Klosterkirche als auch die Holzhütte liegen südlich des Weges. Das steinerne Wohngebäude der Mönche befindet sich auf dessen Nordseite. Es wurde auf dem L-förmigen Fundament des Vorgängergebäudes neu gebaut. Seine Mauern im Erdgeschoss bestehen aus Feldsteinen mit Lagen von Ziegeln. Das leicht auskragende Obergeschoss wurde dagegen aus Mauerwerk errichtet. Hier befindet sich eine Terrasse mit der Glocke des Klosters.
Die Klosterkirche ist eine geostete, einschiffige, kuppellose Kirche mit einer Apsis. Ihr Grundriss hat die Ausmaße von 5,50 × 9,50 m. Sie weist ein Tonnengewölbe auf. Eine Besonderheit ist die einzelne Seitenkonche (Chor) an der Nordwand. Dieses Detail unterscheidet sie von anderen, in dieser Zeit in Westbulgarien errichteten Kirchen. Der Dachsims ist gezackt und besteht aus vier Reihen von Ziegeln. Weder die Apsis noch die Nordkonche reichen bis an den Dachsims heran. Das Dach ist gerundet. An der Westseite formen die vorgezogenen Längswände (Anten) eine große Nische. Der Dachsims geht dort in einen Bogen über. Die Patronatsnische über dem Eingang zeigt das Außenfresko „Christus Pantokrator“. Es wurde 1850 von Kostadin "Kosta" Waljow (Костадин "Коста" Вальов) aus der Samokower Malschule gefertigt. Als Baumaterial für die Kirche kam Bruchstein zum Einsatz. Mit Ausnahme der Nische an der Westseite, sind alle Außenwände unverputzt. Kleine Fenster in der Süd- und Ostwand als auch in der Apsis und der Nordkonche sorgen für den Lichteinfall. In der Ostwand des Kircheninnenraums ist die Nische für die Proskomidie eingelassen.
Das wertvollste Kulturerbe stellen die Fresken im Altar- und Gemeinderaum (Naos) dar. Die Wandmalereien stammen aller Wahrscheinlichkeit nach von zwei bulgarischen Meistern. Die Fresken lassen erkennen, dass ihre Schöpfer unterschiedliche kreative Handschriften besaßen.
Die Apsiskalotte ist mit dem Fresko „Muttergottes Platytera“ geschmückt. Darunter folgt das Fries „Eucharistie“ („Евхаристия“), das die Kommunion der Apostel zeigt. An der Basis sind vier Kirchenväter dargestellt, der Hl. Gregor der Große, der Hl. Basilius der Große, der Hl. Johannes Chrysostomos sowie der Hl. Athanasius der Große. Nördlich der Apsis finden sich auf der Ostwand die Fresken „Hl. Dreifaltigkeit“ und „Gastmahl des Abraham“. Auf der Südseite liegt das Fresko „Verkündigung". In der Opfernische ist „Christus im Grabe“ („Христос в гроба“) dargestellt.
Das dominierende Element im Gewölbe bildet das Fresko „Christus Pantokator“. Es ist von Medaillons umgeben, die neben Erzengeln auch die Muttergottes und den Hl. Johannes den Täufer zeigen. In Richtung Westen schließen sich die Fresken „Christus Immanuel“ und „Verklärung Christi“ („Преображение Христово“) an. Bereits zum Altarraum gehört das Medaillon „Gottvater“ („Сабаот“, Zebaoth).
Für die Süd-, West- und Nordwand des Naos wählten die Maler eine Struktur, bei der im Basisbereich aufrecht stehende Heilige abgebildet sind. Darüber folgt ein Fries mit Heiligenbildern und -medaillons. Im oberen Bereich werden verschiedene Begebenheiten aus dem Neuen Testament gezeigt. An der Südwand befinden sich u. a. Bilder der Heiligen Theodor Tiro, Theodor Stratelates, Kosmas und Damian sowie Iwan Rilski. Darüber folgen Szenen aus dem Leben Jesu. Im Westen wurden die Fresken des Hl. Joachim von Osogowo, des Erzengels Michael und der Hll. Konstantin und Helena gefertigt. Über der Tür befindet sich das große Wandgemälde „Entschlafung Mariens“. Die Fresken an der Nordwand illustrieren die Passion und Auferstehung Jesu Christi.
Der Ikonostas wurde Mitte der 2020er Jahre mit Spendengeldern renoviert. Er enthält einige großformatige Ikonen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die u. a. Christus und die Muttergottes zeigen.
Das Patronatsfest des Klosters ist der auch als Spassowden (Спасовден) bezeichnete orthodoxe Himmelfahrtstag. In jedem Jahr begeht man diesen Tag mit einem Festgottesdienst. Gläubigen und Besuchern wird im Anschluss daran Kurban (Fleischsuppe) gereicht.
Koordinaten: 42° 26′ 22,9″ N, 23° 24′ 51,8″ O