
Das Stift Garsten ist eine ehemalige Benediktiner-Abtei in Garsten in Österreich. Heute befindet sich in den ehemaligen Klostergebäuden die Justizanstalt Garsten.

Das Kloster wurde 1082 durch Otakar II. als Hauskloster mit Grablege vorerst als Säkularkanonikerstift gegründet. Es diente den Traungauern neben der Styraburg als Angelpunkt ihrer Herrschaft.
Ab 1107 war es ein (von Göttweig abhängiges) Benediktinerpriorat und ab 1110/11 selbstständige Abtei im Bistum Passau. Diese Umwandlung geschah nicht reibungslos, da die Kanoniker von Graf Ottokar II. dazu gezwungen wurden. Einen widerspenstigen Kanoniker namens Eberhard ließ er einfach binden und so lange auspeitschen, bis sich dieser fügte.
Bekannt wurde das Stift durch seinen ersten Abt, Berthold von Garsten.
Bauliche Erneuerung erfolgte ab 1677 durch die Familie Carlone, die zunächst die Kirche neu errichtete und anschließend mit dem Neubau der Klosteranlage begann. Von 1708 bis 1726 wurde der Bau der Klosteranlage durch Jakob Prandtauer fortgeführt. Seit 1784 Kaiser Joseph II. die Diözese Passau zum Verzicht auf ihre Pfarren in Ober- und Niederösterreich zwang, gehörte es zur Diözese Linz.
1787 wurde die Abtei durch Kaiser Joseph II. aufgehoben.
Garsten war lange Zeit das religiöse, kulturelle und geistige Zentrum der Eisenwurzen. Teilweise erhalten sind die hochmittelalterlichen Traditionsbücher des Klosters, die knappe Aufzeichnungen zur Besitzgeschichte (etwa zur Übertragung von Grundstücken oder Personen), Schilderungen rechtlicher Auseinandersetzungen und historiographische Notizen vereinen.
Schon als Stiftungsausstattung erhielt es, wohl aus der Mitgift der Ehefrau des Gründers, Elisabeth, einer Tochter des Babenbergers Leopold II., bedeutenden Besitz im niederösterreichischen Traisen- und Gölsental. Die Steyrer Traungauer, die die Mark an der Mur erschlossen hatten, waren Anfang des 12. Jahrhunderts zunehmend in die Grazer Gegend übersiedelt und bildeten die heutige Steiermark. Nach 1138 vermachte Sophie, Witwe Leopold I. des Starken und Regentin für Ottokar (III. der Steiermark), die ganze Herrschaft Gaflenz, die als Morgengabe ihr Eigenbesitz geworden war, an das Kloster. Damit wurde Gaflenz, ursprünglich eine Filiale von Waidhofen an der Ybbs, in den Grenzen Neustiftergrabenbach/Bischofberg und Frenzbach zur Pfarre erhoben. 1151 tauschte Bischof Konrad I. von Passau seinen Zehentanspruch auf Gaflenz mit Garsten.

Zahlreiche Pfarren im Enns- und Steyrtal waren abhängig, so etwa Molln: Über dem Portal des 1734 fertiggestellten Pfarrhofes befinden sich die Wappen des Klosters Garsten und des Abtes Konstantin Muttersgleich. Der Einfluss reichte jedoch auch darüber hinaus: Seit 1163/67 war die Pfarrkirche St. Magdalena in Linz eine Garstner Eigenkirche. In Wien Nußdorf besaß das Kloster einen Weingarten und im nahen Heiligenstadt eine Badeanstalt.

Die Stiftskirche und heutige Pfarrkirche Garsten wurde von der Baumeisterfamilie Carlone erbaut und zählt zu den schönsten Bauwerken des Hochbarocks in Österreich. Hervorzuheben sind Stuckarbeiten und Gobelins niederländischer Herkunft, die in der Advent- und Fastenzeit mit den vom Kremser Schmidt gestalteten Fastentüchern verhängt werden. Sehenswert sind insbesondere die Losensteiner Kapelle (Grablege der Losensteiner), die Sakristei und der Sommerchor.

Im Zuge der Generalrenovierung der Kirche wurde auch die Berthold-Orgel erneuert. Vom alten Instrument konnten nur die beiden etwa 100 Jahre alten Orgelgehäuse von Franz Hölzl wiederverwendet werden. Alles andere wurde von Rudolf von Beckerath Orgelbau neu geplant und gebaut. Die Weihe der Berthold-Orgel am 8. Dezember 2009 bildete den Abschluss der umfangreichen Renovierung der Barockkirche.
Seit dem Jahr 1851 befindet sich in den Gebäuden des ehemaligen Stifts eine Strafvollzugsanstalt. Die Justizanstalt Garsten gehört zu den wenigen Gefängnissen in Österreich, in denen die lebenslange Freiheitsstrafe vollzogen wird. Die ehemalige Stiftskirche dient als Pfarrkirche.
Liste der Äbte von Garsten
Koordinaten: 48° 1′ 11″ N, 14° 24′ 37″ O