Kloster Ilanz

Blick auf das Kloster über Ilanz
Kloster Ilanz, Klosterkirche und Klausurtrakt im Winter
Das Kloster im Sommer
Klosterpforte
Portal zur Klosterkirche
Die Klosterkirche innen

Das Kloster Ilanz ist ein Dominikanerinnenkloster in der Gemeinde Ilanz/Glion im schweizerischen Kanton Graubünden. Der Multifunktionskomplex oberhalb von Ilanz auf der linken Rheinseite im Stadtteil Sank Niklaus (romanisch S. Clau) ist das Mutterhaus der Kongregation der Ilanzer Dominikanerinnen.

Geschichte

Die Gründer der Ilanzer Schwesterngemeinschaft

Gründer des Klosters Ilanz war der Bündner Johann Fidel Depuoz (* 1817 in Siat; † 1875 in Ilanz). Er trat im Jahr 1840 in den Jesuitenorden ein, wurde im Orden zum Theologen ausgebildet und zum Priester geweiht. Während 20 Jahren leistete Depuoz im Ausland Einsätze, u. a. in Savoyen, Maryland USA, Tronchiennes, Lüttich, Löwen, Münster, Süddeutschland, Solferino, Padua und Dubrovnik (damals Ragusa). Weil der Jesuitenorden in der Zwischenzeit in der Schweiz verboten war, verliess Depuoz im Jahr 1860 diesen Orden. Er wollte in seiner Heimat, der bündnerischen Surselva, die Bildung fördern und die soziale Not lindern. Zunächst promovierte er in Rom zum Doktor der Theologie. In den folgenden Jahren war er in Chur, in Schleuis-Löwenberg und schliesslich in Ilanz als Seelsorger, Lehrer, Erzieher und als Direktor seiner Gründung tätig.

Babette Gasteyer (* 1835 in Nastätten in Hessen-Nassau; † 1892 in Chur) wurde in Wiesbaden ausgebildet und war zunächst als Erzieherin an adligen Höfen in Deutschland, Österreich und Mähren tätig, z. T. auch als Krankenpflegerin. 1866 wurde sie von Johann Fidel Depuoz als Lehrerin angeworben. Als Ordensfrau gab sie sich den Namen Sr. Maria Theresia.

In den Jahren 1865–1868 gründete Depuoz – ab 1867 zusammen mit Sr. Maria Theresia Gasteyer – die Ilanzer Schwesterngemeinschaft, die Gesellschaft von der göttlichen Liebe auf privatrechtlicher Grundlage. Die Gemeinschaft eröffnete in Ilanz im Jahr 1865 die Institutsschule sowie 1868 das Spital Ilanz. Die Schule und das Spital hatten zum Ziel, die Bildung von Mädchen und Erwachsenen sowie die professionelle Behandlung von Kranken in der Surselva zu fördern. Nach dem Tod von Johann Fidel Depuoz im Jahr 1875 leitete Sr. Maria Theresia Gasteyer als erste Generaloberin die Gemeinschaft, zusammen mit wechselnden Direktoren. Die Zugehörigkeit der Ilanzer Schwesterngemeinschaft zum Dominikanerorden wurde bestimmt, als durch Vermittlung von Nationalrat Decurtins aus Trun ein Dominikaner die geistliche Leitung der Schwestern übernahm. Im Jahr 1894 wurde die Ilanzer Schwesterngemeinschaft schliesslich offiziell dem Dominikanerorden affiliiert.

Ausbreitung der Schwesterngemeinschaft

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts weitete die Ordensgemeinschaft ihre Tätigkeit kontinuierlich aus: In Ilanz betrieben die Dominikanerinnen neben der Institutsschule und dem Spital ab 1940 die Bündner Fachschule für Pflege sowie eine Bäuerinnenschule. Die Schwestern waren in Ilanz auch im Kindergarten und in der katholischen Primarschule tätig und hielten in der Pfarrei Katechese. In Chur betrieb die Schwesterngemeinschaft neben einer Sekundarschule auch eine Handelsschule. In vielen Orten Graubündens waren die Schwestern im Kindergarten tätig, in Sedrun und Trun auch in der Altenpflege und in Davos mit einem Erholungsheim. In den Schweizer Städten Fribourg, Basel und Zürich waren die Ilanzer Dominikanerinnen präsent, so betrieben sie in Zürich (später in Kilchberg) das Sanitasspital und die katholischen Kindergärten in verschiedenen Stadtzürcher Pfarreien (so in St. Peter und Paul, Herz Jesu Wiedikon, St. Josef und Erlöser). In Österreich waren die Ilanzer Dominikanerinnen u. a. in Schruns (landwirtschaftliche Schule und Spital) und Salzburg (Altenpflege) tätig. In Deutschland war die Gemeinschaft in Düsseldorf, Walberberg, Erkelenz und Schwichteler präsent. In Lindau (Bodensee) betrieben die Ilanzer Dominikanerinnen ein Altersheim und in Vechta arbeiteten sie in der Missionsprokur mit Druckerei sowie im Internat des Gymnasiums der Dominikaner. In Übersee erfolgte ab 1922 Missionsarbeit, so in Fukien (China), Brasilien und Taiwan.

Mit den gesellschaftlichen Veränderungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts änderten sich auch die Aufgaben der Ilanzer Dominikanerinnen. Einflussreiche Institutionen wurden der öffentlichen Hand übergeben, so in Ilanz im Jahr 1973 das Spital und die Bündner Fachschule für Pflege (letztere wurde vom Kanton Graubünden im Jahr 2011 aufgehoben).

Heutige Tätigkeit der Schwesterngemeinschaft

Die Ilanzer Dominikanerinnen sind mit rund 80 Schwestern (Stand 2025) in der Schweiz, Brasilien und Taiwan tätig. Die Gemeinschaft ist in Brasilien an fünf und in Taiwan an drei Standorten präsent. Sowohl in Brasilien als auch in Taiwan arbeiten die Ilanzer Dominikanerinnen in der Sozialarbeit und in der Seelsorge.

Als Dominikanerinnen sind die Schwestern überall, wo sie tätig sind, getragen durch die Kontemplation. Im gemeinschaftlichen Beten, beim Chorgebet und bei der Eucharistiefeier, in der persönlichen Meditation, im Studium der Heiligen Schrift und dem Austausch des Bibelwortes untereinander, ebenso wie in der apostolischen Tätigkeit, suchen sie im Licht der Wahrheit und der Barmherzigkeit zu wirken. Die Verkündigung des Evangeliums und das Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind eins und fordern sie als Einzelne und als Gemeinschaft heraus. Die Schwestern schärfen den Blick auf die Probleme der Zeit und orientieren sich stets neu. Insbesondere setzen sie sich auseinander mit der Globalisierung und ihren Folgen für die Menschen in der nahen und fernen Welt.

Biblische Erzählfiguren – Die Sünderin salbt Jesus von Nazareth

In Ilanz setzen die Schwestern vier Schwerpunkte. Der eine ist das Haus der Begegnung. Es wurde im Jahr 1990 von der Klostergemeinschaft in den Internatsräumen der ehemaligen Institutsschule Ilanz eröffnet. Es ist ein Tagungs- und Bildungshaus und bietet auch geistliche Begleitung und Exerzitien an. Ein zweiter Schwerpunkt des Klosters Ilanz besteht im Einsatz für soziale und religiöse Projekte in Übersee. Die Missionsprokur der Ilanzer Dominikanerinnen fördert vor allem Projekte der Mitschwestern in Brasilien und Taiwan. Ein dritter Schwerpunkt des Klosters Ilanz ist die Gebetsgemeinschaft Ehrenwache Mariens, die für sterbende Menschen betet. Der vierte Schwerpunkt ist das interne Alters- und Pflegeheim für die eigenen Schwestern, wo sie sich, zusammen mit den Mitarbeiterinnen, um die kranken und um die hochbetagten Schwestern kümmern. Auch das Haus der Begegnung und die Missionsprokur werden mitgetragen von engagierten Mitarbeitenden.

Die Entstehung der Biblischen Erzählfiguren 1964 im Kloster Ilanz

Die ersten biblischen Figuren – eine gestaltete Erzählfigur aus dem Bereich der Religionspädagogik – entwickelte Schwester Anita Derungs OP, eine Ordensfrau im Kloster Ilanz in den Sommerferien 1964. Sr. Anita war damals Erzieherin in Ilanz. Später wurden diese – benannt nach Primo und Doris Egli – auch unter dem Namen „Egli-Figuren“ bekannt.

Die Anregung zu den beweglichen Figuren kam von der damaligen Präsidentin des Müttervereins in Graubünden, Frau Fryberg-Candinas. Sie träumte von einer Weihnachtskrippe für die Familie mit beweglichen Figuren. Die biblischen Figuren entstanden also in der Tradition der weihnachtlichen Krippen.

Klosteranlage

Am Hang links des Rheins über Ilanz gelegen, wurde die Klosteranlage von Architekt Walter Moser, Zürich, erbaut. Der denkmalgeschützte Gebäudekomplex, erbaut 1969 – 75 unter dem Einfluss von Le Corbusiers Kloster La Tourette (1960), besteht aus dem eigentlichen Kloster samt der mittig angeordneten Klosterkirche und zwei Gebäudegruppen um je einen Innenhof: dem Haus der Begegnung und einer Schulanlage, die heute die Handelsschule Surselva beherbergt. Das Haus der Begegnung enthält neben Einzel- und Doppelzimmern Kursräume, einen Gastrobetrieb, einen Meditationsraum sowie eine Aula für bis zu 200 Personen. Der Gebäudekomplex gehört zu den «52 Besten Bauten» des Kantons Graubünden und wurde nach dem Bau eines eigenen Trinkwasserkraftwerkes im Jahre 2016 im Juni 2020 mit einer 1.000 m grossen Photovoltaik-Anlage auf den Dächern ausgestattet.

Klosterkirche

Die Mitte der Klosteranlage bildet die 300 Sitzplätze umfassende Klosterkirche. Architekt Walter Moser schuf eine meditative Kirche, die in ihrer «plastische Durchbildung der Kirchenmauern mit schachtartigen, frei angeordneten und farbig verglasten Fenstern wiederum deutlich von Le Corbusiers spektakulärer Kapelle von Ronchamp (1955) inspiriert ist.» Tageslicht fällt durch Fensteröffnungen unterschiedlicher Grösse und Höhe in die weisse Kirche. Die Sitzbänke sind im Halbkreis um den Altarbereich gruppiert, der um eine Stufe vom restlichen Kirchboden erhöht ist. Altar, Ambo, Tabernakel und Priestersedie wurden vom Zürcher Bildhauer Alfred Huber aus Cristallina-Marmor geschaffen. Im Altar ist ein Kelch als Relief angedeutet. Ein Arkadengang läuft entlang der Kirchenwand. An den zwölf Pfeilern des Arkadengangs sind die Apostelkerzen eingelassen, was auf die Bezeichnung der zwölf Apostel als Säulen der Kirche verweist. Die Decke der Kirche wurde von Max Rüedi mit „wellig bewegten Farbbändern“ bemalt. An der Frontwand der Kirche befindet sich in einer fensterartigen Öffnung ein Steinrelief von Alfred Huber, das Maria mit dem Jesuskind darstellt. Hinter diesem Relief befindet sich der Klausurbereich des Klosters. Auf der Rückseite dieses Reliefsteins ist der heilige Dominikus mit der Heiliggeisttaube abgebildet. Bekrönt wird die Klosterkirche von einem Dachreiter, in dem sich die Glocke befindet. Diese wurde von der Glockengiesserei H. Rüetschi, Aarau im Jahr 1969 auf den Ton c gegossen.

Glasfenster

Ein wesentliches Gestaltungsmerkmal der Klosterkirche sind die 12 Glasfenster, die vom Zürcher Künstler Max Rüedi geschaffen wurden.

Tabernakel im Licht der Glasfenster
Himmelfahrt
Pfingsten
Lebensstrom
Vollendung

„Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren
und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren“.

„Wann ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir,
wann ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür.
Wann mir am allerbängsten hier um das Herz wird sein.
so reiss mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.“
(Paul Gerhardt / O Haupt voll Blut und Wunden).

Mathis-Orgel von 1972

Orgel

An der Südwand der Kirche befindet sich die Orgel, die in drei Nischen in verschiedener Höhe in der Wand eingebaut wurde. Das Instrument wurde von Firma Mathis, Näfels, im Jahr 1972 geschaffen, für die Disposition verantwortlich war K. Kolly, Neuenhof. Die Traktur und Registratur erfolgt mechanisch, die Orgel besitzt eine Drehknopfkombination.

I Hauptwerk C–g3
Principal8′
Hohlflöte8′
Octave4′
Waldflöte2′
Mixtur III–IV1 1⁄3′
II Positiv C–g3
Gedackt8′
Rohrflöte4′
Principal2′
Larigot1 1⁄3′
Cimbel III1⁄2′
Pedal C–f1
Subbass16′
Praestantflöte8′
Choralbass4′

Meditationsraum im Haus der Begegnung

Die Wände und Fenster dieses Raumes wurden im Jahr 1990 von Max Rüedi gestaltet. Die beiden Wände sind gänzlich in den Farben des Regenbogens bemalt. Auf der grösseren Wand leuchten die Farben spiralförmig und in einer Fortsetzung andeutungsweise bogenartig, immer fliessend und zart. Auf der kleineren Wand schwebt eine grosse Wolke. Wenn die Regenbogenfarben an unser sinnliches Wahrnehmen appellieren, so meint wohl die Wolke das Gegenteil. „Beim Meditieren – dafür sind wir ja in diesem Raum – helfen uns Bilder, Farben, Formen. Die Wolke hingegen könnte die berühmte Wolke des Nichtwissens bedeuten, wo wir an unsere Grenzen stossen, wo wir keine Sprache mehr finden für unsere Erfahrung mit Gott. (Die Wolke des Nichtwissens ist der Titel eines anonym überlieferten Buches aus dem 14. Jahrhundert).“

Die Wolke zieht an der Fensterwand auf Glas weiter, und dazwischen erscheinen auch fünf der sieben Regenbogenfarben, kreisförmig und rechteckig. Die Wolke, über drei Fenster hinweggezogen, ist hier Teil des Themas der vordersten drei kleinen Fenster, nämlich Teil der Schöpfung. «Die Schöpfung sehen wir in Wasser und Luft – ineinander verwebt –, in der Blume samt Wurzel, dem Tier – halb Fisch, halb Säuger –, dem Kind und dem Vogel über die Erde springend und fliegend. Hier ist alles in Blau mit wenig Grauschwarz gehalten. Denn alles Lebendige lebt vom Wasser. Und doch, während wir uns wieder der Wand zukehren, spüren wir auch: „Am farbigen Abglanz haben wir das Leben“ (Goethe).»

Oratorium in der Klausur

Öffentlich nicht zugänglich ist das Oratorium im Klausurbereich. Die Glasfenster in diesem Raum wurden von Jacqueline und Alfred Gruber-Stieger, Basel gestaltet. Die Holzplastik für den Altar, der Tabernakel, das Marienpodest sowie die Gipsreliefs an Decke und Wänden stammen von Hans Christen, Basel.

Auszeichnungen

Literatur

Commons: Kloster Ilanz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Historische Begleiter. Babette Gasteyer - erste Generaloberin des Frauenklosters. In: museumregiunal.ch, 2019 (Archiv).
  2. ↑ Ilanzer Dominikanerinnen (Hrsg.): Konstitutionen der Kongregation der Ilanzer Dominikanerinnen vom heiligen Josef. S. 59–60.
  3. ↑ Website des Klosters Ilanz. Abgerufen am 4. April 2025.
  4. ↑ Website der Ilanzer Dominikanerinnen. Abgerufen am 1. März 2014.
  5. ↑ Ilanzer Dominikanerinnen (Hrsg.): Eine dominikanische Ordensgemeinschaft von Frauen. S. 6–11.
  6. ↑ Dominikanerinnenkloster Ilanz. (Memento des Originals vom 27. Juni 2023 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Webseite der «Kantonsbibliothek Graubünden», abgerufen am 15. Oktober 2023.
  7. ↑ Luftbild der Anlage., In: Webseite der Installationsfirma "Solpic AG", abgerufen am 15. Oktober 2023.
  8. ↑ Leza Dosch, Bernhard Furrer und Ludmila Seifert: Dominikanerinnenkloster, Ilanz., In: Baukultur Graubünden 1950–2000, Hrsg.: Bündner Heimatschutz, Hochparterre, 2020, Bildergalerie und Text, abgerufen am 15. Oktober 2023.
  9. ↑ Leza Dosch, Bernhard Furrer und Ludmila Seifert: Dominikanerinnenkloster, Ilanz., In: Baukultur Graubünden 1950–2000, Hrsg.: Bündner Heimatschutz, Hochparterre, 2020, Bildergalerie und Text, abgerufen am 15. Oktober 2023.
  10. 1 2 Louise Gnädinger in: Raphaela Gasser: Die Fenster in der Klosterkirche der Dominikanerinnen von Ilanz. S 49–51.
  11. ↑ Vgl. zum Folgenden: Raphaela Gasser: Die Glasfenster von Max Rüedi in der Klosterkirche der Dominikanerinnen von Ilanz. Ilanz 2014.
  12. 1 2 3 4 5 Raphaela Gasser: Die Glasfenster von Max Rüedi in der Klosterkirche der Dominikanerinnen von Ilanz. Ilanz 2014.
  13. 1 2 Raphaela Gasser: Meditationsraum im Haus der Begegnung. Ilanz 2014.
  14. ↑ 05 — Dominikanerinnenkloster, Ilanz : 52 Beste Bauten Graubünden. Abgerufen am 17. Mai 2024.

Koordinaten: 46° 46′ 38,7″ N, 9° 11′ 57,7″ O; CH1903: 734460 / 182202