
Knidos (altgriechisch Κνίδος (f. sg.), altgriechische Aussprache [knídos], neugriechische ; lateinisch Cnidus) ist eine antike Hafenstadt im Südwesten der Türkei.

Knidos liegt auf der Spitze der südwesttürkischen Datça-Halbinsel (seltener auch: Reşadiye-Halbinsel) etwa 35 km von Datça entfernt in der Provinz Muğla gegenüber der griechischen Insel Kos (türkisch Istanköy).
Ob Knidos seit seiner Gründung an der Spitze der Halbinsel lag oder erst in spätklassischer Zeit von der Mitte der Halbinsel beim heutigen Datça dorthin verlegt wurde, ist umstritten (vgl. Bankel, Blümel, Demand versus Bean-Cook und Berges).
Sklavinnen aus Knidos (ki-ni-di-ja) sind zu Beginn des 12. Jahrhunderts v. Chr. bereits in Linear-B-Dokumenten aus dem Palast des Nestor, im mykenischen Pylos, erwähnt. Ausgrabungen förderten minoische und jüngere mykenische Funde zu Tage. Es ist nicht geklärt, ob der Ort auch minoisch oder mykenisch besiedelt war.
Die Stadt war eine dorische (Neu-)Gründung und Mitglied der dorischen Pentapolis. Um 580 v. Chr. war die Stadt an der sizilischen Kolonisation und am Hellenion in Naukratis beteiligt; um 550 ließ die Stadt ein Schatzhaus in Delphi errichten. 540 eroberte der persische Feldherr Harpagos Knidos; die Stadt blieb unter persischer Herrschaft bis zum griechischen Sieg in den Schlachten von Mykale 479 und am Eurymedon 465. 477 wurde sie Mitglied im Attisch-Delischen Seebund, 412 erfolgte der Abfall zu Sparta, dann erneute Perserherrschaft. Um 394 besiegte der Athener Konon als persischer Admiral in der Schlacht von Knidos die spartanische Flotte. Im 3. Jahrhundert v. Chr. meist ptolemäisch, kam sie 190 unter rhodischen Einfluss; 167 wurde sie frei.
In der römischen Kaiserzeit gehörte Knidos zur Provinz Asia. 263–467 n. Chr. wird die Stadt immer wieder von starken Erdbeben heimgesucht. In der Spätantike war sie Bischofssitz und ist bis heute römisch-katholisches Titularbistum Cnidus. Mitte des 7. Jahrhunderts wurde die Stadt durch eine arabische Flotte zerstört.
Die Stadt war durch ihre Ärzteschule (deren Vertreter bereits in klassischer Zeit international bekannt und gesucht waren) berühmt. Die knidische Ärzteschule bzw. Medizinschule unterschied sich von der koischen, deren bekanntester Vertreter Hippokrates von Kos ist, in einem vor allem auf die Kunst der Ärzte statt auf die Heilkraft der Natur beruhendem Vertrauen. Ein Führer der knidischen Schule, zu der die Verwerfung von Aderlass und von übertriebenen Abführkuren gehörten, war Chrysippos von Knidos. Bekannt war Knidos auch durch ein Aphroditeheiligtum mit der Aphroditestatue des Praxiteles bekannt (Aphrodite von Knidos). Bei oder in der Stadt Knidos befand sich das Triopion, das dorische Bundesheiligtum.
Der Ort Knidos ist auch in der Bibel erwähnt. In der Apostelgeschichte 27, 7 berichtet der Verfasser Lukas über die vierte Missionsreise des Paulus folgendes: „Viele Tage lang machten wir nur wenig Fahrt und kamen mit Mühe bis auf die Höhe von Knidos. Dann zwang uns der Wind, den Kurs zu ändern.“
Knidos prägte bereits sehr früh eigene Münzen. Spätestens seit der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts wurden Obole und Drachmen aus Silber geprägt, die typischerweise einen Löwenkopf auf dem Avers und einen Aphroditekopf auf dem Revers zeigen. Diese frühen Münzen sind noch nicht beschriftet.
Koordinaten: 36° 41′ 9″ N, 27° 22′ 30″ O