Konrad Haebler

Konrad Haebler (* 29. Oktober 1857 in Dresden; † 13. Dezember 1946 in Wehlen) war ein deutscher Bibliothekar, Einbandforscher, Buchwissenschaftler und Fachmann für Inkunabeln und frühe Typographie.

Leben

Konrad Haebler studierte an der Universität Leipzig Sprachwissenschaften und promovierte dort 1882. Ab 1879 war er wissenschaftliche Hilfskraft an der königlichen öffentlichen Bibliothek in Dresden. Dort profilierte er sich als hervorragender Kenner der spanischen Geschichte und Literatur. Er selbst schrieb 1943 über den Ursprung seiner Affinität zu Spanien, dass er in den letzten Jahren seiner Gymnasialzeit eine junge Dame namens Carmen Dolores kennengelernt habe, an der sich seine Phantasie auf das heftigste beflügelt habe. Er unternahm mehrere Reisen auf die iberische Halbinsel, unter anderen 1889 im Gefolge des späteren Königs Friedrich August III., die er zu ausgiebigen Quellenstudien nutzte. Im Zuge seiner Beschäftigung mit der Wirtschaftsgeschichte Spaniens im 16. Jahrhundert begann er sich verstärkt für die Geschichte des Buchdrucks zu interessieren.

Ab 1898 war er für die Katalogisierung der Inkunabeln in Dresden zuständig, dabei verglich er zur exakten Bestimmung der Drucke die verwendeten Drucktypen. 1904 bis 1920 war er Vorsitzender der Kommission für den Gesamtkatalog der Wiegendrucke. Ab 1905 veröffentlichte er das Typenrepertorium der Wiegendrucke, welches bis heute Bedeutung hat.

„Haebler verzeichnete und beschrieb alle damals bekannten Drucktypen. Die methodische Neuerung Haeblers war eine Klassifizierung der Typen nach der Form der Majuskel M, für die er während seiner Arbeiten für das Typenrepertorium eine Übersichtstafel mit 101 verschiedenen Formen zusammenstellen konnte […]. Das zweite Klassifizierungsmerkmal war die auf die englischen Bibliographen Henry Bradshaw und Robert Proctor zurückgehende Bestimmung der Kegelhöhe der Typen, gemessen jeweils auf 20 Zeilen. Die Angabe von M-Form und Kegelhöhe ist bis heute das am weitesten verbreitete und bewährteste Klassifizierungsschema für Drucktypen der Inkunabelzeit. Durch die Typenbestimmung nach der Proctor-Haeblerschen Methode ist es möglich, auch für Inkunabeln ohne Impressum den Druckort, ihren Drucker oder das ungefähre Erscheinungsdatum zu bestimmen, indem die Typen mit jenen in lokalisierten bzw. firmierten und datierten Drucken verglichen werden.“

– TW – Typenrepertorium der Wiegendrucke

Ab 1907 war er an der Königlichen Bibliothek in Berlin beschäftigt und wurde dort 1914 Leiter der Handschriftenabteilung. Nach seiner Pensionierung 1921 widmete er sich weiter der buchwissenschaftlichen Forschung, unter anderem zu Bucheinbänden der Renaissance. Er gilt als einer der Begründer der Einbandforschung.

Ca. 1923 begann die Zusammenarbeit mit Ilse Schunke. Zusammen forschten und veröffentlichten sie zu Rollen- und Plattenstempel des XVI. Jahrhunderts, ein Grundlagenwerk der Einbandforschung. Ab 1925 war sein ständiger Wohnsitz wieder Dresden. Er beriet den Dresdner Bankier Victor von Klemperer (1876–1943) bei der Ausweitung seiner Inkunabelsammlung und der Erstellung von drei Sammlungskatalogen.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Literatur

Commons: Konrad Haebler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Konrad Haebler – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. Manfred Mühlner: Begeisterte Liebe für die Ersterzeugnisse der Buchkunst – Die Inkunabelsammlung Victor von Klemperers. In: Dresdner Hefte. 15. Jahrgang, Heft 49, 1/97, S. 55–60, S. 56.
  2. ↑ Manfred Mühlner: Begeisterte Liebe. S. 57–59.
Personendaten
NAME Haebler, Konrad
KURZBESCHREIBUNG deutscher Bibliothekar
GEBURTSDATUM 29. Oktober 1857
GEBURTSORT Dresden
STERBEDATUM 13. Dezember 1946
STERBEORT Stadt Wehlen