Konrad Tempel

Konrad Tempel (2012)

Konrad Tempel (* 31. Mai 1932 in Hamburg) ist Pädagoge, Quäker und Pazifist.

Beruf und Leben

Hans-Konrad Tempel, ab 1983 nur noch Konrad Tempel, absolvierte nach dem Abitur 1951 eine kaufmännische Lehre in einem Hamburger Zeitschriften-Verlag und studierte an der Universität Hamburg Pädagogik und Deutsch.

Von 1957 bis 1967 war er mit dem Schwerpunkt Sozialkunde/Politik in Hamburg als Volks- und Realschullehrer tätig. 1967 wurde er Abgeordneter Lehrer (Assistent) am Pädagogischen Institut der Universität Hamburg und wirkte ab 1968 als Seminarleiter für das Fach Politik und später als Hauptseminarleiter im Staatlichen Studienseminar Hamburg. Er war zuletzt bis zur Pensionierung 1995 Abteilungsleiter für Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen und Geschäftsführender Direktor. 1969–1983 hatte er einen Lehrauftrag für Politik-Didaktik an der Universität Hamburg.

Seit 1962 ist er mit Helga Tempel verheiratet und hat drei Kinder (* 1963, * 1965, * 1968). Gemeinsam sind sie in der Friedensbewegung für Gewaltfreiheit und gesellschaftliche Partizipation engagiert. Konrad Tempel geht es darum, andere in ihren jeweiligen Wegen zu bestärken und Mut zur Veränderung zu machen. Er gewann seine Maßstäbe durch die Ethik der Bergpredigt, das Demokratieverständnis Henry David Thoreaus, die chassidischen Erzählungen (Martin Buber) und die Praxis der Quäker. Durch die Quäkerspeisung konnten nach dem Ersten Weltkrieg viele Kinder in Deutschland vor den schädlichen Folgen von Unterernährung bewahrt werden. Die Religiöse Gesellschaft der Freunde (Quäker) ist für Konrad Tempel spirituelle Heimat geworden. Er war 1971–74 deren „Ko-Schreiber“ (Bundesvorsitzender) und 1976 bis 2005 Vorsitzender des Trägervereins der sozialen Jugendhilfe-Einrichtung „Die Quäker-Häuser“ in Buchholz / Lüneburger Heide. Er engagiert sich im Sinne der Quäker-„Friedenszeugnisse“ (“Pray-In” in Brunssum/NL vor dem NATO-Oberkommando, von ihm angeregt und mitorganisiert, Veröffentlichungen zur quäkerischen Friedenshaltung).

Kriegsdienstverweigerung und Protest gegen konventionelle und atomare Rüstung

Anfang 1952 trat Konrad Tempel der Internationale der Kriegsdienstgegner (IdK) bei, führte dort Kurse für die ersten deutschen Kriegsdienstverweigerer durch, vertrat sie vor den Prüfungsausschüssen in zwei Instanzen und war Mitglied im Bundesvorstand. Er war beteiligt an der Fusion mit der Gruppe der Wehrdienstverweigerer, Mitgründer des Verbands der Kriegsdienstverweigerer (VK) und war in dessen Bundesvorstand tätig.

Er bekam Kontakt zur britischen Friedens- und Anti-Atomwaffen-Bewegung (April Carter, Pat Arrowsmith), wurde Korrespondent der pazifistischen Wochenzeitung Peace News, (London) und lernte den damaligen Peace-News-Redakteur Gene Sharp kennen.

Tempel begründete den Hamburger Aktionskreis für Gewaltlosigkeit mit und leitete ab 1956 Kurse zur „Einübung in vernünftiges Konfliktverhalten“. An einem seiner Trainings für gewaltfreie Aktion nahmen 1961 zwei Studenten teil, der spätere Politikwissenschaftler Theodor Ebert, der dadurch zu seiner weiteren wissenschaftlichen Arbeit inspiriert wurde, und der US-Amerikaner David Hartsough, der 2002 zum Initiator der Nonviolent Peaceforce wurde. Tempel regte die erste deutsche (14-tägige) Mahnwache im Anschluss an die letzte große Kampf-dem-Atomtod-Kundgebung in Hamburg an, war Ende 1959 an einem täglichen Protest gegen französische Atomversuche in der Sahara beteiligt und engagierte sich Ende 1960 gegen den Bau des ersten norddeutschen Atomschutzbunkers in Hamburg-Altona (Aktion Maulwurf).

Er war 1960 Initiator des ersten deutschen Ostermarsches gegen Atomwaffen in Ost und West, einem Sternmarsch aus vier norddeutschen Städten, den er gemeinsam mit u. a. mit seiner Frau und Andreas Buro organisierte und für den er den Zukunftsforscher Robert Jungk gewann. Er fungierte bis 1964 als Sprecher der Ostermarsch-Bewegung bzw. Kampagne für Abrüstung.

Er nahm 1961 für mehrere Tage in der Deutschen Demokratischen Republik am Amerikanisch-Europäischen Marsch San Franzisko-Moskau für einseitige Abrüstung teil, für den er die deutschen Teilnehmer wie Reiner Steinweg vorbereitet hatte. Als 1962 in Beirut die Weltfriedensbrigade gegründet war (u. a. durch A. J. Muste, Bayard Rustin, Danilo Dolci, Andreas Buro, Helga Tempel), entwarf er einen Ausbildungsplan für die Freiwilligen.

Bemühungen um Konflikttransformation

Nach der Ankündigung der Entwicklung der Neutronenbombe Ende der 1970er Jahre begann die zweite Phase seines politischen Engagements:

Er unterzeichnete 1977 die Selbstverpflichtung von Ohne Rüstung Leben, Stuttgart: “Ich bin bereit, ohne den Schutz militärischer Rüstung zu leben. Ich will in unserem Staat dafür eintreten, dass Frieden ohne Waffen politisch entwickelt wird”. Außer im BSV und im forumZFD ist Konrad Tempel Mitglied in der Sozialdemokratischen Partei, SPD seit 1957 (vorher in der neutralistischen Gesamtdeutsche Volkspartei Gustav Heinemanns), im Arbeiter-Samariter-Bund, in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und im Internationalen Versöhnungsbund (IFOR).

Auszeichnungen

Werke

Commons: Konrad Tempel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Religiöse Gesellschaft der Freunde, “Dass man da wohnen möge”, Pyrmont 1986, S. 76; “Die Zukunft des Friedens – Eine Bilanz der Friedens- und Konfliktforschung”, Wiesbaden 2002, S. 372
  2. ↑ Wolfgang U. Eckart: Medizin und Krieg. Deutschland 1914-1924, Ferdinand Schöningh Verlag Paderborn 2014, S. 280+281, Quäkerspeisung für Kinder bebildert. ISBN 978-3-506-75677-0.
  3. ↑ Religiöse Gesellschaft der Freunde, „Dass man da wohnen möge“, Pyrmont 1986, S. 76
  4. ↑ Karl A. Otto, „Vom Ostermarsch zur APO – Geschichte der außerparlamentarischen Opposition 1960-70“, Frankfurt 1977, u. a. S. 70; Lübecker Nachrichten / Stormarner Nachrichten, „Marschieren für den Frieden“, 21. März 2008, S. 11
  5. ↑ Theodor Ebert: Auf der Suche nach einer gewaltfreien Alternative zur Bundeswehr. Erfahrungsbericht eines Friedensforschers, 2. November 2005
  6. ↑ Politik von unten – Zur Geschichte und Gegenwart der gewaltfreien Aktion, Zeitschrift Gewaltfreie Aktion, Sonderband 1997, S. 66ff
  7. ↑ Andreas Buro: Die Entstehung der Ostermarschbewegung als Beispiel für die Entfaltung von Massenlernprozessen, in Friedensanalysen, Schwerpunkt Friedensbewegung, Frankfurt 1977, S. 60ff; Westermanns Pädagogische Beiträge, „Friedenserziehung“, Braunschweig, 3/1982, S. 120ff; Norddeutscher Rundfunk, Ostermärsche gegen den Atomtod, NDR 3 Schulfunk Geschichte / 2. Halbjahr, Hamburg, 1982, S. 23ff; Hermes Handlexikon, Die Friedensbewegung, 1983, S. 296; Der Spiegel, Kinder des Lichts, Kinder der Finsternis, Nr. 42, 17. Oktober 1983; Lübecker Nachrichten / Stormarner Nachrichten Marschieren für den Frieden, 21. März 2008, S. 11; Welt am Sonntag 50 Jahre Ostermarsch, 4. April 2010, S. 8; Hamburger Abendblatt, Magazin, Links, links, zwo drei vier, 3. April 2010, S. VII
  8. ↑ http://www.nato-tribunal.de/narr.htm
  9. ↑ www.forum-recht-online.de/hp/pdf/Hefte/FoR0903_092_thurn.pdf (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2018. Suche im Internet Archive)
  10. ↑ http://www.ag-friedensforschung.de/presse/2001-03-06.html
  11. ↑ PreisträgerInnen seit 1987 (Memento vom 12. Februar 2013 im Webarchiv archive.today)
  12. ↑ http://www.humanistische-union.de/?id=682
  13. ↑ Zeitschrift Antimilitarismus-Information: Verweigern Sie Ihre weitere Beteiligung an diesem Krieg! (PDF; 76 kB)
Personendaten
NAME Tempel, Konrad
ALTERNATIVNAMEN Tempel, Hans-Konrad
KURZBESCHREIBUNG deutscher Pädagoge
GEBURTSDATUM 31. Mai 1932
GEBURTSORT Hamburg