Der Kresnik-Preis (slow. Kresnikova nagrada, Nagrada kresnik) ist ein slowenischer Literaturpreis, der jährlich für den besten Roman des Vorjahres verliehen wird. Der Name entstammt dem Termin der Preisverleihung, die immer am Abend des Tags der Sommersonnenwende (slow. kresni večer) stattfindet.
Zum Preis
Der Kresnik-Preis wurde erstmals auf Anregung des Autors Vlado Žabot im Jahr 1991 vom Slowenischen Schriftstellerverband (Društvo slovenskih pisateljev) verliehen; seit 2003 wird er von der Tageszeitung Delo vergeben, die den Preis beim staatlichen Amt für geistiges Eigentum (Urad RS za intelektualno lastnino) als Markennamen registrieren ließ.
In die Auswahl kommen Originalwerke in slowenischer Sprache, die von Verlagen in Slowenien oder im Ausland bzw. im Selbstverlag erschienen. Ausgezeichnet wird jeweils der beste slowenische Roman des Vorjahres. Die ursprünglich fünf- bis siebenköpfige, heute vierköpfige Jury setzt sich aus Kritikern, Autoren und Literaturwissenschaftlern zusammen und wird auf zwei Jahre (mit der Möglichkeit, den Zeitraum zu verlängern) bestellt. Wegen der steigenden Zahl an Einreichungen wird seit 2003 die Nominierung von Halbfinalisten vorgenommen, aus denen schließlich fünf Finalisten hervorgehen, die im Vorfeld der Preisverleihung bekannt gegeben werden. Die Veröffentlichung des Preisträgers erfolgt im Rahmen der Verleihung auf dem Rožnik-Hügel in Ljubljana. Sowohl die Auszeichnung selbst als auch die Nominierung sind mit hohem Prestige verbunden und werden im Rahmen der Promotionstätigkeit der slowenischen Verlage im Ausland entsprechend wahrgenommen. Der Kresnik-Preis gilt als einer der wichtigsten Literaturpreise in Slowenien.
2016 wurde der beste slowenische Roman der letzten 25 Jahre ausgezeichnet: Die Wahl für diesen „Kresnik aller Kresniks“ (Kresnik vseh Kresnikov) fiel auf Lojze Kovačič‘ Roman Kristalni čas (Die kristallene Zeit). In die engere Auswahl kamen Drago Jančar mit Katarina, pav in jezuit (dt. Übersetzung Katharina, der Pfau und der Jesuit) und To noč sem jo videl (dt. Übersetzung Die Nacht, als ich sie sah), Lojze Kovačič' Otroške stvari (Kindersachen) und Goran Vojnović' Čefurji raus! (dt. Übersetzung Tschefuren raus!).
Preisträger
1991 Lojze Kovačič, Kristalni čas [Die kristallene Zeit]
1992 Feri Lainšček, Namesto koga roža cveti (dt. Halgato: Lacki roma – statt zu leben. Aus dem Slowenischen von Andreja Haberl-Zemljič. Klagenfurt/Celovec, Ljubljana/Laibach, Wien/Dunaj: Hermagoras/Mohorjeva 1994)
2001 Drago Jančar, Katarina, pav in jezuit (dt. Katharina, der Pfau und der Jesuit. Aus dem Slowenischen von Klaus Detlef Olof. Wien, Bozen: Folio 2007)
2005 Alojz Rebula, Nokturno za Primorsko (dt. Nocturno für das Küstenland. Aus dem Slowenischen von Vinko Ošlak in Tim Oliver Wüster. Klagenfurt, Wien: Kitab 2007)
2006 Milan Dekleva, Zmagoslavje podgan [Triumph der Ratten]
2007 Feri Lainšček, Muriša [Muriša]
2008 Štefan Kardoš, Rizling polka [Die Riesling-Polka]
2009 Goran Vojnović, Čefurji raus! (dt. Tschefuren raus!: oder warum ich wieder mal zu Fuß bis in den zehnten Stock musste. Aus dem Slowenischen von Klaus Detlef Olof. Wien, Bozen: Folio 2021)
2011 Drago Jančar, To noč sem jo videl (dt. Die Nacht, als ich sie sah. Aus dem Slowenischen von Daniela Kocmut und Klaus Detlef Olof. Wien, Bozen: Folio 2015)
2012 Andrej Skubic, Koliko si moja (dt. Wie viel von dir gehört mir? Aus dem Slowenischen von Erwin Köstler. Klagenfurt/Celovec: Drava 2015)
2013 Goran Vojnović, Jugoslavija, moja dežela (dt. Vaters Land. Aus dem Slowenischen von Klaus Detlef Olof. Wien, Bozen: Folio 2016)
2014 Davorin Lenko, Telesa v temi [Körper im Dunkeln]
2015 Andrej E. Skubic, Samo pridi domov [Aber komm heim]
2022 Roman Rozina, Sto let slepote [Hundert Jahre Blindheit]
2023 Lado KraljNe bom se več drsal na bajerju [Ich werde nicht mehr auf dem Teich eislaufen]
Literatur
Martina Trabesinger: Slowenische Literaturpreise und deren Vergabekriterien. Klagenfurt, Alpen-Adria-Univ., Dipl.-Arb. 2011.
Urška Perenič, Miran Hladnik: Processing literary prizes. Between cultural ritual and scholarly objectivization. In: Slovene studies. Journal of the Society for Slovene Studies 34/1-2 (2012), str. 39-54.