
Das Kulturebenen-Modell des US-amerikanischen Organisationspsychologen Edgar Schein ist ein Modell zur Beschreibung der Organisationskultur. Differenzierter als das Kulturtypologie-Modell von Deal und Kennedy ist Edgar Scheins Ansatz mit drei Ebenen von Kulturphänomenen in Organisationen. E. Schein definiert Kultur als
“[…] a pattern of basic assumptions – invented, discovered, or developed by a given group as it learns to cope with its problems of external adaption and internal integration – that has worked well enough to be considered valid and, therefore, to be taught to new members as the correct way to perceive, think, and feel in relation to those problems”
„Ein Muster grundlegender Annahmen – erfunden, entdeckt oder entwickelt von einer vorgegebenen Gruppe, während diese lernt mit den Problemen der externen Adaption und internen Integration umzugehen – die gut genug funktionierten, um [von dieser Gruppe] als gültig angesehen zu werden, und die deshalb neuen Mitgliedern vermittelt werden als richtige Methode der Wahrnehmung, des Denkens und des Fühlens bezüglich dieser Probleme.“
Es ist dieses Muster von Grundannahmen, die E. Schein als Kultur beschreibt.
Im Scheinschen Modell umfassen Kulturen sowohl Orientierungsmuster und Programme, als auch sichtbare Vermittlungsmechanismen und Ausdrucksformen. Dem kulturellen Kern (der dritten Ebene) nähert sich E. Schein dabei einem in der Kulturanthropologie entlehnten Verfahren durch einen Interpretationsprozess der sichtbaren (ersten Ebene) und gefühlten (zweiten Ebene) Elemente an.
Die Anthropologen Clyde Kluckhohn und Fred L. Strodtbeck identifizierten fünf Kulturdimensionen, d. h. grundlegenden Orientierungen, in denen sich die Grundannahmen einer Kultur manifestieren.
| Orientierung | Ausprägungen | ||
|---|---|---|---|
| Natur des Menschen | schlecht | gemischt | gut |
| veränderbar/unveränderbar | |||
| Beziehung zur Natur | Unterordnung | Harmonie | Dominanz |
| Beziehung zu anderen Menschen | hierarchisch (lineare Gruppen) |
kollateral (kollaterale Gruppen) |
individualistisch (Individuen) |
| Zeitorientierung des Menschen | Vergangenheit (traditionell) |
Gegenwart | Zukunft (innovativ) |
| Aktivität des Menschen | sein | kontrollieren | handeln |
| Darstellung der Kulturdimensionen in Anlehnung an Kluckhohn und Strodtbeck | |||
Richard Mead weist darauf hin, dass dieses Schema auch zur Charakterisierung von Unternehmenskulturen verwendet werden kann. Nach diesen fünf Dimensionen können also die Basisannahmen der dritten Ebene eingeordnet werden:
Aus diesen fünf Elementen wird eine einheitliche Gestalt (Psychologie) konstruiert, so dass die analytischen Grenzen verschwimmen und eine einheitliche Weltanschauung geformt wird. Diese Weltanschauung wird konkretisiert in Wertvorstellungen und Verhaltensstandards, welche nach E. Schein auf der mittleren Ebene des Modells angeordnet sind. Auch wenn diese Standards meist ungeschrieben sind, werden sie heute in der Folge von Peters und Watermans Search for Excellence schriftlich gefasst und als Managementphilosophie oder Unternehmensleitbild ausformuliert, was allerdings häufig eher Wunschvorstellungen als reale Erkenntnisse repräsentiert.
Diese unbewussten, unsichtbaren Annahmen und Standards werden auf der obersten Ebene in Symbolen und Zeichen wiedergegeben. Hier sind die Elemente der Kultur zu finden, deren Aufgabe darin besteht, sich selbst zu repräsentieren (Kleidung, Sprache, Begrüßung von Fremden, Architektur, Logo, Schwarzes Brett usw.) und zu vermitteln. Mit Hilfe dieser Elemente werden neue Mitglieder in die Organisation eingeführt und mit ihr vertraut gemacht. Hierzu gehören auch die Erzählungen und Mythen über Firmenhelden (z. B. die Gründer) und -bösewichte (z. B. geschasste Manager) sowie Rituale wie Unternehmensversammlung, Weihnachtsfeiern, Abteilungsausflug oder auch nur „das Bierchen nach der Schicht“. Der Brite Gerry Johnson beschreibt Unternehmenskultur daher als ein Kulturnetz, in dem die genannten Elemente untereinander verwoben sind.