Kunsu Shim

Kunsu Shim (2019)

Koreanische Schreibweise
Hangeul 심근수
Revidierte
Romanisierung
Sim Geon-su
McCune-
Reischauer
Sim Kŏnsu

Kunsu Shim (* 15. September 1958 in Busan, Südkorea) ist ein zeitgenössischer Komponist und Performance-Künstler.

Leben und Werk

Shim studierte Komposition an der Yonsei-Universität in Seoul bei Inyong La (1979–83). 1985 kam er nach Deutschland, wo er 1987–88 bei Helmut Lachenmann in Stuttgart Komposition studierte. Ein Studium in Essen bei Nicolaus A. Huber schloss sich an (1990–92). Auf Anregung Hubers machte sich Shim mit den verschiedensten aktuellen Strömungen in der Musik, insbesondere aus den USA, vertraut und komponierte sein erstes Orchesterwerk orchester in stereo mit fünf sinustönen (1990), das sich eine Musik ohne subjektiven Ausdruck zum Ziel setzte. Das Ensemblestück for violins and players, im Anschluss an orchester in stereo geschrieben, erhielt 1992 den Kompositionspreis beim Forum junger Komponisten des WDR. Weitere Auszeichnungen der folgenden Jahre umfassten Einladungen als Artist in Residence nach Djerassi/Kalifornien (1993), Akiyodashi/Japan (1994), zur Ragdale Foundation/Illinois (1995), nach Schreyahn/Niedersachen (1996–97) und an das Museum of Contemporary Arts/Chicago (1998) sowie ein Stipendium der Akademie der Künste Berlin (1998). 2003 erhielt Kunsu Shim das renommierte Genko Uchida Fellowship.

Prägend ist seit Beginn der 1990er Jahre die Zusammenarbeit mit dem deutschen Komponisten Gerhard Stäbler, die vom originären Konzept der PerformanceMusik bis hin zu gemeinsamen Kompositionen reicht. Ab 1992 beteiligte sich Kunsu Shim als Mit-Organisator im Projekt AKTIVE MUSIK im Ruhrgebiet, das von Stäbler und Igor Popovich initiiert worden war. Mit der Komponistengruppe wandelweiser, der Shim von 1994 bis 2000 angehörte, verbanden ihn zunächst gemeinsame Grundorientierungen wie Stille und Einfachheit. Durch die intensive Zusammenarbeit mit Stäbler bewegten sich Shims Sichtweisen und Aktivitäten jedoch in eine andere Richtung – insbesondere in Bezug auf die gesellschaftliche Rolle der Künste.

Im Jahr 2000 gründete Shim mit Gerhard Stäbler auf Einladung des Lehmbruck Museum den Veranstaltungsort „EarPort“ am Innenhafen Duisburg, wo beide bis 2010 über hunderte Konzerte und Workshops veranstalteten. Seit der Wiedereröffnung im Herbst 2015 leiten Shim und Stäbler den EarPort weiterhin als Ort für experimentelle Musik und Begegnung zwischen den Künsten. Außerdem leitete er zusammen mit Gerhard Stäbler zahlreiche Projekte und Konzertreihen, darunter CAGE 100 (ein Projekt der Tonhalle Düsseldorf 2012), die Winterakademie für junge Komponisten in Düsseldorf und Duisburg (2014–2020), die Konzertreihe Natürlich schön! (mit Interaktionen zwischen alter und neuer Musik) im Schloss Benrath und das koreanisch-deutsche Projekt Trialog (seit 2009).

Konzerte, Portraits sowie Gastvorlesungen und Workshops führten Shim als Komponist, Performance-Künstler und Dozent in viele Länder Europas, in die USA (u. a. Universitäten von North Texas/Denton, Chicago und Evanston), nach Australien, Nord- und Südamerika (2022 Gastprofessor an der Universidad de la Républica de Uruguay in Montevideo) sowie in den Nahen und Fernen Osten. Aus Shim und Stäblers Aufenthalten an der Künstlerresidenz der Kunststiftung NRW in Istanbul 2022 und 2023 entwickelten sich enge Beziehungen zum Museum ARTER.

Zu den bedeutenden Kompositionsaufträgen, die an Shim ergingen, zählen after a hundred years für Sopran und Orchester (Auftrag der Essener Philharmonie, 2011), das Orchesterwerk and here again – eine Perlenlandschaft (Auftrag der Würzburger Philharmoniker und der Kunststiftung NRW, 2014), sowie wolken.blindenschrift für Sopran, Vokalensemble und Orchester (Auftrag der Diözese Würzburg für den Kiliansdom zu Würzburg, 2016). Im Auftrag der Kunststiftung NRW entstanden die Ensemblewerke leise, frei (2018) und Kleines, Fernes (2022), das Streichquartett luft.inneres (2019) sowie zum deutschlandweiten Beethoven-Jubiläum BTHVN2020 das Orchesterwerk von hier fort? und die Performance ...öffnete plötzlich die augen mit Beethoven-Sinfonien für mehrere Plattenspieler. Seit Das Andere, Inneres für Klaviere mit Tasten- und Saitenspieler erkundet Shim grundlegend neue Möglichkeiten der Klavierkomposition.

Kunsu Shim ist heute deutscher Staatsbürger und hat seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland. Mit seinen fotografischen Arbeiten und Installationen prägt er zudem bis heute nicht nur das visuelle Erscheinungsbild des EarPort, sondern hat „inzwischen auch als Installations- und Fotokünstler ein authentisches und originelles Werk entwickelt“ (C. Brockhaus). 2025 wurde der Vorlass von Stäbler und Shim – mit Kompositionen und einer umfangreichen Sammlung von Dokumenten – dem Rheinischen Musikarchiv unter der Ägide des Heinrich-Heine-Instituts Düsseldorf angegliedert.

Werkauswahl

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Christoph Brockhaus: Drei Aspekte der Zusammenarbeit von Gerhard Stäbler und Kunsu Shim mit dem Lehmbruck Museum in Duisburg 1997–2010. In: Elisabeth von Leliwa (Hrsg.): Dazwischen. Die Zusammenarbeit der Komponisten Kunsu Shim und Gerhard Stäbler. Are Verlag/Kunsthalle Düsseldorf, Bochum 2022, ISBN 978-3-924522-86-5, S. 109–110.
  2. ↑ Earport.Startseite. in: www.earport.de, abgerufen am 20. Januar 2017.
  3. ↑ Trialog. Music, Video, Performance by Kyungwoo Chun, Kunsu Shim and Gerhard Stäbler. Abgerufen am 30. Juli 2026.
  4. ↑ GOOD-BYE PARADISE? PerformanceSpiele zur Ausstellung „THIS PLAY“ am 27. Januar 2023 im ARTER MUSEUM, Istanbul. In: kunsu-shim.de. Abgerufen am 30. Juli 2026.
  5. ↑ Musikoriginale im Fokus. In: Landeshauptstadt Düsseldorf. 17. September 2025, abgerufen am 30. Juli 2026.
Personendaten
NAME Shim, Kunsu
ALTERNATIVNAMEN 심건수 (koreanisch, Hangeul); Sim, Geon-su (Revidierte Romanisierung); Sim, Kŏnsu (McCune-Reischauer)
KURZBESCHREIBUNG südkoreanisch-deutscher zeitgenössischer Komponist
GEBURTSDATUM 15. September 1958
GEBURTSORT Busan, Südkorea