Kurator

Das Wort Kurator stammt ab vom lateinischen Wort curator (‚Pfleger‘, ‚Vertreter‘ oder ‚Vormund‘) sowie von curare (‚Sorge tragen‘, ‚sorgen um‘). Das verwandte Wort Kuratorium (ein Kurator ist das Mitglied eines Kuratoriums) kann auch eine Aufsichtsbehörde, einen Verwaltungsrat, einen Hochschulrat oder (i. d. R.) einen Stiftungsrat bezeichnen.

‚Kuratieren‘ im übertragenen Sinne bedeutet die Auswahl, Bewertung und Präsentation von Informationen oder Inhalten, um sie für ein bestimmtes Publikum oder einen bestimmten Zweck zugänglich und relevant zu machen. Diese Praxis findet sich beispielsweise in Bereichen wie Journalismus, Inhalten (Wissenskuratierung) oder Bildung.

Römisches Reich

Im altrömischen Recht entstand die cura (auch: curatio) als Pflegegewalt über Geisteskranke (furiosi). Es handelte sich damit um Personen, die geschäfts- sowie deliktsunfähig waren. Aufgrund ihrer Handlungsunfähigkeit standen sie zur Zwölftafelzeit unter der gesetzlich angeordneten Vollgewalt eines Kurators (XII Tafeln, 5, 7a). Dieser wurde regelmäßig aus dem Kreis der nächsten Agnaten bestimmt, und soweit nicht vorhanden, aus dem Kreis der entfernteren Gentilen. Neben dem Tatbestand der Geisteskrankheit, kannte die Kodifikation auch den der Verschwendungssucht (XII Tafeln, 5, 7c). Ein Kurator wurde dem prodigus zur Seite gestellt, der ererbtes Familienvermögen verschleuderte. Allerdings war eine magistratische Entscheidung notwendig, damit der curator prodigi tätig werden konnte. Das antike römische Recht unterschied zwei Fremdbestimmungsformen, denn neben der Pflegesorge (cura) gab es die echte Vormundschaft (tutela). Letztere hatte aber den Charakter einer Ausnahmeregelung, denn sie durfte nur bedarfsbezogen und grundsätzlich temporär eingesetzt werden.

Historisch war der Curator rei publicae (so beispielsweise der Prokurator) im Römischen Reich ein außerordentlicher (weltlicher oder geistlicher) Amtsträger.

Neuzeit

‚Massekurator‘ war eine historische Bezeichnung für einen Konkursverwalter. Seit dem 18. Jahrhundert wurde der Begriff des Kurators für einen Verwalter einer privaten Kunstsammlung gebraucht. Mit dem Aufkommen großer Museen wie dem Louvre kam Museumskuratoren die Aufgabe zu, die unkommentierte, ungeordnete oder rein chronologische Aufstellung oder Aufhängung der Kunstwerke zu ordnen und die Werke zu katalogisieren. Durch den Wandel des Ausstellungswesens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden auch technische und Handelsmessen sowie Weltausstellungen immer häufiger von Generalbevollmächtigten kuratiert, die sich von den wirtschaftlichen Zwecken abkoppelten und zur Ikonisierung und „Selbsttheatralisierung“ neigten.

Aktuell wird der Begriff des Kurators (und der seiner Tätigkeit, des Kuratierens) auf immer mehr Bereiche ausgedehnt. Das entspricht einer gesellschaftlichen Tendenz oder Notwendigkeit zum Vermitteln und Erklären des nicht mehr Selbstverständlichen und der Vorherrschaft des Diskursiven gegenüber der unmittelbaren ästhetischen Erfahrung.

Kuratoren in der zeitgenössischen Kunst

Die Rolle der Kuratoren ist in den letzten Jahrzehnten immer bedeutender geworden. Die Arrangeure von Ausstellungen beschränken sich nicht mehr auf die bloße Auswahl der Künstler und die Kombination von Kunstwerken, sondern sehen ihre Tätigkeit als ebenso kreativ an wie diejenige der von ihnen Kuratierten. Indem sie „innovative“ Ausstellungsformate schaffen, laden sie die Kunstwerke durch diese neue Form der „Rahmung“ mit zusätzlichem Kontext und mit Konzepten auf, die aus den Werken selbst nicht hervorgehen. Zu diesem äußerlichen Rahmen gehört z. B. auch die Biographie des Künstlers.

Dieser Trend wird von dem kanadischen Kunstkritiker David Balzer als Curationism (‚Kurationismus‘) kritisiert und mit dem Aufstieg der abstrakten Kunst, vor allem aber der Concept Art sowie mit dem wachsenden Einfluss der Hochfinanz auf die Kunst in Verbindung gebracht. Der Kurationismus werde begünstigt durch den Trend zu einer immer kontextärmeren Kunst, die Tom Wolfe 1975 in seinem Buch The Painted Word beschrieben hat: Zuerst verschwand der erzählende Realismus des 19. Jahrhunderts, dann verschwanden nacheinander die Aussagekraft des Bildgegenstands, die dritte Dimension des Bildes (im abstrakten Expressionismus), der Pinselduktus, die Sichtbarkeit der Pigmente und die Vielfalt der Farben, schließlich die Komplexität des Bildaufbaus. Am Ende stand die Konzeptkunst mit ihren rein theoretischen und daher erklärungsbedürftigen Kunstwerken. Erst durch das Kuratieren – das Verb To curate erscheint 2011 erstmals im Oxford English Dictionary – werden heute die Bedeutung und der (auch monetäre) Wert dieser Kunstwerke deutlich. Es handele sich um eine Form des supercharging, der „Über-Aufladung“ mit Bedeutsamkeit von außen. Der Aufstieg von Star-Kuratoren wie Hans Ulrich Obrist und das Anheuern von prominenten Gastkuratoren für Veranstaltungen zeige, wie weit sich deren Tätigkeit von der des früher eher passiven Kurators, der sammelte, ordnete und katalogisierte, entfernt hat; die heutige Tätigkeit habe eher mit Projektmanagement, Branding und den Einsatz kreativer kuratorischer Vermittlungsmethoden im medialen Wettbewerb um Aufmerksamkeit zu tun. Freiberufliche Kuratoren werden immer häufiger, was dem kreativen und einmaligen Veranstaltungscharakter der Ausstellungen Rechnung tragen soll.

Auch die menschliche Alltagswelt werde immer stärker kuratiert, was durch die Übertragung der sehr speziellen Positionsbezeichnung auf das immer häufiger verwendete Verb deutlich wird. Durch das Internet könne jeder heute zum Kurator seines Blogs, seiner Playlist oder seiner Fotos werden, wobei er immer stärker dem Zwang einer perfekten Außendarstellung unterliege. So näherten sich Kunstwelten und Alltag einander an.

Wissenskuratierung

Der Begriff Kuratierung wird auch im übertragenen Sinne verwendet. Einer ist die Wissenskuratierung. Er bezeichnet den Prozess der Auswahl, Bewertung und Präsentation von Wissen aus unterschiedlichen Quellen, um es für bestimmte Zielgruppen nutzbar zu machen. Wissenskuratierung unterscheidet sich von der reinen Wissenssammlung dadurch, dass sie nicht nur vorhandenes Wissen speichert, sondern dieses auch in einen Kontext stellt, bewertet und für die jeweilige Nutzung aufbereitet. Die zunehmende Informationsflut und Verfügbarkeit großer Datenmengen macht eine Wissenskuratierung notwendig. Sie trägt dazu bei, relevante Inhalte aus der Masse herauszufiltern, Wissen nachhaltig zu sichern und zielgerichtet bereitzustellen.

Wissenskuratierung spielt auch eine zentrale Rolle bei der Erstellung, Bewertung und Nutzung von Texten, die von künstlicher Intelligenz (KI) generiert werden. Sie beeinflusst sowohl die Qualität der Ausgangsdaten als auch die Nachbearbeitung und Einordnung der KI-Texte einschließlich der Prüfung auf Richtigkeit.

Es werden auch KI-basierte Hilfsmittel eingesetzt, um Wissen strukturiert darzustellen und Forscher bei der Suche nach relevanten Informationen und deren Analyse zu unterstützen, beispielsweise Open Research Knowledge Graph vom Leibnitz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Partnern. Am Ende tragen die Forschenden die Verantwortung für die generierten Texte und die daraus resultierenden Ergebnisse und Schlussfolgerungen. Diese Wissensgraphen vereinen menschliche und maschinelle Intelligenz, indem Menschen das Wissen erstellen, kuratieren und validieren, welches in den Strukturen des Wissensgraphen für Maschinen verständlich und interpretierbar wird. Maschinen wird es so möglich, komplexere Fragen zu bearbeiten und entsprechende Antworten zu liefern.

Literatur

Wiktionary: Kurator – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ KuratorInnen (2): Haben Sie heute schon kuratiert? 18. März 2015, abgerufen am 11. Mai 2025.
  2. ↑ Vermutung nach Ulpian, Digesten 26, 10, 1, 5.
  3. ↑ Max Kaser: Das Römische Privatrecht. (= Handbuch der Altertumswissenschaft. Abteilung 10: Rechtsgeschichte des Altertums. Band 3.3.1: Das altrömische, das vorklassische und klassische Recht). C.H.Beck, München 1955, 2. Auflage 1971. Erster Abschnitt. § 20, S. 74–81 (hier 75 und 80 f.)
  4. ↑ Vgl. hierzu Ernst Levy, Studi in onore di Silvio Perozzi nel XL anno del suo insegnamento, in Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte (Romanistische Abteilung), Band 46, Heft 1, 1926. S. 413–424 (423).
  5. ↑ Kurator, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 406.
  6. ↑ Ulrike Felber Rapp, Elke Krasny, Christian Rapp: smart exports: Österreich auf den Weltausstellungen 1851-2000. Wien 2000, ISBN 978-3-85498-068-1.
  7. ↑ Florian Neuner: Der Siegeszug des Diskursiven in der Neuen Musik: Alle wollen Kuratoren sein auf deutschlandfunkkultur.de, 30. Juli 2019
  8. ↑ Jan-Tillmann Rierl: Erweiterter Kuratierungsbegriff und bibliothekarische Praxis. In: Ders.: Bibliotheken als Orte kuratorischer Praxis. De Gruyter Saur, Berlin / Boston 2020, S. 7–40. DOI:10.1515/9783110673722-002
  9. ↑ Beschreibung des Studienganges Kulturen des Kuratierens an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, abgerufen am 7. Juli 2020
  10. ↑ Praktika im Studiengang Kunstwissenschaften der Universität Duisburg-Essen, abgerufen am 7. Juli 2025
  11. ↑ F. Neuner 2019
  12. ↑ Wie du die richtigen Spotify Playlist Kuratoren für deine Musik findest auf imusician.pro, abgerufen am 7. Juli 2022
  13. ↑ Alexander Estis: Kunst und Kuratieren: Der endgültige Sieg des Rahmens über das Werk auf deutschlandfunkkultur.de, 7. Juli 2022
  14. ↑ Tom Wolfe: The Painted Word. Farrar, Straus & Giroux, 1975. ISBN 0-553-27379-5.
  15. ↑ Kurator – KURATOREN.ORG. Archiviert vom Original am 20. Juni 2025; abgerufen am 13. September 2026.
  16. ↑ David Balzer: Curationism: How Curating Took Over the Art World and Everything Else. Pluto Press 2015, ISBN 978-0-745-33597-1.
  17. ↑ Klaus Lenk u. a.: Wissensmanagement in Staat und Verwaltung. Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 2021, ISBN 978-3-8487-8055-6 (nomos-elibrary.de [abgerufen am 10. Mai 2025]).
  18. ↑ Wissen kuratieren - Dictionary. In: minicoursegenerator.com. Archiviert vom Original am 26. April 2025; abgerufen am 13. September 2026.
  19. ↑ Oliver Karras, Anna-Lena Lorenz, Sören Auer: Chancen einer KI-gestützten Wissenschaft. In: forschung-und-lehre.de. 26. September 2024, abgerufen am 13. September 2026.