Kurt Freyer wurde im Mai 1885 in der ostpreußischen Stadt Darkehmen geboren. Seine Eltern waren der Geheime Medizinalrat und praktische Arzt Moritz Freyer (1849–1916) und seine Ehefrau Therese, geb. Russack (1858–1929). Er wuchs mit drei Geschwistern auf, darunter der Verleger Erich Freyer (1886–1967) und die Kunsthandwerkerin und Puppenmacherin Käte Baer-Freyer (1895–1988).
Von November 1912 bis März 1914 war er als Volontär Assistent von Max Sauerlandt am Museum für Kunst und Kunstgewerbe in Halle (Saale) tätig und wechselte am 1. April 1914 als Assistent von Ernst Sauermann an das Kunstgewerbemuseum in Flensburg. Nach dem Kriegsdienst bewarb er sich 1920 als Sauermanns Nachfolger, als Jude und als Marxist war er jedoch chancenlos. Freyer ging nach Berlin und wurde 1923 Mitinhaber des Antiquariats Utopia, Berlin, das sich u.a. auf Miniaturbücher spezialisiert hatte.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte er im März 1933 zunächst nach Amsterdam. Von dort reiste er 1937 mit seiner Frau und der jüngsten der drei gemeinsamen Töchter weiter nach Palästina, wo die beiden älteren Töchter bereits lebten. Die Familie schloss sich der Kibbuzbewegung an und zählte zu den Gründern des Kibbuz Kfar Szold im Norden von Galiläa.
In den 1940er Jahren wurde Kurt Freyer in Tel Aviv Mitglied einer illegalen kommunistischen Parteizelle und eines deutschsprachigen „Kreises für fortschrittliche Kultur“ und hielt Vorträge über marxistische Theorie, die gesellschaftliche Funktion von Kunst und politische Aspekte der Literaturgeschichte. Für die Festschrift zum 80. Geburtstag des Philosophen Georg Lukács schrieb er 1965 einen Aufsatz Der Aufstieg der Vernunft.
Kurt Freyer starb einen Tag vor Vollendung seines 88. Lebensjahres am 24. Mai 1973 im Kibbuz Kfar Szold.
Schriften (Auswahl)
Katalog der vom Mannheimer Altertumsverein anlässlich seines 50jährigen Jubiläums ... veranstalteten Ausstellung von Werken der Kleinen Porträtkunst und Kunstgewerblichen Erzeugnissen aus der Zeit von 1700-1850, Altertumsverein, Mannheim 1909 (149 S.)
Führer durch die Sammlung neuerer Gemälde und Bildwerke. Hrsg.: Städtisches Museum für Kunst und Kunstgewerbe Halle an der Saale. Halle (Saale), Gebauer-Schwetschke. 1913. 80 S. Mit Werken von Emil Nolde, Max Slevogt, Theo von Brockhusen, Waldemar Rösler, Max Beckmann, Lovis Corinth u. a.
Neuzeitliche Geschäftsankündigungen. In: Schleswig-Holsteinischer Kunstkalender (1913), S. 30–33 (doi:10.11588/diglit.22172.10).
Schleswig-Holsteinische Graphiker. In: Schleswig-Holsteinischer Kunstkalender (1915), S. 38–49 (Digitalisat).
Über gotische Truhen in Norddeutschland. In: Kunst und Kunsthandwerk. Monatsschrift. Bd. 18 (1915), Heft 7 und 8, S. 400–415. (Digitalisat).
Neuzeitliche Geschäftsankündigungen. In: Schleswig-Holsteinischer Kunstkalender (1916), S. 30–33 (Digitalisat).
Der Bildhauer Ernst Barlach. In: Schleswig-Holsteinischer Kunstkalender (1916), S. 50–59 (Digitalisat).
Das Kreismuseum zu Hadersleben. In: Schleswig-Holsteinisches Jahrbuch (1918/1919), S. 19–22.
Nordschleswigsche Malerei. In: Schleswig-Holsteinischer Kunstkalender (1920), S. 43–53.
Spinoza, Führer der Irrenden. Gedenkschrift anläßlich der 250. Wiederkehr des Todestages Spinozas 21. Februar 1927. Horodisch & Marx, Berlin 1927.
Der Aufstieg der Vernunft, in: Frank Benseler (Hrsg.): Festschrift zum achtzigsten Geburtstag von Georg Lukács, Neuwied-Bonn 1965, S. 211–236.
Literatur
Freyer, Kurt, in: Ulrike Wendland: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil. Leben und Werk der unter dem Nationalsozialismus verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler. Saur, München 1999, S. 159 f.
Freyer, Kurt, in: Joseph Walk: Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. Saur, München 1988, ISBN 3-598-10477-4, S. 102.
Freyer, Kurt. In: Ernst Fischer: Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933: Ein biographisches Handbuch. Verband Deutscher Antiquare, Elbingen 2011, S. 83.
Rainer Stamm: Vom Folkwang zur Moritzburg. Kurt Freyer als Noldes Herold in Hagen und Halle. In: Emil Nolde. Farben heiß und heilig. Ausst.-Kat. Stiftung Moritzburg Halle 2013, S. 57–61.
12Standesamt Mannheim, Heiratsregister-Eintrag Nr. 1339 vom 11. November 1911; eingesehen auf ancestry.de am 7. Dezember 2025.
↑Freyer, Erich. In: Ernst Fischer: Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933: Ein biographisches Handbuch. Verband Deutscher Antiquare, Elbingen 2011, S. 82f.
↑Ulrich Schulte-Wülwer: Die Barlach Rezeption in Flensburg, in: Elisabeth Laur und Volker Probst (Hrsg.): Ernst Barlach, Wege und Wandlungen, Flensburg/Ribe 2002, S. 89 f.