Kurt Walenta wurde 1927 als Sohn von Eduard Walenta und dessen Frau Maria, geb. Rott, in Prag geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er an der Technischen Hochschule Stuttgart, der späteren Universität Stuttgart, Geologie und Mineralogie und legte hier 1953 auch sein Diplom ab. Im Jahre 1956 wurde er ebenfalls in Stuttgart mit einer von Franz Kirchheimer angeregten Arbeit über „Die antimonerzführenden Gänge des Schwarzwaldes“ an der Fakultät für Natur- und Geisteswissenschaften zum Doctor philosophiae promoviert. Anschließend wurde er Assistent am neubegründeten Institut für Mineralogie und Kristallchemie der Universität Stuttgart. Im Jahre 1962 habilitierte er sich mit einer Arbeit über die Kenntnis seltener Arsenatmineralien unter besonderer Berücksichtigung von Vorkommen des Schwarzwaldes. Im Jahre 1967 wurde Walenta zum Wissenschaftlichen Rat und ein Jahr später zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Von 1972 bis 1994 war er Direktor des Instituts für Mineralogie und Kristallchemie der Universität Stuttgart. Im Jahre 1994 wurde er emeritiert.
Am 19. November 2021 ist Kurt Walenta, der seit 1956 mit Marianne Bleicken verheiratet und Vater zweier Kinder war, in Stuttgart gestorben.
Seine Forschungsgebiete waren:
die spezielle Mineralogie und die Lagerstättenkunde
Sekundärminerale, insbesondere Arsenatminerale aus Lagerstätten und Vorkommen im Schwarzwald
Erzminerale, insbesondere Uranminerale des Schwarzwaldes
Lagerstätten im mediterranen Raum
Walentas Hauptaugenmerk galt dem Schwarzwald, wo ihm durch zahlreiche Neu- und Erstbeschreibungen entscheidende Beiträge zur regionalen Mineralogie gelangen. Die fruchtbare Zusammenarbeit mit Sammlern war wechselseitig – er leistete oft und gern Hilfestellung bei Bestimmungen und erhielt auf diese Weise interessantes Material, welches häufig die Grundlage seiner Mineral-Erstbeschreibungen bildete. Sein diesbezügliches Hauptwerk ist das Buch Die Mineralien des Schwarzwaldes und ihre Fundstellen.
Walenta ist Autor von mehreren hundert Veröffentlichungen über neue Minerale, ihre Mineralogie, Kristallographie und Kristallchemie. Durch die ihm zugeschriebene Beteiligung an der Erstbeschreibung von 55 Mineralen ist Kurt Walenta der mit weitem Abstand produktivste und erfolgreichste Erstbeschreiber von Mineralen in Deutschland – noch vor August Breithaupt, dem bereits im 19. Jahrhundert über 40 Erstbeschreibungen gelangen.
Zu den von Walenta und Kollegen erstbeschrieben Mineralen zählen:
Ihm zu Ehren und aufgrund seiner bedeutenden Beiträge zur Mineralogie von Arsenaten und Phosphaten insbesondere aus dem Schwarzwald benannten Pete J. Dunn, Donald R. Peacor, Willard L. Roberts, Thomas J. Campbell und Robert A. Ramik im Jahre 1988 ein auf Material aus dem Pegmatit der White Elephant Mine am Cicero Peak bei Pringle im Custer Mining District, Custer County im Bundesstaat South Dakota der Vereinigten Staaten neu entdecktes Calcium-Eisen-Arsenat-Phosphat als Walentait. Auch die Bezeichnungen für Natrowalentait und die die Minerale Walentait, Natrowalentait, Halilsarpit und Alcantarillait umfassende Walentait-Gruppe beziehen sich auf Kurt Walenta.
Schriften (Auswahl)
Kurt Walenta:Die antimonerzführenden Gänge des Schwarzwaldes (Dissertation aus dem Geologisch-Paläontologischen Institut der Technischen Hochschule Stuttgart). In: Mitteilungen aus dem Geologisch-Paläontologischen Institut der Technischen Hochschule Stuttgart N. F. (=Jahreshefte des geologischen Landesamtes in Baden-Württemberg. Band2). Band66, 1957, S.13–67.
Kurt Walenta:Beiträge zur Kenntnis seltener Arsenatmineralien unter besonderer Berücksichtigung von Vorkommen des Schwarzwaldes (zugleich Habilitationsschrift aus dem Geologisch-Paläontologischen Institut der Technischen Hochschule Stuttgart). In: Tschermaks Mineralogische und Petrographische Mittheilungen. Band9, 1964, S.111–174, doi:10.1007/BF01127780 (1. Teil: Zeunerit und Meta-Zeunerit, Novacekit I, Novacekit II und Meta-Novacekit, Meta-Kirchheimerit und Meta-Kahlerit, außerdem die beiden auf künstlichem Wege dargestellten höheren Hydrationsstufen der beiden letztgenannten Glieder, Kirchheimerit und Kahlerit).
Kurt Walenta:Beiträge zur Kenntnis seltener Arsenatmineralien unter besonderer Berücksichtigung von Vorkommen des Schwarzwaldes (zugleich Habilitationsschrift aus dem Geologisch-Paläontologischen Institut der Technischen Hochschule Stuttgart). In: Tschermaks Mineralogische und Petrographische Mittheilungen. Band9, Nr.3, 1965, S.252–282, doi:10.1007/BF01128088 (2. Teil: Uranospinit, Meta-Uranospinit, Heinrichit und Meta-Heinrichit).
Kurt Walenta:Beiträge zur Kenntnis seltener Arsenatmineralien unter besonderer Berücksichtigung von Vorkommen des Schwarzwaldes (zugleich Habilitationsschrift aus dem Geologisch-Paläontologischen Institut der Technischen Hochschule Stuttgart). In: Tschermaks Mineralogische und Petrographische Mittheilungen. Band11, 1966, S.121–164, doi:10.1007/BF01127708 (3. Teil: Aluminium- und Eisenarsenate; Minerale der Beudantit-Crandallitgruppe sowie der Pharmakosideritgruppe).
Kurt Walenta:Mineralien aus dem Schwarzwald: die im Schwarzwald auftretenden Mineralien und ihre Vorkommen; ein Handbuch für den Sammler. 1. Auflage. Franckh, Stuttgart 1979, ISBN 3-440-04713-X, S.1–127.
Kurt Walenta:Die Mineralien des Schwarzwaldes und ihre Fundstellen. 1. Auflage. Christian Weise, München 1992, ISBN 3-921656-24-9, S.1–336.
Literatur
Ulrich Kull:Geschichte der Geo- und Biowissenschaften. In: Johannes H. Voigt (Hrsg.): Festschrift zum hundertfünfzigjährigen Bestehen der Universität Stuttgart. 1. Auflage. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979, ISBN 3-421-01937-1, S.277–329, doi:10.18419/opus-2248 (Download verfügbar bei researchgate.net[PDF; 22,6MB; abgerufen am 23.September 2024]).
Weblinks
Walentaite In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (englisch).
Natrowalentaite In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (englisch).
Walentaite Group In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (englisch).
World Biographical Encyclopedia:Kurt Walenta.In:prabook.com.Abgerufen am 23.September 2024(englisch).
Einzelnachweise
1234World Biographical Encyclopedia:Kurt Walenta.In:prabook.com.Abgerufen am 23.September 2024(englisch).
123Ulrich Kull:Geschichte der Geo- und Biowissenschaften. In: Johannes H. Voigt (Hrsg.): Festschrift zum hundertfünfzigjährigen Bestehen der Universität Stuttgart. 1. Auflage. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979, ISBN 3-421-01937-1, S.277–329, doi:10.18419/opus-2248 (Download verfügbar bei researchgate.net[PDF; 22,6MB; abgerufen am 23.September 2024]).
↑Kurt Walenta:Die antimonerzführenden Gänge des Schwarzwaldes (Dissertation aus dem Geologisch-Paläontologischen Institut der Technischen Hochschule Stuttgart). In: Mitteilungen aus dem Geologisch-Paläontologischen Institut der Technischen Hochschule Stuttgart N. F. (=Jahreshefte des geologischen Landesamtes in Baden-Württemberg. Band2). Band66, 1957, S.13–67.
↑Kurt Walenta:Beiträge zur Kenntnis seltener Arsenatmineralien unter besonderer Berücksichtigung von Vorkommen des Schwarzwaldes (zugleich Habilitationsschrift aus dem Geologisch-Paläontologischen Institut der Technischen Hochschule Stuttgart). In: Tschermaks Mineralogische und Petrographische Mittheilungen. Band9, 1964, S.111–174, doi:10.1007/BF01127780 (1. Teil: Zeunerit und Meta-Zeunerit, Novacekit I, Novacekit II und Meta-Novacekit, Meta-Kirchheimerit und Meta-Kahlerit, außerdem die beiden auf künstlichem Wege dargestellten höheren Hydrationsstufen der beiden letztgenannten Glieder, Kirchheimerit und Kahlerit).
↑Kurt Walenta:Beiträge zur Kenntnis seltener Arsenatmineralien unter besonderer Berücksichtigung von Vorkommen des Schwarzwaldes (zugleich Habilitationsschrift aus dem Geologisch-Paläontologischen Institut der Technischen Hochschule Stuttgart). In: Tschermaks Mineralogische und Petrographische Mittheilungen. Band9, Nr.3, 1965, S.252–282, doi:10.1007/BF01128088 (2. Teil: Uranospinit, Meta-Uranospinit, Heinrichit und Meta-Heinrichit).
↑Kurt Walenta:Beiträge zur Kenntnis seltener Arsenatmineralien unter besonderer Berücksichtigung von Vorkommen des Schwarzwaldes (zugleich Habilitationsschrift aus dem Geologisch-Paläontologischen Institut der Technischen Hochschule Stuttgart). In: Tschermaks Mineralogische und Petrographische Mittheilungen. Band11, 1966, S.121–164, doi:10.1007/BF01127708 (3. Teil: Aluminium- und Eisenarsenate; Minerale der Beudantit-Crandallitgruppe sowie der Pharmakosideritgruppe).
↑Kurt Walenta:Die Mineralien des Schwarzwaldes und ihre Fundstellen. 1. Auflage. Christian Weise, München 1992, ISBN 3-921656-24-9, S.1–336.
↑Stuart J. Mills, Michael S. Rumsey, Georges Favreau, John Spratt, Matti Raudsepp, Mauricio Dini:Bariopharmacoalumite, a new mineral species from Cap Garonne, France and Mina Grande, Chile. In: Mineralogical Magazine. Band75, Nr.1, 2011, S.135–144, doi:10.1180/minmag.2011.075.1.135.
↑Kurt Walenta:Grimselit, ein neues Kalium-Natrium-Uranylkarbonat aus dem Grimselgebiet (Oberhasli, Kt. Bern, Schweiz). In: Schweizerische mineralogische und petrographische Mitteilungen (Bulletin suisse de minéralogie et pétrographie). Band52, Nr.1, 1972, S.69–177, doi:10.5169/seals-40599.
↑Kurt Walenta:Admontit, ein neues Boratmineral aus der Gipslagerstätte Schildmauer bei Admont in der Steiermark (Österreich). In: Tschermaks Mineralogische und Petrographische Mittheilungen. Band26, Nr.1–2, 1979, S.69–177, doi:10.1007/BF01081292, bibcode:1979TMPM...26...69W.
↑Kurt Walenta, Bernd Lehmann, Martina Zwiener:Colquiriite, a new fluoride mineral from the Colquiri tin ore deposit, Bolivia. In: Tschermaks Mineralogische und Petrographische Mittheilungen. Band27, Nr.4, 1980, S.275–281, doi:10.1007/BF01159266 (englisch).
↑Kurt Walenta, Pete J. Dunn:Ferridravite, a new mineral of the tourmaline group from Bolivia. In: The American Mineralogist. Band64, Nr.9–10, 1979, S.945–948 (englisch, minsocam.org[PDF; 385kB; abgerufen am 23.September 2024]).
↑Hubert Bari, François Permingeat, Roland Pierrot, Kurt Walenta:La ferrarisite Ca5H2(AsO4)4.9H2O, une nouvelle espèce minérale dimorphe de la guérinite. In: Bulletin de Minéralogie. Band103, Nr.5, 1980, S.533–540, doi:10.3406/bulmi.1980.7417 (französisch, online verfügbar persee.fr[abgerufen am 23.September 2024]).
↑Pete J. Dunn, Donald R. Peacor, Willard L. Roberts, Thomas J. Campbell, Robert A. Ramik:Walentaite, a new calcium iron arsenate phosphate from the White Elephant mine, Pringle, South Dakota. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. Band1984, 1984, S.169–174.
↑Ian E. Grey, Rupert Hochleitner, Christian Rewitzer, Alan Riboldi-Tunnicliffe, Anthony R. Kampf, Colin M. MacRae, W. Gus Mumme, Melanie Kaliwoda, Henrik Friis, Carlos U. Martin:The walentaite group and the description of a new member, alcantarillaite, from the Alcantarilla mine, Belalcázar, Córdoba, Andalusia, Spain. In: Mineralogical Magazine. Band84, Nr.3, 2020, S.412–419, doi:10.1180/mgm.2020.18.
↑Ian E. Grey, W. Gus Mumme, Anthony R. Kampf, Colin M. MacRae, N. C. Wilson:Natrowalentaite, a new mineral from the Griffins Find gold deposit, Western Australia. In: Australian Journal of Mineralogy. Band20, 2019, S.7–15.