PKP-Baureihe Ty23

PKP Reihe Ty23
LBE G 12
DR-Baureihe 58.6 / 58.23–27
SŽD ТУ23 (Tu23)
CFR-Baureihe 150.9
Nummerierung: PKP Ty23-1 bis 701 (bis 1939), Ty23-1 bis 312 (nach 1945)
LBE 99–100;
DR 58 601–602 (2301–2302)
58 2303–2772
CFR 150.901–904
Hersteller: Schwartzkopff, Cockerill, Franco-Belge, St. Léonard, Fablok, Cegielski, WSABP
Baujahr(e): 1923–1934
Bauart: 1’E h2
Länge über Puffer: 20.065 mm
Fester Achsstand: 4800 mm
Gesamtachsstand: 9050 mm
Achsstand mit Tender: 17.015 mm
Treibraddurchmesser: 1450
Laufraddurchmesser vorn: 1000
Leermasse: 86 t
Dienstmasse: 95 t
Dienstmasse mit Tender: 149,3 t
Reibungsmasse: 85 t
Radsatzfahrmasse: ca. 16 t
Höchstgeschwindigkeit: 75 km/h
Indizierte Leistung: 1320 PSi / 970 kW
Anfahrzugkraft: ≈ 231 kN
Kesselüberdruck: 14 bar
Anzahl der Heizrohre: 199
Anzahl der Rauchrohre: 34
Rostfläche: 4,5 m²
Strahlungsheizfläche: 16,5 m²
Rohrheizfläche: 207,45 m²
Verdampfungsheizfläche: 223,9 m²
Überhitzerfläche: 73,5 m²
Steuerungsart: Heusinger
Zylinderdurchmesser: 650 mm
Kolbenhub: 720 mm
Wasservorrat: 21,5 m³
Brennstoffvorrat: 10 t

Die Lokomotiven der Reihe Ty23 der polnischen Staatsbahn PKP sind Güterzuglokomotiven mit der Achsfolge 1'E (Decapod). Sie wurden zwischen 1923 und 1934 mit insgesamt 612 Stück von deutschen, belgischen und polnischen Lokomotivfabriken gebaut. Während des Zweiten Weltkriegs wurden sie von der Deutschen Reichsbahn als Baureihe 58.23–27 eingeordnet. Nach dem Krieg blieben noch 312 Stück bei der PKP, die sie bis Ende der 1970er Jahre einsetzte. Zwei baugleiche Lokomotiven erwarb 1935 die Lübeck-Büchener Eisenbahn.

Geschichte

Die der Preußischen G 12 ähnelnden Lokomotiven wurden im Jahr 1923 bei der Berliner Maschinenbau AG (vormals Schwartzkopff) konstruiert. Der Entwurf wurde wesentlich von einer Gruppe nach Berlin entsandter polnischer Konstrukteure unter Leitung von Wacław Łopuszyński erstellt. Zwar diente die G 12 als Vorbild, letztlich hatten die Ty23 bis auf den Belpaire-Stehkessel, den sie als einzige von der PKP beschaffte Lokomotivreihe erhielten, und den Barrenrahmen jedoch wenig mit dem Vorbild gemeinsam. So erhielten sie anders als die G 12 ein Zwillingstriebwerk. Der Durchmesser der Treibräder war mit 1450 mm etwas größer, und die zulässige Höchstgeschwindigkeit lag mit 75 km/h um 10 km/h höher als bei der G 12. Auch die Zylindermaße wichen leicht ab. Der Schlepptender 2’2’ T 21,5 war von polnischer Bauart. Im September 1923 absolvierte die erste Maschine beim Lokomotiv-Versuchsamt Grunewald Probefahrten auf der Bahnstrecke Berlin–Blankenheim, bei denen sie ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellte. Auch attestierte ihr das Versuchsamt sehr günstige Verbrauchswerte und eine sehr gute Laufruhe.

PKP-Baureihe Ty23
Lokomotive der Baureihe Ty23 auf der Internationalen Eisenbahntechnischen Ausstellung Seddin, 1924; von der PKP nie angekauft, ab 1935 G 12 Nr. 99 der Lübeck-Büchener Eisenbahn
Als Gattung G 12 (Nr. 99 und 100) der Lübeck-Büchener Eisenbahn

15 Lokomotiven lieferte Schwartzkopff an die PKP. Weitere 60 Maschinen lieferten Cockerill, Franco-Belge und St. Léonard in Belgien, bis die Produktion schließlich ab 1926 an die polnischen Lokomotivfabriken Fablok in Chrzanów, Cegielski und Warszawska Spólka Akcyjna Budowy Parowozów (WSABP, Warschauer Lokomotivfabrik) überging. Insgesamt wurden 612 dieser Lokomotiven gebaut; es war die meistgebaute polnische Dampflokomotivreihe. 106 der Lokomotiven kamen zur Francusko-Polskie Towarzystwo Kolejowe (Französisch-Polnische Eisenbahngesellschaft), die für den Bau und Betrieb der Kohlenmagistrale zwischen Oberschlesien und Gdynia zuständig war.

Schwarzkopff hatte 1924 in Erwartung eines Folgeauftrags durch die PKP zwei weitere Lokomotiven mit den Fabriknummern 8442 und 8443 gebaut. Der Auftrag blieb jedoch aus, und die Lokomotiven wurden erst im Jahr 1935 an die Lübeck-Büchener Eisenbahn (LBE) verkauft. Es waren die letzten Schlepptenderlokomotiven der LBE, und sie erhielten die Gattung G 12 und die Nummern 99 und 100. Da Schwartzkopff lange keinen Abnehmer gefunden hatte, waren sie mit einem Preis von 75.000 RM pro Stück recht günstig. Zunächst wurden sie für schwere Züge auf der Strecke Lübeck–Büchen verwendet, doch nachdem die Drehscheibe in Rothenburgsort verlängert worden war, konnte man sie auch auf der Hamburger Bahn einsetzen. Als die LBE im Jahr 1938 von der Deutschen Reichsbahn übernommen wurde, wurden die beiden Lokomotiven als Baureihe 58.6 eingeordnet und erhielten die Nummern 58 601 und 58 602.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges gelangten vier polnische Ty23 mit den Ordnungsnummern 148, 193, 320 und 453 nach Rumänien. Sie wurden von der rumänischen Staatsbahn Căile Ferate Române (CFR) als 150.901–904 bezeichnet. Die CFR 150.901 (ex PKP Ty 23-148) musste um 1941 als Kriegsverlust verzeichnet werden. Die restlichen Lokomotiven überstanden den Krieg und wurden 1945 beim Depot in Brașov eingesetzt. Auf Grund ihres Alters und ihres Zustandes gingen sie weder als Reparationen in die Sowjetunion noch stand ihnen ein längerer Einsatz bevor. 1947 wurden alle Lokomotiven ausgemustert und 1952 verschrottet.

Während der Besetzung Polens im Zweiten Weltkrieg übernahm die Deutsche Reichsbahn 472 Lokomotiven und ordnete sie als Baureihe 58.23–27 ein. Sie erhielten die Betriebsnummern 58 2303 bis 58 2741. Die von der sowjetischen Staatsbahn Sowetskije schelesnyje dorogi (SŽD) übernommenen ehemaligen PKP-Ty23er bekamen die Betriebsnummern 58 2742 bis 58 2772. Die beiden ehemaligen LBE-Lokomotiven wurden zur gleichen Zeit in 58 2301 und 58 2302 umgezeichnet. Später wurden sie zur Reichsbahndirektion Osten (58 2301) und zur Ostbahndirektion Warschau (58 2302) umstationiert. Im Breitspurnetz des FBw Roslawl des FEKdo 2 lief die von der SŽD umgespurte Ty23-614 für die Eisenbahntruppen der Wehrmacht. Diese wurde nicht als 58.23–27 bei der Deutschen Reichsbahn eingereiht und behielt ihre ursprüngliche Bezeichnung. Das führte zu Spannungen mit der Deutschen Reichsbahn, da diese über solche Lokomotiven nicht verfügen konnte, sie aber unterhalten und fahren musste. Dasselbe galt für Ty23-178, welche 1941 in Przemyśl erbeutet wurde. Diese wurde zuvor kurzzeitig von der SŽD in der 1939 nach der erfolgreichen Sowjetischen Invasion Polens neugegründeten Lemberger Eisenbahn-Direktion in Ostgalizien eingesetzt. Bei den SŽD wurden sie als Baureihe ТУ23 (Tu23) bezeichnet und während des Deutsch-Sowjetischen Krieges in den südlichen Bezirken der Turkestan-Sibirien-Bahn eingesetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieben einige Lokomotiven bei der Deutschen Reichsbahn auf dem Gebiet der späteren DDR, weitere in den westlichen Besatzungszonen. Die im Netz der Deutschen Bundesbahn (DB) verbliebenen Exemplare wurden nach Kriegsende nicht mehr eingesetzt und alle Ende 1951 zur Stahlgewinnung für den Koreakrieg ausgemustert. Dagegen gingen die in der DDR verbliebenen Exemplare, soweit ihr Zustand dies zuließ, zwischen 1949 und 1955 zurück an die PKP, die sie überwiegend aufarbeitete und wieder in Betrieb nahm. In Polen blieben letztlich – trotz dieser Rückführungen – aufgrund der großen Kriegsverluste und vieler Übernahmen durch die UdSSR mit 312 Ty23 nur etwas mehr als die Hälfte der ursprünglich beschafften Lokomotiven. Sie wurden von der PKP neu nummeriert und erhielten in der Nachkriegszeit Stahlfeuerbüchsen, standardisierte Armaturen und weiteres Zubehör. Die meisten Maschinen bekamen ein verlängertes Führerhausdach. In den 1960er Jahren wurden sie vorwiegend für den schweren Rangierdienst und vor Übergabezügen in den polnischen Industriegebieten, insbesondere in Oberschlesien, verwendet. Bei der PKP standen die letzten Ty23 bis 1979 im Dienst und wurden bis 1980 ausgemustert. Einige Maschinen wurden von der PKP ab den 1950er Jahren an die oberschlesische Sandbahngesellschaft abgegeben. Einige an Werksbahnen abgegebene Exemplare blieben noch ein einige Jahre länger im Einsatz.

Verbleib

Drei Exemplare der Ty23 stehen in polnischen Verkehrsmuseen:

Siehe auch

Literatur

Commons: PKP-Baureihe Ty23 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Witali Alexandrowitsch Rakow: Russische und sowjetische Dampflokomotiven. 1. Auflage. transpress, Berlin 1986, ISBN 3-344-00060-8, S. 243–245.
  2. 1 2 Parowozy serii Ty23, auf parowozy.net (Polnisch, abgerufen am 17. September 2026)
  3. ↑ 1 E- (2-10-0) 2 Zylinder-Heißdampfgüterzuglokomotive der Serie Ty 23 der Polnischen Staatsbahnen. In: Die Lokomotive, 21. Jahrgang, Juli 1924, heft 7, S. 97–106 (anno.onb.ac.at, abgerufen am 17. September 2026)
  4. ↑ Alfred Gottwaldt: Die Lübeck-Büchener Eisenbahn. Privatbahn als Wegbereiter neuer Verkehrstechniken. 2. Auflage. alba, Düsseldorf 1999, ISBN 3-87094-235-5, S. 67 & 114.
  5. 1 2 Thomas Estler, Loks der rumänischen Staatsbahn CFR, Transpress-Verlag Stuttgart, 2019, ISBN 978-3-613-71550-9, Seite 29
  6. 1 2 3 Andreas Knipping, Ingo Hütter, Hansjürgen Wenzel: Lokomotiven "Heim ins Reich". EK-Verlag, 2009, ISBN 978-3-88255-131-0, S. 419–428.
  7. ↑ Ingo Hütter: Lokomotivdatenbank, abgerufen am 5. Mai 2016.
  8. ↑ Michael Reimer: Lokomotiven für die Ostfront. München 1999, ISBN 3-932785-35-5, S. 72, S. 130 f.
  9. ↑ A. E. Durrant: The Steam Locomotives of Eastern Europe. David & Charles, Newton Abbot 1966, S. 108.
  10. ↑ Thomas Estler: Loks der Polnischen Staatsbahnen PKP. Stuttgart 2013, S. 27
  11. ↑ www.polskieparowozy.pl: Internetseite über die PKP Ty23-104
  12. ↑ www.polskieparowozy.pl: Internetseite über die PKP Ty23-145
  13. ↑ www.polskieparowozy.pl: Internetseite über die PKP Ty23-273