LNG-Terminal Stade

Bereich an der Elbe, in dem das schwimmende Importterminal (gelb markiert) 2023 entstanden ist (Foto: 2012)

Das LNG-Terminal Stade ist ein schwimmendes Terminal für den Import von Flüssigerdgas (LNG) an der Elbe im Stader Ortsteil Bützfleth in Niedersachsen. Das Terminal soll im September 2026 in Betrieb gehen. Zudem ist ein stationäres Terminal an Land im Bau, das 2029 betriebsbereit sein soll.

Hintergrund

Am 27. Februar 2022 kündigte Bundeskanzler Olaf Scholz aus Anlass des russischen Überfalls auf die Ukraine im Rahmen einer Sondersitzung des Deutschen Bundestages an, dass in Deutschland kurzfristig zwei Flüssigerdgasterminals in Brunsbüttel und Wilhelmshaven errichtet werden sollen. Mit ihnen soll per Schiff geliefertes Flüssigerdgas angelandet werden. Um die Schaffung derartiger Anlagen zu beschleunigen, beschloss der Deutsche Bundestag das von der Ampelkoalition eingebrachte LNG-Beschleunigungsgesetz, das am 1. Juni 2022 in Kraft trat. Dabei wurde auch der Bau weiterer Terminals beschlossen. Stade ist einer von mehreren Standorten, die ab 2022 als schwimmende LNG-Terminals an deutschen Küsten entstanden. Die weiteren Anlagen sind zwei Einrichtungen des LNG-Terminals Wilhelmshaven, das LNG-Terminal Brunsbüttel, das LNG-Terminal Mukran und das LNG-Terminal Deutsche Ostsee in Lubmin.

Schwimmendes Terminal

Die Energos Force als schwimmendes LNG-Terminal in Stade, 2024

Das schwimmende Terminal für Flüssiggastanker entsteht in Bützfleth etwa 1,5 km südlich vom Seehafen Stade an der Elbe. Betreiber des Terminals ist die bundeseigene Deutsche Energy Terminal (DET). Der Bau der Anlegestelle wurde der landeseigenen Gesellschaft Niedersachsen Ports (NPorts) übertragen. Zur Finanzierung des Baus sicherten der Bund und das Land Niedersachsen jeweils 100 Millionen Euro zu. Im September 2022 erteilte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz als zuständige Behörde die Genehmigungen für erste Teilarbeiten.

Die Bauarbeiten zur Errichtung des Anlegers begannen im November 2022. Symbolisch wurde der Baubeginn in Gegenwart des niedersächsischen Wirtschaftsministers Olaf Lies (SPD) und des niedersächsischen Umweltministers Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) im Januar 2023 mit einem ersten Rammschlag gestartet. Die Kosten für die 600 Meter lange Anlegestelle beliefen sich auf 300 Millionen Euro und waren bis dahin das teuerste Projekt von NPorts. Das neue Hafenbecken mit einem Anleger war Ende 2023 fertiggestellt.

Im März 2024 lief das Speicher- und Wiederverdampfungsschiff (FSRU) Energos Force (Transgas Force) ein.

Das Terminal ging zunächst nicht in Betrieb. Im Januar 2025 gab die DET bekannt, den Vertrag zum Bau der Verladeinfrastruktur mit der Hanseatic Energy Hub (HEH) zu kündigen, da diese fortlaufend den Vertrag nicht erfüllt und die Verladeinfrastruktur nicht fertiggestellt habe. Die HEH erklärte die Kündigung für unwirksam und kündigte ihrerseits. Am 14. November 2025 gab die DET bekannt, die Fertigstellung der Anlage zu übernehmen. Die FSRU Energos Force wurde zwischenzeitlich unterverchartert. Im Juni 2026 kündigte die DET an, das Terminal solle im September 2026 in Betrieb gehen.

Stationäres Terminal

Luftbild vom Seehafen Stade, an dem das stationäre LNG-Terminal im Bereich der Buschfläche bis 2026 errichtet werden soll, im Hintergrund die Elbinsel Bishorster Sand, 2012

Im Industriegebiet unmittelbar am Hafen ist die Errichtung eines stationären LNG-Terminals geplant, um das schwimmende Terminal abzulösen. Nach Verzögerungen ist die Inbetriebnahme für 2029 geplant. Getragen wird das Projekt des sogenannten Hanseatic Energy Hub (HEH) vom Investor Partners Group aus der Schweiz, dem Logistikdienstleister Buss Group aus Hamburg, dem Chemiekonzern Dow Chemical sowie dem spanischen Energieversorgungsunternehmen Enagás. Die Anlage auf dem Gelände des Chemieunternehmens Dow wird dessen industrielle Abwärme zum emissionsfreien Erwärmen und Umwandeln in Gas nutzen. Das Terminal ist in der Endstufe für die Regasifizierung von bis zu 13,3 Mrd. m³ Erdgas pro Jahr ausgelegt, was etwa 15 % des deutschen Gasbedarfs entspricht. Perspektivisch ist die Anlage so angelegt, dass auch andere Flüssiggase wie Bio-LNG und Synthetic Natural Gas, Wasserstoff oder synthetisch hergestelltes Ammoniak umgeschlagen werden können. 90 Prozent der LNG-Mengen haben die drei Energieversorgungsunternehmen EnBW Energie Baden-Württemberg, Securing Energy for Europe und ČEZ langfristig gebucht. Die restliche Kapazität ist für kurzfristigen Gashandel vorgesehen.

Die Pläne zur Errichtung des stationären Terminals entstanden 2018 und wurden einer breiteren Öffentlichkeit im Februar 2022 bekannt. Im April 2022 beantragte das Konsortium eine Baugenehmigung, die Ende 2023 erteilt wurde. Die Errichtung übernimmt das spanische Bauunternehmen Técnicas Reunidas. Am 28. März 2024 erfolgte der offizielle Spatenstich. Die Investition in die Anlage mit der Erweiterung des Hafens, dem Bau einer Verdampfungsanlage sowie der Errichtung zweier 60 Meter hoher und 90 Meter breiter Gasbehälter beträgt rund eine Milliarde Euro. Das LNG-Terminal wird Enagás betreiben.

Kritik

Die Umweltverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Deutsche Umwelthilfe kritisieren das LNG-Terminal. Es helfe nicht bei der Lösung der Energiekrise. Durch den Import von Erdgas als fossilem Energieträger würde die Abhängigkeit von klimaschädlicher Energie zementiert. Das Terminal sei auch keine Lösung für die seit 2022 bestehende Gasmangellage, denn der Betrieb der landseitigen Anlage sei ab frühestens 2026 möglich. Außerdem seien das LNG-Terminal und die Hafenanlagen unvereinbar mit deutschen Klimaschutzzielen. Die lokale Sicherheit und mehrere Naturschutzgebiete würden gefährdet. Die Deutsche Umwelthilfe forderte daher, den Genehmigungsantrag abzulehnen. Der BUND befürchtet zudem den Import von umweltschädlich gewonnenem Fracking-Gas aus den Vereinigten Staaten und klagt gegen das Vorhaben.

Literatur

Commons: LNG-Terminal Stade – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Debatte zur Regierungserklärung des Kanzlers bei zdf.de vom 27. Februar 2022
  2. ↑ Ampelkoalition will weitere LNG-Terminals in Stade und Lubmin errichten in Der Spiegel vom 19. Juli 2022
  3. ↑ Weitere LNG-Terminals in Stade und Lubmin. In: tagesschau.de. 19. Juli 2022, abgerufen am 19. Juli 2022.
  4. ↑ 100 Millionen für LNG-Terminal in Stade: Finanzierung steht bei ndr.de vom 13. September 2022
  5. ↑ Der Bau des LNG-Terminals in Stade kann beginnen in Cuxhavener Nachrichten vom 23. September 2023
  6. ↑ Erster Rammschlag für neues LNG-Terminal in Niedersachsen. In: ndr.de. 20. Januar 2023, abgerufen am 2. Februar 2023.
  7. ↑ Stade wird zweiter LNG-Standort in Niedersachsen bei ndr.de vom 19. Juli 2022
  8. ↑ Neues Hafenbecken mit LNG-Anleger in Stade fertiggestellt bei ndr.de vom 16. Dezember 2023
  9. ↑ Germany's Stade LNG terminal to receive first vessel on March 15. Hellenic Shipping News, 15. März 2024, abgerufen am 1. Februar 2025 (englisch).
  10. ↑ Protest begleitet Ankunft von neuem LNG-Terminal in Stade bei ndr.de vom 15. März 2024
  11. ↑ Jörg Dammann: LNG-Debakel in Stade geht weiter: Schwimmendes LNG-Terminal: Betreiber kündigt Verträge. In: kreiszeitung-wochenblatt.de. 19. März 2025, abgerufen am 14. Juli 2026.
  12. ↑ Patrick Freiwah: Kostspieliges LNG-Projekt Stade: Politisches und finanzielles Desaster? In: Frankfurter Rundschau. 25. März 2025, abgerufen am 14. Juli 2026.
  13. ↑ Katia Meyer-Tien: Schwimmendes LNG-Terminal in Stade vor dem Aus? In: energie-und-management.de. 20. März 2025, abgerufen am 14. Juli 2026.
  14. ↑ Jordanien statt Stade: LNG-Spezialschiff "Energos Force" in den Nahen Osten vermietet. In: ndr.de. 10. Juli 2025, abgerufen am 14. Juli 2026.
  15. ↑ Stade: Schwimmendes LNG-Terminal soll im September in Betrieb gehen. In: ndr.de. 10. Juni 2026, abgerufen am 14. Juli 2026.
  16. 1 2 3 Olaf Preuß: Nun wird Stade zu einer deutschen Energie-Drehscheibe. In: welt.de. 22. März 2024, abgerufen am 5. Mai 2024.
  17. ↑ ndr.de: Nach Verzögerungen: Start-Termin für Betrieb von schwimmendem LNG-Terminal steht. Abgerufen am 26. August 2026.
  18. ↑ Zukunftsflexible Buchung. EnBW setzt auf Stade für LNG- und Wasserstoffimport. EnBW, 8. Dezember 2022, abgerufen am 5. Mai 2024.
  19. ↑ LNG-Anleger in Stade ist genehmigt bei ndr.de vom 17. November 2023
  20. ↑ Bau des ersten LNG-Landterminals hat begonnen. In: tagesschau.de. 28. März 2024, abgerufen am 6. Juli 2024.
  21. ↑ Stationäres LNG-Terminal in Stade: Deutsche Umwelthilfe fordert Ablehnung des Genehmigungsantrages für Hafenanlagen, Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe vom 1. September 2022
  22. ↑ LNG-Terminal behindert zukunftsfähige Energiewende bei BUND Kreisgruppe Stade vom 6. Januar 2020
  23. ↑ Umweltverband klagt gegen geplantes LNG-Terminal in Stade. In: ndr.de. 15. März 2024, abgerufen am 5. Mai 2024.

Koordinaten: 53° 38′ 54,7″ N, 9° 30′ 16,1″ O