Lagrange-Dichte

Die Lagrange-Dichte ℒ (nach dem Mathematiker Joseph-Louis Lagrange) spielt in der theoretischen Physik eine Rolle bei der Betrachtung von Feldern. Sie beschreibt die Dichte der Lagrange-Funktion L in einem Volumenelement. Daher ist die Lagrange-Funktion definiert als das Integral der Lagrange-Dichte über dem betrachteten Volumen:

L=∫d3rℒ=∭dxdydzℒ(ϕ,∂ϕ∂t,∂ϕ∂x,∂ϕ∂y,∂ϕ∂z,t)

mit dem betrachteten Feld ϕ(x,y,z,t).

Der eigentliche Zweck der Lagrange-Dichte ist die Beschreibung von Feldern durch Bewegungsgleichungen. So, wie man die Lagrange-Gleichungen zweiter Art aus dem Hamiltonschen Prinzip erhält, kann man die Lagrange-Gleichungen für Felder aus dem Hamiltonschen Prinzip für Felder erhalten (Herleitung). Entsprechend lautet die Bewegungsgleichung:

∂ℒ∂ϕi−∂∂t∂ℒ∂∂ϕi∂t−∑j=13∂∂xj∂ℒ∂∂ϕi∂xj=∂ℒ∂ϕi−∂μ∂ℒ∂(∂μϕi)=0.

Beispiel

Beispielhafte Lösung der Bewegungsgleichung einer schwingenden Saite (String) in 3 Dimensionen. Parameter: E=μ=1, Animation läuft mit 10 % der tatsächlichen Geschwindigkeit.

Für eine in einer Dimension schwingende Saite ergibt sich für die Lagrange-Dichte

ℒ=12[μ(∂ϕ∂t)2−E(∂ϕ∂x)2]

In diesem Beispiel bedeuten:

ϕ=ϕ(x,t) die Auslenkung eines Punktes der Saite aus der Ruhelage (Feldvariable)
μ die lineare Massendichte
E den Elastizitätsmodul

Mit dieser Lagrange-Dichte ergibt sich

∂ℒ∂ϕ=0
∂ℒ∂∂ϕ∂t=μ∂ϕ∂t
∂ℒ∂∂ϕ∂x=−E∂ϕ∂x

Damit ergibt sich für die Bewegungsgleichung der schwingenden Saite

E∂2ϕ∂x2−μ∂2ϕ∂t2=0

Anwendung in der Relativitätstheorie

Anwendung findet die Beschreibung physikalischer Vorgänge über die Lagrange-Dichte statt über die Lagrange-Funktion vor allem in relativistischen Vorgängen. Hier ist eine kovariante Darstellung der Lagrange-Funktion gewünscht, dann ist die Wirkung über

S=∫d4x−gℒ

definiert, wobei g die Determinante des metrischen Tensors ist. Damit ist die Lagrange-Funktion ein Lorentz-Pseudoskalar, also invariant unter Lorentz-Transformationen:

ℒ′(xμ)=ℒ(x'μ)=ℒ(xμ) mit x'μ=Λμνxν, wobei Λμν der Lorentz-Transformationstensor ist.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Clinton L. Lewis: Explicit gauge covariant Euler–Lagrange equation. In: American Journal of Physics. Band 77, 2009, S. 839, doi:10.1119/1.3153503.