Lajos Barna

Lajos Barna (* 17. März 1921 in Hajdúböszörmény; † 10. März 2003 in Fót) war ein ungarischer Pädagoge, Gründer des Kinderdorfs Fót (heute Károlyi István Gyermekközpont) und bis zu seiner Pensionierung dessen Direktor sowie Ehrenbürger der Stadt Fót. Er wurde unter anderem mit dem Offizierskreuz des Ungarischen Verdienstordens und dem Németh-László-Preis ausgezeichnet.

Kindheit und familiärer Hintergrund

Barna Lajos wuchs in einer Handwerkerfamilie in Hajdúböszörmény auf. Nach dem frühen Tod seiner Frau heiratete sein Vater ein zweites Mal; die Kinder aus beiden Ehen wuchsen gemeinsam auf.

Studien und Ausbildung

Seine Schulausbildung begann er in Hajdúböszörmény: Von 1927 bis 1931 besuchte er die reformierte Elementarschule und anschließend die ersten vier Klassen des Bocskai-István-Gymnasium. 1935 wurde er in das Lehrerseminar des Reformiertes Kollegium in Debrecen aufgenommen, wo er als Internatsschüler aufgrund seiner Studienleistungen und der finanziellen Lage seiner Familie kostenlos untergebracht und verpflegt wurde. 1940 legte er die Lehrerprüfung ab. Auch der Zweite Weltkrieg blieb nicht ohne Einfluss auf sein Leben: Von 1942 bis 1945 leistete er Militärdienst, danach geriet er in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1945 zurückkehrte. Als Fernstudent studierte er Pädagogik an der Eötvös-Loránd-Universität. 1970 schloss er sein Studium mit der Promotion ab. Seine Dissertation befasste sich mit der Erziehung und Betreuung verlassener Kinder.

Frühe Laufbahn

Seine berufliche Laufbahn begann er als Dorflehrer. 1940 nahm er seine Lehrtätigkeit an der reformierten Elementarschule in Réti auf, einem Ortsteil im Außenbereich von Hajdúböszörmény. Von dort wurde er an die Schule im Innenstadtbereich in Vénkert versetzt. Nach dem Krieg kehrte er dorthin zurück, um seine Arbeit fortzusetzen.

Kinderdorf Debrecen

1949 wurde er mit der Organisation des Kinderdorfs Debrecen betraut. Die dort geleistete Arbeit prägte seine pädagogische Laufbahn. 1950 wurde das Heim in eine leerstehende Kaserne in Karcag verlegt. Als das Militär das Gebäude erneut benötigte, teilte man die rund 350 Kinder und ihre Erzieher in drei Gruppen auf. Die 120-köpfige Gruppe unter der Leitung von Barna kam nach Balkány in das Gencsy-Schloss, wo das Kinderheim von 1951 bis 2007 bestand. Neben seiner Arbeit in Balkány gründete er außerdem in Berkesz ein Kinderheim mit 250 Plätzen, das 1955 eröffnet wurde.

Kinderdorf Fót

1957 wurde Barna gebeten, in Fót ein Kinderheim aufzubauen. Die Gründung gilt als zivile Initiative, die auf die gesellschaftliche Notlage nach dem Zweiten Weltkrieg reagierte. Zunächst prägten Reformpädagogik und die Achtung der Würde des Kindes die Arbeit des Heims. Auf Vorschlag von Barna fiel die Wahl der Entscheidungsträger auf das Károlyi-Schloss und den dazugehörigen Park. Unter seiner Leitung wurde das Kinderdorf Anfang der 1960er Jahre fertiggestellt, in dem Kinder im Alter von 3 bis 18 Jahren betreut wurden. Zum Komplex gehörten ein Kindergarten, eine Grund- und eine weiterführende Schule sowie Werkstätten für die Berufsausbildung. Die Pädagogen bemühten sich, den Verhältnissen und pädagogischen Vorstellungen ihrer Zeit entsprechend alle materiellen und institutionellen Voraussetzungen für die schulische, künstlerische und freizeitbezogene Erziehung der Kinder zu schaffen. Die Arbeit fand fachliche und öffentliche Aufmerksamkeit: Fachleute, ausländische Delegationen und Politiker besuchten das Kinderdorf regelmäßig.

Barna hatte die Leitung der Einrichtung des Kinderdorfs vom 1. Oktober 1957 bis zum 31. August 1983 inne. In der Kádár-Ära wurde sie zu einer Vorzeigeeinrichtung. Unter seiner Leitung genoss das Kinderdorf breite gesellschaftliche Unterstützung und verfügte über ein starkes zivilgesellschaftliches Umfeld.

Am 15. November 2004, zum 47. Jahrestag des Bestehens des Kinderheims, wurde im Park des Károlyi-Schlosses der Gedenkstein für Barna enthüllt. Er misst 160 × 100 × 100 cm.

Internationale Tätigkeit

Seine Fachkenntnisse waren bei internationalen Organisationen gefragt, etwa bei der UNICEF und der Internationalen Vereinigung für Erziehungsheime (FICE). Er war an der Aufbau von Einrichtungen zum Kinderschutz in Kambodscha, im Iran und in der Tschechoslowakei beteiligt. Das Kinderdorf in Trenčín entstand nach dem Vorbild von Fót.

Auszeichnungen und Ehrungen

Für sein Wirken wurde er im Laufe der Jahrzehnte mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet:

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Makai Éva, Trencsényi László (Hrsg.): Adalékok a gyermeki jogok történetéhez. 2020, ISBN 978-963-7123-70-2 (pedagogiai-tarsasag.hu [PDF; abgerufen am 8. Oktober 2026]).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 UNGVÁRI JÁNOS (Hrsg.): Pedagógusok arck8épcsarnoka. KARÁCSONY SÁNDOR NEVELÉSTÖRTÉNETI EGYESÜLET, 2004 (kspe.hu [PDF; abgerufen am 8. Oktober 2026]).
  3. ↑ Történet. In: kigyk.hu. Abgerufen am 8. Oktober 2026.
  4. ↑ Október 1.: elindul a fóti gyermekváros története (1957). In: Magyar Helsinki Bizottság. Abgerufen am 8. Oktober 2026.
  5. ↑ 68. születésnap. In: kigyk.hu. Abgerufen am 8. Oktober 2026.
Personendaten
NAME Barna, Lajos
KURZBESCHREIBUNG ungarischer Pädagoge
GEBURTSDATUM 17. März 1921
GEBURTSORT Hajdúböszörmény
STERBEDATUM 10. März 2003
STERBEORT Fót