Landschaftspark Duisburg-Nord

360°-Panorama auf dem Hochofen im Landschaftspark Duisburg-Nord
Als Kugelpanorama anzeigen
Panoramablick über die wichtigsten Elemente des Landschaftsparks Duisburg-Nord: der Hochofen 2, das hervorragende Krokodil und der Hochofen 5 (v. l. n. r.), die Absetzbecken im Vordergrund
Kraftzentrale und heutige Veranstaltungshalle mit Bildinstallationen von Bernd und Hilla Becher
Lageplan im Außenbereich

Der Landschaftspark Duisburg-Nord (auch im Volksmund kurz Landi, oder fälschlicherweise "LaPaDu" oder "LaPaNo") ist ein etwa 180 Hektar großer Landschaftspark rund um ein stillgelegtes Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich, der im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park entstand. Der Landschaftspark ist einer der Ankerpunkte der Europäischen Route der Industriekultur sowie der Route der Industriekultur im Ruhrgebiet. Er steht seit 2022 als Gartendenkmal unter Schutz. Die britische Tageszeitung The Guardian zählt den Landschaftspark Nord zu den zehn besten Stadtparks der Welt. Er wird u. a. neben High Line (New York), Buttes-Chaumont (Paris), Hampstead Heath (London) und Park Güell (Barcelona) genannt.

Geschichte

Das frühere Werk wurde 1902 von August Thyssen als „Aktiengesellschaft für Hüttenbetrieb“ zur Versorgung seiner Siemens-Martin-Stahlwerke in Bruckhausen und Styrum gegründet und am 16. Mai 1903 mit der Anblasung von Hochofen 1 in Betrieb genommen. Die insgesamt fünf Hochöfen produzierten in ihren 84 Jahren 37 Millionen Tonnen Spezialroheisen – in der Regel als Vorprodukt für die Weiterverarbeitung in den Thyssen’schen Stahlwerken.

Die Hochöfen 3 und 4 wurden bereits 1968 bzw. 1970 abgerissen. Die Hochöfen 1 und 2 wurden 1982 stillgelegt, so dass nur noch der erst 1973 erbaute Hochofen 5 in Betrieb blieb. Hochofen 5 war bereits 1952 als Ersatz für den älteren Hochofen 4 errichtet worden. Im Jahr 1973 erhielt er durch ein umgebendes Gerüst mit Bühnen, Treppen und Podesten sein heutiges äußeres Erscheinungsbild. In den 1980er Jahren wurde die Anlage vor ihrer Stilllegung noch einmal grundlegend saniert. Die letzte Schicht an Hochofen 5 fand am 4. April 1985 statt. Aufgrund von Überkapazitäten auf dem europäischen Stahlmarkt und den Stahlquotenregelungen der Europäischen Gemeinschaft wurde der Betrieb anschließend eingestellt. Thyssen verlagerte die Roheisenproduktion in die umliegenden, wesentlich größeren und moderner ausgerüsteten Hauptproduktionsflächen am Rhein (Werksteile Bruckhausen und Schwelgern, heute Teil von thyssenkrupp Steel Europe).

In der Folgezeit wurde das alte Gelände zwischen Hamborn und Meiderich mit allen Gebäuden und den verbliebenen drei Hochöfen Projekt der Internationalen Bauausstellung „Emscher Park“ und für einen internationalen Architekturwettbewerb ausgeschrieben, den die Landschaftsarchitekten Peter Latz + Partner gewannen. Seit 1988 unterstützt auch der Verein Interessengemeinschaft Nordpark Duisburg die Pläne einer Umsetzung. Von 1990 bis 1999 wurden die Hallen, Gebäude und das Außengelände nach den Plänen der Architekten umgestaltet und so umnutzbar gemacht, dass der Park in Fachkreisen heute zu den wichtigsten Projekten der Landschaftsarchitektur der Jahrtausendwende zählt. 1994 wurde der Park der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Er bildet nun einen Ankerpunkt auf der Route der Industriekultur und ist in die Europäische Route der Industriekultur integriert.

Der Landschaftspark Duisburg-Nord wurde mit den Preisen Green Good Design Award 2009, EDRA Places Award 2005, Play & Leisure Award 2004, der Grande Medaille d’Urbanisme 2001 und dem 1. Europäischen Preis für Landschaftsarchitektur Rosa Barba 2000 ausgezeichnet.

Vergleichbare, museale, jedoch deutlich kleinere Hochofen-Ensembles finden sich in Hattingen mit der früheren Henrichshütte, ebenfalls zuletzt ein Betrieb der Thyssen AG, und in Dortmund-Hörde mit den verbliebenen zwei Hochöfen der Hoesch AG auf Phoenix-West.

Gestaltung

Grundidee des Entwurfes von Latz war es, den genius loci herauszuarbeiten und zwischen ihm und einer neuen Nutzung einen Kontrast aufzuspannen: Existierende Bauwerke sollten erhalten, für den Park genutzt und den Menschen nähergebracht werden. Die industriellen Strukturen, die als voneinander unabhängige Systeme interpretiert wurden, sollten dabei nicht überformt werden, sondern visuell, funktional oder ideell über Gärten, Terrassen, Treppen, Landmarken oder Zeichen verbunden werden. Zu diesen Verknüpfungen zählen der Bahnpark mit den Hochpromenaden auf der oberen Ebene, der Wasserpark auf der unteren Ebene, die vereinzelten Vegetationsfelder zwischen den Bandstrukturen von Wasser- und Bahnpark sowie die Promenaden, die Stadtbezirke miteinander verbinden. Baustoffe wurden, soweit möglich, vor Ort gewonnen und wiederverwendet.

Industrienatur

Neben dem Ensemble mit den Resten des Hüttenwerkes hat sich eine enorm artenreiche Flora und Fauna entwickelt. Die künstlichen, technogenen Substrate der Brachfläche sind meist nährstoffarm und besitzen eine geringe Wasserspeicherfähigkeit. Solche Standorte sind ideale Lebensräume für wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten. Je nach Flächenentwicklung finden sich im Park unterschiedliche Vegetationsstadien von kümmerlicher Vegetation auf Rohböden, Pioniervegetation und Hochstaudengesellschaften über Gebüschstadien bis zum Vorwald (Industriewald). Eine solche Flora und Fauna, die sich auf ehemaligen Industrie- und Gewerbeflächen entwickelt hat, wird im Ruhrgebiet Industrienatur genannt. Im Landschaftspark hat sie sich, dank eines exakt ausgerichteten Pflegemanagements, in herausragender Ausprägung entwickelt. Die Qualitätssicherung erfolgt mittels Monitoring durch die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet in Kooperation mit der Parkverwaltung.

Entwicklung des Parks

Seitdem das Hüttenwerk 1994 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, nutzen Besucher, Wanderer, Fahrradfahrer, Sportvereine, Veranstalter und Interessengemeinschaften den Park für ihre Zwecke. Die Duisburg Marketing GmbH, eine Beteiligungsgesellschaft der Stadt Duisburg, steuert bis heute die weitere Entwicklung des Projektes Landschaftspark Duisburg-Nord.

Für die Vorbereitung des Filmdrehs des neuen Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds and Snakes wurden im Landschaftspark Sichtungen des Produktionsstudios durchgeführt und letztendlich auch gedreht. Dabei wurde der Park jedoch nicht für Besucher gesperrt; es konnten lediglich einige Aussichtspunkte nicht betreten werden. Es wurde während der Öffnungszeiten über mehrere Tage hinweg abgedreht. Mit an der Produktion beteiligt waren die Filmstudios Babelsberg.

Literatur

Commons: Landschaftspark Duisburg-Nord – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Der Landschaftspark ist jetzt Gartendenkmal! // Aktuelles | Landschaftspark Duisburg-Nord. Landschaftspark Duisburg Nord, 2024, abgerufen am 20. November 2025.
  2. ↑ Rowan Moore, The Guardian, Green space.The 10 best parks, 7. August 2015; abgerufen am 15. April 2017
  3. ↑ Hochofen 5 // Rundweg Industriegeschichte | Landschaftspark Duisburg-Nord. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  4. 1 2 Landschaftspark Duisburg-Nord (Memento des Originals vom 25. Juni 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. Jahr 1998 in der Online-Ausstellung 100 Jahre Landschaftsarchitektur des bdla. Abgerufen am 4. Mai 2014.
  5. ↑ Peter Keil: Industrial nature and species diversity in the Landscape Park Duisburg-Nord. In: Electronic Publications of the Biological Station of Western Ruhrgebiet 39. 2019, S. 1–6, abgerufen am 1. Dezember 2020 (englisch).
  6. ↑ Rheinische Industriekultur e. V.: Walter Buschmann: AG Hüttenbetriebe Meiderich
  7. ↑ Dany Vehslage, Thorsten Vehslage: 25 Klettersteige in Europa mit besonderem Charakter. 3. Auflage. 2022, ISBN 978-3-7562-0415-1, S. 14–17 (Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. ↑ FAZ vom 14. September 2010, Seite 35
  9. ↑ FAZ vom 8. Oktober 2010, Seite 34
  10. ↑ Als wärs ein Stück vom Weltraum in FAZ vom 5. September 2013, Seite R4
  11. ↑ RP-Online: Landschaftspark erfolgreich wie nie. Abgerufen am 6. Januar 2017.
  12. ↑ Ruhr Games 2019: Das Festival, das die Jugend auf die Bühne bringt. 18. Juni 2019, abgerufen am 19. Juni 2019.
  13. ↑ Ruhr Games. 27. Juni 2019, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 25. Juni 2019; abgerufen am 27. Juni 2019.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  14. ↑ Alexander Triesch: 3000 Komparsen im Landschaftspark: So laufen die Dreharbeiten zum „Tribute von Panem“-Film in Duisburg. In: Rheinische Post. 18. August 2022, abgerufen am 6. Dezember 2023.

Koordinaten: 51° 28′ 49″ N, 6° 46′ 48″ O