Laura Aguilar

Laura Aguilar (* 26. Oktober 1959 in San Gabriel, Kalifornien; † 25. April 2018 in Long Beach, Kalifornien) war eine US-amerikanische Fotografin. In Porträts und Selbstporträts befasste sie sich mit dem Zusammenwirken von ethnischer Herkunft, Sexualität, sozialer Klasse, Behinderung und Körpernormen und rückte besonders chicanische und lesbische Lebenswelten in den Mittelpunkt. Sie gilt als eine der einflussreichsten Chicana-Fotografinnen ihrer Generation.

Leben

Aguilar wuchs im San Gabriel Valley als Tochter eines mexikanisch-amerikanischen Schweißers und einer Frau aus einer kalifornisch-mexikanisch-irischen Familie auf. Eine erst in ihren Zwanzigern diagnostizierte auditive Dyslexie erschwerte ihr das Lesen und Sprechen; außerdem litt sie wiederholt an Depressionen. Ihr älterer Bruder führte sie an Kamera und Dunkelkammer heran; sie bildete sich weitgehend autodidaktisch weiter und besuchte am East Los Angeles College Fotografie- und Chicano-Studies-Kurse, wo Sybil Venegas zu ihrer Mentorin wurde. Ihre Arbeiten wurden 1993 in der Sektion Aperto der Biennale di Venezia gezeigt. Trotz zahlreicher Ausstellungen konnte sie von ihrer Kunst kaum leben; gesundheitliche und finanzielle Schwierigkeiten schränkten ihre Arbeit ab den späten 2000er-Jahren zunehmend ein. Aguilar starb mit 58 Jahren in einem Pflegeheim an den Folgen von Diabetes und terminalem Nierenversagen.

Wirken

Aguilars frühe Schwarzweißserien entstanden aus der Chicano-Kunstszene von Los Angeles und ihrem eigenen Umfeld: Sie fotografierte Feiern zum Día de los Muertos sowie für Latina Lesbians (1986–1990) lesbische Latinas, deren Porträts sie mit handschriftlichen Selbstaussagen kombinierte. In How Mexican Is Mexican (1990) befragte sie Zugehörigkeit zur mexikanisch-amerikanischen Kultur, während das Triptychon Three Eagles Flying (1990) sie barbusig, gefesselt und zwischen der mexikanischen und der US-amerikanischen Flagge zeigt. Für Plush Pony (1992) porträtierte sie Besucherinnen einer lesbischen Bar mit vorwiegend mexikanisch-amerikanischem Arbeiterinnenpublikum und schuf ein seltenes Zeugnis queeren Alltagslebens in Los Angeles. Mit dem Akt-Selbstporträt In Sandy’s Room (1989) übertrug sie das Motiv der liegenden Venus in einen ungeschönten häuslichen Alltag und bestimmte die Bedingungen des Betrachtetwerdens selbst. Seit Nature Self-Portrait (1996) ordnete sie ihren nackten Körper in Wüsten-, Fels- und Wasserlandschaften ein, sodass seine Formen mit den Konturen und Schatten der Umgebung korrespondieren. In der farbigen Serie Grounded (2006–2007) entwickelte sie dieses Verhältnis zu Bildern weiter, die weniger Absonderung als Zugehörigkeit ausdrücken. Die erste umfassende Retrospektive Laura Aguilar: Show and Tell wurde 2017 mit mehr als 130 Arbeiten am Vincent Price Art Museum eröffnet und später unter anderem am Leslie-Lohman Museum of Art in New York gezeigt.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Carolina A. Miranda: Photographer Laura Aguilar, chronicler of the body and Chicano identity, dies at 58. In: Los Angeles Times. 25. April 2018, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 Holland Cotter: She Turned Her Audacious Lens on Herself, and Shaped the Future. In: The New York Times. 22. April 2021, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  3. 1 2 Claudia Zapata: Laura Aguilar Photographs in Focus: Latina Lesbians. In: Smithsonian American Art Museum. 30. Juni 2021, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  4. ↑ Che Gossett: ‘Photography Makes Me Look Within’: a Tribute to Laura Aguilar (1959–2018). In: Frieze. 2. Mai 2018, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  5. 1 2 3 Leah Ollman: Review: Laura Aguilar at the Vincent Price museum: Turning a lens toward Latinas, lesbians and the large-bodied. In: Los Angeles Times. 7. Oktober 2017, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  6. 1 2 Michelle Hart: A Mexican-American Photographer’s Body, On Display and Invisible. In: The New Yorker. 29. November 2017, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  7. ↑ Carolina A. Miranda: Stories of the Plush Pony: Artist Laura Aguilar’s portraits capture a lost era at a working-class lesbian bar. In: Los Angeles Times. 3. November 2017, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  8. ↑ Jane Ursula Harris: Looking Back on Laura Aguilar’s Pioneering Vision. In: Frieze. 26. April 2021, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Aguilar, Laura
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Fotografin
GEBURTSDATUM 26. Oktober 1959
GEBURTSORT San Gabriel, Kalifornien
STERBEDATUM 25. April 2018
STERBEORT Long Beach, Kalifornien