Le Timbre-Poste

Le Timbre-Poste
Beschreibung belgische französischsprachige philatelistische Monatszeitschrift
Fachgebiet Philatelie, Postgeschichte, Philatelistische Literatur
Sprache Französisch
Verlag Jean-Baptiste Moens, Brüssel (Belgien)
Hauptsitz Brüssel
Erstausgabe 15. Februar 1863
Einstellung 1900
Gründer Jean-Baptiste Moens
Erscheinungsweise monatlich
Chefredakteur Louis Hanciau
Herausgeber Jean-Baptiste Moens
Artikelarchiv Digitalisierte Ausgaben bei den Smithsonian Libraries and Archives

Le Timbre-Poste war eine französischsprachige philatelistische Monatszeitschrift, die von 1863 bis 1900 in Brüssel erschien. Herausgeber war der belgische Briefmarkenhändler und Katalogautor Jean-Baptiste Moens; die Redaktion lag bei Louis Hanciau. Die Zeitschrift gehört zu den frühesten ausschließlich philatelistischen Periodika und gilt als erste französischsprachige philatelistische Fachzeitschrift. Sie ist damit ein frühes Beispiel philatelistischer Literatur und wird in der Liste philatelistischer Zeitschriften geführt.

Geschichte

Die erste Ausgabe von Le Timbre-Poste erschien am 15. Februar 1863. Die Zeitschrift trug den Untertitel Journal du collectionneur und richtete sich an Sammler von Briefmarken. Sie erschien monatlich und wurde von Jean-Baptiste Moens in Brüssel herausgegeben.

Weltweit war Le Timbre-Poste nicht das erste philatelistische Periodikum. Bereits am 15. Dezember 1862 war in Liverpool The Monthly Advertiser erschienen, das ab der dritten Ausgabe unter dem Titel The Stamp Collectors’ Review and Monthly Advertiser fortgeführt wurde und in der philatelistischen Literatur als erste ausschließlich der Philatelie gewidmete Zeitschrift gilt. Le Timbre-Poste folgte jedoch nur wenige Monate später und wurde zu einem der wichtigsten frühen französischsprachigen Fachblätter der Philatelie.

Nach der bibliografischen Beschreibung in der Crawford Library umfasste Le Timbre-Poste 38 Jahrgänge mit insgesamt 456 Nummern und erschien bei J.-B. Moens in Brüssel von 1863 bis 1900. Die Crawford Library, die heute zur British Library gehört, ist eine der bedeutenden Sammlungen philatelistischer Literatur und wird auch in der Liste philatelistischer Bibliotheken genannt. Eine nahezu vollständige Folge von Le Timbre-Poste wurde später selbst zu einem Gegenstand philatelistischer Literatur- und Bibliothekssammlungen; ein Auktionskatalog von Corinphila beschreibt unter anderem die Nummern 1 bis 312 der ersten 26 Jahre sowie weitere Hefte bis 1900.

Redaktion und Inhalt

Die Zeitschrift erschien unter dem Namen und im Verlag von Jean-Baptiste Moens. Nach bibliografischer Angabe der Crawford Library wurde sie von Louis Hanciau redigiert. Auch spätere philatelistische Darstellungen betonen, dass Hanciau für einen großen Teil der literarischen Arbeit der von Moens veröffentlichten Schriften verantwortlich war.

Le Timbre-Poste berichtete über neu erschienene Briefmarken, Briefmarkenkataloge, Sammelgebiete, Briefmarkenfälschungen, Nachdrucke, philatelistische Entdeckungen und Forschungsergebnisse. Die Zeitschrift stand damit am Übergang vom frühen Briefmarkenhandel zur fachlich organisierten Philatelie. Nach einer Darstellung von Philapress veröffentlichte Moens bereits 1862 die Schrift De la falsification des timbres-poste über Briefmarkenfälschungen und gründete 1863 die französischsprachige Monatszeitschrift Le Timbre-Poste, die er bis 1900 leitete.

Inhaltlich verband die Zeitschrift Postgeschichte, Beschreibung von Ausgaben, Nachrichten zu Postwertzeichen, Preis- und Marktinformationen sowie Diskussionen über Echtheit, Druck, Papier, Farbe, Entwertung und Varianten. Damit gehörte sie zu jenen frühen Fachzeitschriften, die das Sammeln von Briefmarken von einer Modeerscheinung zu einem spezialisierten Wissens- und Forschungsgebiet entwickelten.

Le Timbre Fiscal

Neben Le Timbre-Poste gab Moens auch Le Timbre Fiscal heraus, eine Zeitschrift zu Stempelmarken und fiskalischen Sammelgebieten. Die Crawford Library beschreibt Le Timbre Fiscal als journal du collectionneur, erschienen in 23 Jahrgängen von 1874 bis 1896 mit 268 Nummern; als Redakteure werden nacheinander Louis Hanciau und Jacques Legrand genannt.

In späteren Jahrgängen wurden beide Titel verbunden. 1897 erschien die Zeitschrift unter dem Titel Le Timbre-Poste et le Timbre Fiscal. Dadurch weitete sich das Spektrum vom klassischen Briefmarkensammeln auf fiskalische Wertzeichen und damit auf angrenzende Bereiche der Philatelie aus.

Bedeutung

Le Timbre-Poste war eines der langlebigsten frühen philatelistischen Periodika. Während viele frühe Sammlerblätter nur kurz erschienen, bestand die Zeitschrift über fast vier Jahrzehnte. Sie war eng mit dem Geschäft, den Katalogen und den Veröffentlichungen von Jean-Baptiste Moens verbunden, der zu den Pionieren des europäischen Briefmarkenhandels gehörte.

Für die französischsprachige Philatelie war die Zeitschrift besonders wichtig, weil sie vor späteren französischen Fachblättern wie Le Collectionneur de timbres-poste von Arthur Maury und Le Timbrophile von Pierre Mahé erschien. Für Frankreich selbst nennt Marthe Bobik das 1864 gegründete Le Collectionneur de timbres-poste als Beginn der französischen philatelistischen Presse; Le Timbre-Poste erschien dagegen bereits 1863 in Brüssel.

Als frühe philatelistische Fachzeitschrift gehört Le Timbre-Poste in den Zusammenhang der philatelistischen Literatur und der internationalen philatelistischen Zeitschriften. Spätere Zeitschriften wie The Philatelic Record und The London Philatelist standen in einer bereits stärker institutionalisierten Phase der Philatelie, während Le Timbre-Poste noch zur Frühphase des organisierten Briefmarkensammelns gehörte.

Commons: Le Timbre-Poste – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Royal Philatelic Society London (Hrsg.): Specimens of Philatelic Literature. S. 27–29 (englisch, org.uk [PDF; abgerufen am 11. Juni 2026]).
  2. 1 2 3 Revues. In: Mémoires de la Timbrologie. Abgerufen am 11. Juni 2026 (französisch).
  3. 1 2 3 Michael Burzan: König der Händler: Jean-Baptiste Moens. In: Philapress. 21. April 2022, abgerufen am 11. Juni 2026.
  4. ↑ Periodicals – Belgium; Moens J.-B. 1863/88: Le Timbre-Poste – Journal du collectionneur. In: Corinphila Auktionen. Abgerufen am 11. Juni 2026.
  5. ↑ Le Philatéliste Belge / De Belgische Filatelist, Nr. 21. (PDF) Académie Royale de Philatélie de Belgique, abgerufen am 11. Juni 2026 (französisch).
  6. ↑ Le Timbre-Poste et le Timbre Fiscal. Journal du collectionneur. Band 38. Bruxelles 1900 (französisch, org.uk [PDF; abgerufen am 11. Juni 2026]).
  7. ↑ Marthe Bobik: Passion – collection. L’univers de la philatélie. In: Nouvelles de l’estampe. Nr. 239, 2012, S. 54–57, doi:10.4000/estampe.1024 (französisch, openedition.org [abgerufen am 11. Juni 2026]).