Leaps and Bounds

Leaps and Bounds
Studioalbum von Verona Sextet

Veröffent-
lichung

2026

Aufnahme

14./15. Oktober 2024

Label(s)

ezz-thetics

Format(e)

CD, Download

Genre(s)

Neue Improvisationsmusik

Titel (Anzahl)

7

Länge

44:46

Besetzung

Produktion

Sergio Armaroli

Studio(s)

Sotto il Mare, Verona

Leaps and Bounds ist ein Musikalbum des Verona Sextett um Steve Piccolo. Die am 14. und 15. Oktober 2024 im Studio Sotto il Mare in Verona entstandenen Aufnahmen erschienen 2026 auf ezz-theics.

Hintergrund

Das Verona Sextet bildete der Vokalist, Live-Elektroniker und Performancekünstler Steve Piccolo mit dem Vibraphonisten Sergio Armaroli, den beiden Pianistinnen Francesca Gemmo und Magda Mayas, dem Gitarristen Elliott Sharp und dem Schlagzeuger Tony Buck. Piccolo und Armaroli hatten zuvor gemeinsam mit dem Gitarristen Elliott Sharp ein Album namens Blue in Mind aufgenommen.

Titelliste

  1. Whatever You Do, Don’t 7:19
  2. Department of Interdictions 8:53
  3. Zymo (Elliott Sharp) 7:38
  4. Self-Imposed and Self-Regulated 5:35
  5. Open Spheres 6:11
  6. The More They Say It or It Says (Francesca Gemmo) 4:04
  7. That We Are in an Increasingly Permissive Society 5:06

Soweit nicht anders angegeben stammen alle Kompositionen vom Verona Sextet.

Rezeption

Magda Mayas (2009)

Die Musik des Dichters und Sängers Steve Piccolo habe seit seiner Zeit als Mitglied der Lounge Lizards stets etwas Schwebendes und Geheimnisvolles an sich, meinte Franpi Barriaux in seiner Besprechung des Albums in Citizen Jazz. Mit seiner tiefen, leicht verschleierten Stimme würde der New Yorker eine besondere Aura ausstrahlen und es stets verstehen, sich mit Musikern zu umgeben, die eine nächtliche, urbane und unnachahmliche Atmosphäre schaffen – so wie man es in „Whatever You Do, Don’t“, dem ersten Stück des Verona Sextetts, im doppelten Echo der Klaviere von Magda Mayas und Francesca Gemmo hören könne.

Es überrasche auch nicht, dass der einfallsreiche und sehr farbenfroh [agierende] Tony Buck dieses Sextett vervollständigt, bei dem die Improvisation im Mittelpunkt stehe, so die Autoren weiter. In der Klaviaturmechanik, die das Herzstück von Leaps and Bounds bilde, sei er zusammen mit Sharp der Stein im Schuh, die Abzweigung, die diesem von Elektronik umgebenen Konzentrat an Empfindungen („Zyno“) einen zusätzlichen Hauch von Poesie verleihe. Piccolo sei zwar wortkarg, doch seine Arbeit am Klang sage mehr als tausend Worte. Bei „Open Spheres“, wo die beiden Klaviere ein einzigartiges Motiv schaffen, das wie durch ein traumhaftes Sieb gefiltert wirkt, habe man das Gefühl, dass jeder Ton den seines unmittelbaren Nachbarn fortsetzt, wie eine lange Litanei von Echos, die die Elektronik sanft verarbeitet, ohne den Kern der Aussage zu verfälschen, als wolle sie ins Unendliche streben.

In der Arbeit des Ensembles sei das Bestreben nach einem kollektiven Ansatz spürbar, auch wenn der sehr zeitgenössische Ansatz von Mayas und Armaroli den Kern des Ganzen bilde, hieß es weiter. Die jüngste Zusammenarbeit von Gemmo mit dem Vibraphonisten Armaroli auf Monkian Florilegio zeige, dass es hier um mehr als nur eine gemeinsame Ideologie gehe, sondern um echten Zusammenhalt. Leaps and Bounds sei „eine Musik der Persistenz (retinal, klanglich, kognitiv) und des Unbewussten, in einem Zustand traumhaften Umherirrens“, der so gut zur Ästhetik von Piccolo passe. Dies sei „eine Musik des Loslassens“.

Ein vereinzelter Akkord auf dem Piano, ein Kratzer auf der kleinen Trommel, aus dem Off das Vibraphon und eine Stimme, die sagt: „Planning is not permitted. Please do not plan anything for the duration of the event.“ Die Musik des Verona Sextet würde keine Gedanken beschreiben, „sie lässt sie lebendig werden“, heißt es in den Liner Notes, so zitiert Holger Pauler in Jazzthetik. „Halte es stets offen“, könnte man in Anlehnung an John Cage ergänzen. Steve Piccolo, der US-Amerikaner aus Italien, würde sich in dieser Tradition sehen, doch dienten ihm auch Schriftsteller wie Virginia Woolf, James Joyce oder Marcel Proust als Inspiration. Piccolo habe fünf Musiker um sich versammelt, um eben jene Gedanken musikalisch umzusetzen. Das Konzept gehe zwar musikalisch nicht immer auf, dennoch würden die Momente überwiegen, in denen man magisch hineingezogen werde. Das gelte etwa für Sharps Stück „Zymo“, das mit zahlreichen Effekten „einen sphärischen Klangteppich erzeugt, der an eine postindustrielle Landschaft erinnert: kleinteilig aber eben doch flächenhaft massiv“. Die Titel „Self-imposed and Self-regulated“ und „Open Spheres“ würden diese Stimmung verdichten, ehe die letzten beiden, ineinander übergehenden Songs „The More They Say Or It Says“ und „That We Are In An Increasingly Permissive Society“ Offenheit im Widerspruch einforderten.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Franpi Barriaux: Verona Sextet: Leaps and Bounds. In: Citizen Jazz. 27. September 2026, abgerufen am 6. Oktober 2026 (französisch).
  2. ↑ Verona Sextet – Leaps And Bounds. In: Discogs. Abgerufen am 6. Oktober 2026 (englisch).
  3. ↑ Holger Pauler: Jazzthetik empfiehlt. In: Jazzthetik. 10. September 2026, abgerufen am 6. Oktober 2026.