Schlitzkabel

Schlitzkabel mit Öffnungen im gewellten Außenleiter eines Koaxialkabels

Schlitzkabel, auch Leckkabel, Leckleitung oder Strahlerkabel genannt, sind elektrische Leckwellenleiter wenn gezielt eine Fehlabschirmung des Außenleiters über die gesamte Länge des Schlitzkabels erfolgt. Diese können z. B. für Video-, Rundfunk-, Mobilfunk- oder WLAN-Signale verwendet werden, wodurch lange Innenbereiche, z. B. U-Bahn-Tunnel, gleichmäßig und kostengünstig mit Funkdiensten versorgt werden können.

Sofern Schlitzkabel nicht durchgehend eine Fehlbelegung aufweisen, können in dem bezogen auf die Betriebswellenlänge gezielt Schlitze sowie durch den Abstand der Schlitze in definierten Länge aufgebracht werden, Antennenelemente für eine langgestreckte Phased Array-Antennen gebildet werden. Hierdurch werden z. B. Phased-Array-Antennen für z. B. ILS-Localizer und Glide-Path-Antennen-Arrays für gerichtete Abstrahlungen mit Reichweiten von bis zu 25 NM gebildet.

Schlitzkabel sind eine Sonderform von Koaxialkabeln, da durch gezielt erzeugte Fehlbelegungen der äußeren Abschirmung eines Koax-Kabels, in Form von kleinen Schlitzen, einem durchgehenden Schlitz oder einer gezielten Fehlbelegung des Aderngeflechts des Außenleiters (Schirm), über diese Fehlbelegungen des Außenleiters HF-Signale im Betriebsfrequenzbereich des Schlitzkabels über das Kabel abgestrahlt und/oder aufgenommen.

Funktion

Längsansicht durch eine koaxiale Leckleitung mit gewollter Fehlbelegung des Außenleiter
Schnitt durch eine koaxiale Leckleitung mit gewollter Fehlbelegung des Außenleiter

Die Öffnungen im Außenleiter bilden Inhomogenitäten des Wellenleiters, an denen HF-Energie aus dem Kabel austreten kann. Das elektromagnetische Feld zwischen Innen- und Außenleiter, hier zunächst der Magnetfeldanteil, erzeugt im Schirm einen Oberflächenstrom. Die Umleitung des Oberflächenstroms um die Öffnung im Schirm erzeugt ein Dipolmoment am Ort des Schlitzes. In der Folge wirkt jeder Schlitz als Aperturstrahler, und der magnetische Feldanteil des elektromagnetischen Feldes zwischen Außen- und Innenleiter wird anteilig abgestrahlt. Der elektrische Feldanteil der Welle durchdringt die Öffnung ebenfalls, aber senkrecht zum magnetischen Feldanteil. Durch Größe, Form und Abstand der Öffnungen lässt sich das Abstrahlverhalten eines Schlitzkabels beeinflussen und einstellen.

Während man bei normalen Koaxialkabeln möglichst geringe Verluste anstrebt (die am Kabelende ankommende Signalleistung soll möglichst der am Leitungsanfang eingespeisten Leistung gleichen), verlässt hier ein Teil der eingespeisten Leistung das Kabel kontrolliert an jedem Schlitz. Anders als bei der Signaldämpfung durch Verlustwiderstände eines Kabels wird sie dabei jedoch nicht in Wärme umgewandelt, sondern steht als Funksignal im bestrahlten Raum zur Verfügung.

Eigenschaften

Der Leitungswellenwiderstand oder Wellenwiderstand beträgt meist 50 Ohm oder 75 Ohm, und ehemals in Deutschland und einigen wenigen Ländern wurde als Kompromiss zwischen beiden auch 60 Ω als Wellenwiderstand genormt. Schlitzkabel besitzen meist eine hohe Frequenzbandbreite, d. h., es kann ein breites Spektrum von Frequenzen übertragen werden. Liegen die Schlitze über nur einem radialen Winkelsegment entlang des Kabels, lässt sich nur in unmittelbarer Nähe des Schlitzkabels eine Richtwirkung erkennen. Im Fernbereich ist die Abstrahlcharakteristik gleichförmig radial. Die Signaldämpfung nimmt mit der Frequenz sowie mit der Kabellänge zu und der verhältnismäßig geringe Antennengewinn nimmt über die Kabellänge ab. Dieser Effekt beschränkt die nutzbare Länge eines Schlitzkabels. Er lässt sich prinzipiell z. B. durch eine Erhöhung der Anzahl der Schlitze zum Kabelende hin kompensieren.

Anwendungen

Mit Hilfe von Schlitzkabeln können vorzugsweise lange schmale Bereiche mit Funkdiensten versorgt werden. Einsatzgebiete sind z. B.:

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 FAA-RD-75-153, Instrument Landing System Measurement Program, 1975-04. (archive.org [PDF; abgerufen am 4. Mai 2026]).
  2. 1 2 Hochfrequenzkabel, Bauformen, Werkstoffe, Herstellungsverfahren, Sonderkonstruktionen, Karl Kluge, Telefunken, Weitverkehr und Kabeltechnik Sonderdruck, Technische Rundschau, Bern (1972) Nr. 16, Seiten 17-23.
    1. ↑ Seite 12 bis 13
  3. Massachusetts Institute of Technology Radiation Laboratory Series, Book 09, Microwave Transmission Circuits, George L. Ragan, 1948. (archive.org [abgerufen am 25. April 2026]).
    1. ↑ 2.10. Characteristics of Some Common Waveguides