Leid, veraltend und poetisch auch Harm, bezeichnet als Sammelbegriff all das, was einen Menschen körperlich und seelisch belastet. Als Leid werden beispielsweise empfunden:
Leid stellt eine Grunderfahrung von Menschen und anderen Tieren dar. In welcher Tiefe Leid empfunden wird, ist subjektiv und hängt vom Einzelnen ab, also von den eigenen Erfahrungen und Einstellungen.
Das deutsche Wort Leid (mittelhochdeutsch auch leit und regional laid für ‚Trauer, Leid, Harm‘, althochdeutsch leid für ‚das Betrübende, Schande, Beleidigung‘, ist ein Substantiv zum mittelhochdeutschen und althochdeutschen Adjektiv leid für ‚betrübend, widerwärtig‘ und geht auf germanisch *laiþa- für ‚abgeneigt sein‘ zurück und ist verwandt mit indogermanisch *leit- (‚verabscheuen‘). Anderer Herkunft ist das Verb leiden (vgl. Leidensdruck). Das bereits im Frühneuhochdeutschen veraltende Wort Harm für Leid geht auf germanisch *harma- zurück. In Klassifikationen von Affekten (Passionslisten) ist achos bei Pseudo-Andronikus die griechische Entsprechung für Leid, im Lateinischen luctus bei Tusculanus.
Die Religionen beschäftigen sich auch mit Fragen wie: Warum existiert das Leid?, Welchen Sinn und Zweck hat das Leid? sowie Wie kann das Leid überwunden werden?.
Im Buddhismus spielt das Leid als Dukkha in den Vier Edlen Wahrheiten eine zentrale Rolle. Das Leben im Daseinskreislauf ist leidvoll. Das Konzept des Karma erklärt das Leid als Ergebnis früherer Handlungen. Völlige Auslöschung der Gier kann zur Überwindung des Leidens (Nirwana) führen.
Die abrahamitischen Religionen begründen das Leid mit der Existenz Satans und daher auch mit dem Bösen in Menschen, die anderen Leid zufügen.
Der Konflikt zwischen der Existenz des Leids und dem Glauben an einen allmächtigen und gütigen Gott führt zum Theodizeeproblem. Unter anderem das alttestamentliche Buch Ijob beschäftigt sich mit dieser Frage.
Das Leiden Christi, also die Passion und der Kreuzestod Jesu, bilden für die Erlösung im Christentum eine wesentliche Voraussetzung.
Im Islam prüft Allah die Gläubigen durch das Leid. Bei den Sunniten hat das Leid keine Heilsbedeutung. Bei den schiitischen Passionsspielen jedoch können die Gläubigen durch ertragenes Leiden ihre Sünden abbüßen.
Andererseits führt religiöser Fundamentalismus häufig zu Gewalt und verursacht dadurch viel Leid.
Religionswissenschaftler weisen darauf hin, dass es insbesondere für die abrahamitischen Religionen nie eine leichte Aufgabe war, eine Erklärung für den Ursprung des Bösen zu finden. Es seien mehrere Versuche unternommen worden, den Monotheismus und die Attribute Gottes vor Dualismen (wie z. B. Gnostizismus, Paulizismus, Katharismus) zu bewahren und die Vorstellung zu vermeiden, die Anzahl der Attribute Gottes müsse reduziert werden, um so die Spannung zwischen der Existenz des Bösen und der göttlichen Allmacht und Allgüte aufzulösen.
In seinem 1975 erschienenen Buch Animal Liberation postuliert der australische Philosoph und Ethiker Peter Singer, der zusammen mit Tom Regan als Begründer der modernen Tierethik gilt, dass auch andere Tierarten die Fähigkeit besitzen, Leid zu empfinden, mit Ausnahme der sogenannten „niederen Tiere“ wie Krebstieren oder Insekten, bei denen dies nicht gesichert sei. Schon 1780 sah Bentham in der Leidensfähigkeit von Tieren das entscheidende Kriterium hinsichtlich einer moralischen Rücksichtnahme, die auch auf die Tiere ausgedehnt werden sollte, was heute als Pathozentrismus bezeichnet wird.
Das Kriterium der Leidensfähigkeit bildet daher auch einen wichtigen Ansatz in der Philosophie der Tierrechte.
Das deutsche Tierschutzgesetz verbietet es grundsätzlich in § 1, „[...] einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden [zu]zufügen.“
§ 5 des österreichischen Bundesgesetzes über den Schutz der Tiere besagt u. a.: „Es ist verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.“
„Das schnellste Tier, das euch zur Vollkommenheit trägt, das ist das Leid; denn niemand genißet mehr ewige Seligkeit, als wer mit Christus in der tiefsten Bitternis steht.“
„Suche im Leiden den Samen deines künftigen geistigen Wachstums, sonst ist das Leben sehr bitter.“
„Je tiefer wir das Leiden durchschauen, umso näher kommen wir dem Ziel der Befreiung vom Leiden.“
„Der negative Zentralbegriff des Buddhismus ist das Leiden, der negative Zentralbegriff des Christentums ist die Schuld.“