Leidenhof

Reste des Leidenhofs in Kitzingen

Der Leidenhof (ursprünglich Pleidenhof; Adresse Ritterstraße 25) ist ein historischer Gebäuderest in der Altstadt der Großen Kreisstadt Kitzingen in Unterfranken. Das Baudenkmal ist eng mit den Ereignissen des Deutschen Bauernkriegs in der Stadt verbunden.

Geschichte

Brunnen am ehemaligen Leidenhof
Tor zum Leidenhof mit der Jahreszahl „1545“

Der Bau erhielt seinen Namen ursprünglich von den hier gelagerten Steinschleudern bzw. Bliden und wurde in der Bevölkerung Pleidenhof genannt. Nach der Niederschlagung des Bauernaufstandes im Jahr 1525 wurde der Hof zum Ort der Bestrafung der Bauern gemacht. Markgraf Kasimir ließ 60 am Bauernkrieg beteiligte Personen am 9. Juni 1525 im Hof blenden. Neun weitere wurden in Würzburg hingerichtet, insgesamt 134 ließ er der Stadt verweisen. In der Folge setzte sich die Bezeichnung Leidenhof in der Bevölkerung durch.

Die Anlage scheint nach den Ereignissen neu errichtet worden zu sein. Hiervon zeugt die Toreinfahrt, über der die Jahreszahl 1545 angebracht wurde. Der Neubau ging mit einer Nutzungsänderung einher. Eine Inschrift an der Nordwand gibt darüber Auskunft: „[An]no D[omi]ni. 1545 Haben Bürgermeister vn Rath alline dises kaste oder kornhaus von neuen bauen lassen“. Vom ehemaligen Kornhaus ist heute lediglich ein dreiseitiges Mauerstück erhalten. Die Anlage wird vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Baudenkmal eingeordnet.

Beschreibung

Der ehemalige Leidenhof, der auch der angrenzenden Straße den Namen gab, besteht heute noch aus dem unteren Teil der östlichen Außenmauer. Die Bruchsteinmauer weist mehrere bauliche Strukturen auf, die davon zeugen, dass der Leidenhof zu den repräsentativen Baulichkeiten in der Stadt gehörte. Im Mittelteil ist eine einfache Toreinfahrt mit Profilierung und Jahreszahl zu finden. An der nördlichen Wand befindet sich ein Brunnen mit einem kelchförmigen Becken unter einer rechteckigen Ädikula-Rahmung, der wohl auch auf die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts zu datieren ist.

Die Inschriftentafel in der nördlichen Wand wurde mit einem geschulterten Spitzbogen ausgestattet, der ebenfalls reiches Profil aufweist. Die Anlage wird noch heute von mehreren Vorhangbogenfenstern durchlichtet, deren Rahmungen und Mittelpfosten gekehlt wurden. Der Würzburger Kunsthistoriker Stefan Bürger weist darauf hin, dass die Fenster Ähnlichkeiten mit dem 1544 fertiggestellten Bibraerker am Würzburger Rathaus Grafeneckart aufweist.

Literatur

Commons: Leidenhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Peter Blickle: Gemeindereformation. Die Menschen des 16. Jahrhunderts auf dem Weg zum Heil. München 1987. S. 82.
  2. ↑ Stefan Bürger: Frühe Renaissancebaukunst in Unterfranken. Ein Überblick zur Baukultur zwischen Bauernkrieg und Echterzeit 1525 bis 1573 (= QUellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg. Sonderveröffentlichung). Echter Verlag, Würzburg 2026, ISBN 978-3-429-06866-0. S. 195.
  3. ↑ Stefan Bürger: Frühe Renaissancebaukunst in Unterfranken. Ein Überblick zur Baukultur zwischen Bauernkrieg und Echterzeit 1525 bis 1573 (= QUellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg. Sonderveröffentlichung). Echter Verlag, Würzburg 2026, ISBN 978-3-429-06866-0. S. 196.

Koordinaten: 49° 44′ 13,5″ N, 10° 9′ 42,6″ O