Leif Steguweit

Leif Steguweit (* 18. Oktober 1967 in Köthen) ist ein deutscher Prähistoriker und wissenschaftlicher Leiter einer archäologischen Grabungsfirma.

Leben

Nach dem Abitur 1986 an der Arnoldischule in Gotha wurde Steguweit am Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) als Grabungstechniker in der Abteilung Bodendenkmalpflege angestellt. Seitdem leitet er eigene archäologische Ausgrabungen. Von 1987 bis 1988 leistete er den Grundwehrdienst in der NVA. Von 1988 bis 1990 absolvierte er berufsbegleitend ein Fachschulfernstudium zum Grabungstechniker am Museum für Deutsche Geschichte in Berlin.

Von 1990 bis 1997 studierte er Ur- und Frühgeschichte und Geologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen mit Abschluss Magister Artium 1997. Von 1997 bis 2001 war Steguweit wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt zum Fundplatz Bilzingsleben an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Es folgten Werkverträge bei den Ausgrabungen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am Fundplatz Krems-Hundssteig (2001–2002). Im Jahr 2002 wurde er bei Hansjürgen Müller-Beck zum Dr. phil. promoviert. 2003 leitete er die Dienststelle Schkeuditz des Landesamtes für Archäologie Sachsen und war Grabungsleiter beim Bau der MITGAS-Trasse in Nordsachsen.

Von 2003 bis 2013 war er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). 2014 gründete er das Grabungsunternehmen ASF – Archäologie-Service Franken GmbH mit Sitz in Hiltpoltstein, dessen Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter er seitdem ist.

Forschung und Arbeitsschwerpunkte

Steguweits Forschungsschwerpunkt liegt im Paläolithikum bis Neolithikum Mitteleuropas, insbesondere der Urgeschichte Bayerns. Er beschäftigt sich mit methodischen Fragen bei der Gebrauchsspurenanalyse an Steinartefakten und Schnittspuranalyse an Knochen, mit Fragestellungen der experimentellen Archäologie und Grabungstechnik. Neben wissenschaftlichen Publikationen verfasst er populärwissenschaftliche Aufsätze und ist an Medienbeiträgen zur Urgeschichte sowie der Popularisierung von Grabungsergebnissen beteiligt.

Seit 2014 führt er als Leiter der ASF – Archäologie-Service Franken GmbH eine Vielzahl von Ausgrabungen in Bayern durch. Hintergrund ist die im Bayerischen Denkmalschutzgesetz verankerte kommerzielle Archäologie. Zu den Ausgrabungen unter seiner Leitung gehörten die Erschließung eines Gewerbegebietes in Nürnberg-Boxdorf, bauvorgreifende Untersuchungen am bandkeramischen Fundplatz Dittenheim oder an der Stadtmauer von Gunzenhausen. Im Baugebiet Burgthann-Ezelsdorf wurde in der Nähe des Goldhuts von Ezeldorf die wahrscheinlich zugehörige Siedlung der späten Bronzezeit untersucht.

Mitgliedschaften

Steguweit war von 2003 bis 2014 Schriftführer der Hugo-Obermaier-Gesellschaft und führte ihre Geschäftsstelle in Erlangen. Von 2007 bis 2013 war er Zweiter Vorsitzender des Fördervereins der Ur- und Frühgeschichtlichen Sammlung der Universität Erlangen. Im Landesverband selbständiger Archäologen in Bayern war er von 2017 bis 2023 Erster Vorstand und von 2015 bis 2017 sowie von 2023 bis 2024 als Schriftführer tätig.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Monografien

Herausgeberschaften

Wissenschaftliche Aufsätze (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Leif Steguweit: Ein jungbronzezeitliches Gräberfeld von Seethen, Kr. Gardelegen. In: Ausgrabungen und Funde. Band 35, Nr. 4, 1990, ISSN 0004-8127, S. 179–185.
  2. ↑ Leif Steguweit: Ein Urnengräberfeld der Römischen Kaiserzeit von Lotsche, Lkr. Gardelegen. In: Archäologische Informationen aus der Altmark. Band 3. Tangermünde 1992, ISBN 3-925861-10-6, S. 23–26.
  3. ↑ Neue Untersuchungen am mittelpleistozänen Flintinventar von Lübbow, Ldkr. Lüchow-Dannenberg. In: Die Kunde N.F. 49, 1998, S. 1–40 (=Kurzfassung der Magisterarbeit)
  4. ↑ Leif Steguweit: Schnittspuren am osteologischen Material der Neugrabungen in Krems-Hundssteig. In: Christine Neugebauer-Maresch (Hrsg.): Krems-Hundssteig – Mammutjägerlager der Eiszeit. Ein Nutzungsareal paläolithischer Jäger- und Sammler(innen) vor 41.000–27.000 Jahren (= Mitteilungen der Prähistorischen Kommission). Band 67. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2008, ISBN 978-3-7001-3881-5, S. 292–293.
  5. ↑ Leif Steguweit: Gebrauchsspuren an Artefakten der Hominidenfundstelle Bilzingsleben (Thüringen). Tübinger Arbeiten zur Urgeschichte, Bd. 2. Verlag Marie Leidorf, Rahden/Westf. 2003, ISBN 3-89646-852-9.
  6. ↑ Kurzbeschreibung Dissertation (DFG-Förderung GEPRIS). Abgerufen am 20. Juli 2026.
  7. ↑ Leif Steguweit: Kupferschmuck im Steinzeitgrab. In: Archäologie in Deutschland. Nr. 6/2003, 2003, ISSN 0176-8522, S. 49–50.
  8. ↑ Leif Steguweit; Harald Stäuble: Mann aus Ton – Ein 7000 Jahre altes Fruchtbarkeitssymbol? In: Archäologie in Deutschland. Nr. 6/2003, 2003, ISSN 0176-8522, S. 7.
  9. ↑ Dr. Leif Steguweit. In: Institut für Ur- und Frühgeschichte, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Abgerufen am 19. Juli 2026.
  10. ↑ Team – Dr. Leif Steguweit. In: ASF – Archäologie-Service Franken GmbH. Abgerufen am 19. Juli 2026.
  11. ↑ Leif Steguweit: Belege für Recurve-Bogen in der europäischen Jungsteinzeit. In: Volker Alles (Hrsg.): Reflexbogen. Geschichte und Herstellung. Verlag Angelika Hörnig, Ludwigshafen 2009, ISBN 978-3-938921-12-8, S. 10–25.
  12. ↑ Leif Steguweit: Neue paläolithische Funde aus Bayern. In: Miloslav Chytráček; Heinz Gruber; Jan Michálek; Ruth Sandner; Karl Schmotz (Hrsg.): Fines Transire. Archäologische Arbeitsgemeinschaft Ostbayern / West- und Südböhmen / Oberösterreich. 20. Treffen vom 23. bis 26. Juni 2010 in Eschenbach i.d.OPf. Verlag Marie Leidorf, Rahden/Westf. 2011, ISBN 978-3-89646-214-5, S. 43–52.
  13. ↑ Leif Steguweit; Marc Händel: Ein neuer jungpaläolithischer Fundkomplex aus der Tunnelhöhle bei Sinzing. In: Das archäologische Jahr in Bayern 2009. Konrad Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2397-2, S. 11–13.
  14. ↑ Leif Steguweit: Neue Funde aus Bayerns Altsteinzeit. In: Bayerische Archäologie. Nr. 3/2013, 2013, ISSN 1869-5566, S. 36–37.
  15. ↑ Leif Steguweit: Zur Gebrauchsspurenanalyse an paläolithischen Feuersteinartefakten. In: Günther A. Wagner; Dietrich Mania (Hrsg.): Frühe Menschen in Mitteleuropa – Chronologie, Kultur, Umwelt. Shaker, Aachen 2001, ISBN 978-3-8265-9494-6, S. 113–130.
  16. ↑ Leif Steguweit: Mikroskopische Untersuchungen zu menschlichen Manipulationen an Tierknochen des Saale-Spätglazials (MIS 6) aus Jänschwalde. Das Spätsaale-/Eem-Vorkommen und der mittelpaläolithische Fundplatz Jänschwalde. In: Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (Hrsg.): Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg. Band 28. Wünsdorf 2016, ISBN 978-3-910011-74-8, S. 215–232.
  17. ↑ Leif Steguweit: Experimente zum Weichmachen von Elfenbein. In: Gunter Schöbel (Hrsg.): Experimentelle Archäologie in Europa. Bilanz 2010. Band 9. Isensee, Oldenburg 2010, ISBN 978-3-89995-739-6, S. 55–63.
  18. ↑ Leif Steguweit: Schnittspur oder Tierverbiss? Ein Beitrag zu Modifikationen auf pleistozänen Knochenoberflächen. In: Ronald de Beauclair; Susanne C. Münzel; Hannes Napierala (Hrsg.): Knochen pflastern ihren Weg. Festschrift für Margarethe und Hans-Peter Uerpmann (= BioArchaeologica). Band 5. Verlag Marie Leidorf, Rahden/Westf. 2009, ISBN 978-3-86757-952-0, S. 247–258.
  19. ↑ Leif Steguweit: Untersuchung der Schichtenfolge am Vorplatz der Sophienhöhle, Burg Rabenstein. In: Das archäologische Jahr in Bayern 2008. Konrad Theiss, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8062-2295-1, S. 11–13.
  20. ↑ Leif Steguweit: Spuren einer Altgrabung – Geländemodell eines bronzezeitlichen Grabhügels am Rathsberg bei Bubenreuth. In: Das archäologische Jahr in Bayern 2008. Konrad Theiss, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8062-2295-1, S. 36–37.
  21. ↑ Leif Steguweit: Traditionell Bogenschießen. ISSN 1432-4954 (Nr. 12, 1999, S. 20–25: Traditionelles Bogenschießen in der Mongolei; Nr. 21, 2001, S. 21–24: Bogenfallen – Aus der Trickkiste der Steinzeit; Nr. 33, 2004, S. 66–68: Wer meinen Bogen spannen kann, soll König werden! Über den Ursprungsmythos der Skythen, mit Friedrich Metz).
  22. ↑ Leif Steguweit; Heiko Heltorff: 400 000 Jahre Jagd mit dem Speer. In: Projekt Zukunft / Tomorrow Today. Deutsche Welle TV, 29. August 1999 (Fernsehreportage (deutsche und englische Fassung)).
  23. ↑ Leif Steguweit: Vom Affen zum Menschen – Die großen Sprünge; Der Kiesel – A Rolling Stone; Afrika – Wiege der Menschheit. In: radioWissen. Bayern 2, 13. April 2012.
  24. ↑ Leif Steguweit; Heiko Heltorff: Älteste nichtfunktionale Schnittspuren entdeckt. In: Projekt Zukunft / Tomorrow Today. Deutsche Welle TV, 10. Oktober 1999 (Fernsehnachricht (deutsche und englische Fassung)).
  25. ↑ Leif Steguweit: Interview. In: Finderlohn. Mitteldeutscher Rundfunk (MDR), 18. März 2004 (Fernsehinterview).
  26. ↑ An drei Orten: So läuft Nürnbergs bislang größte archäologische Grabung. In: nordbayern.de. Nürnberger Nachrichten, 24. September 2020, abgerufen am 19. Juli 2026.
  27. ↑ Das Nürnberger Leben zur Bronzezeit – Historische Ausgrabungen in Boxdorf. In: Franken Fernsehen. 5. August 2019, abgerufen am 19. Juli 2026.
  28. ↑ Leif Steguweit; John Zeitler: Eine Siedlung der Urnenfelderzeit mit Brunnen und Getreide-Saatgut in Boxdorf, Stadt Nürnberg. In: Das archäologische Jahr in Bayern 2020. Theiss, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-8062-4285-0, S. 57–59.
  29. ↑ Uli Gruber: Interessantes Terrain: In Dittenheim gibt es viel zu finden. In: Nürnberger Nachrichten / nordbayern.de. 28. Juli 2021, abgerufen am 19. Juli 2026.
  30. ↑ Nicole Wrodarczyk: Hochwasserschutz im Mittelalter: Archäologen legen Stadtmauerfundament in Gunzenhausen frei. In: Nürnberger Nachrichten / nordbayern.de. 18. September 2024, abgerufen am 19. Juli 2026.
  31. ↑ Neue Grabungsfunde aus der Bronzezeit bei Burgthann. In: Marktspiegel Nürnberg. 7. Juni 2023, abgerufen am 19. Juli 2026.
  32. ↑ Leif Steguweit: Urnenfelderzeit-Siedlung in der Nähe des Goldhuts. Ezelsdorf, Gde. Burgthann, Lkr. Nürnberger Land. In: Bayerische Archäologie. Nr. 4/2021, 2021, ISSN 1869-5566, S. 6.
  33. ↑ Leif Steguweit (Hrsg.): Tagungshefte der Hugo-Obermaier-Gesellschaft / Proceedings of the Annual Meeting of the Hugo Obermaier Society. Band 48 (2006) bis 56 (2014). Erlangen, ISBN 978-3-937852-02-7.
  34. ↑ Leif Steguweit: Berichte zur 46., 47., 48., 49. Tagung der Hugo Obermaier-Gesellschaft. In: Archäologisches Nachrichtenblatt. Akademie-Verlag, Berlin (10, 2005, S. 342–345 (Bericht 46. Tagung); 11, 2006, S. 294–299 (Bericht 47. Tagung); 12, 2007, S. 280–284 (Bericht 48. Tagung); 13, 2008, S. 297–301 (Bericht 49. Tagung)).
  35. ↑ Leif Steguweit: Berichte zur 51., 52., 53., 54., 55. Tagung der Hugo Obermaier-Gesellschaft. (Programmheft 52. Tagung, 2010, S. 97–101 (Bericht 51. Tagung); Programmheft 53. Tagung, 2011, S. 87–92 (Bericht 52. Tagung); Proceedings of the 54th Annual Meeting, 2012, S. 151–156 (Bericht 53. Tagung); Programmheft 55. Tagung, 2013, S. 117–121 (Bericht 54. Tagung); Programmheft 56. Tagung, 2014, S. 93–98 (Bericht 55. Tagung)).
Personendaten
NAME Steguweit, Leif
KURZBESCHREIBUNG deutscher Prähistoriker
GEBURTSDATUM 18. Oktober 1967
GEBURTSORT Köthen