Leonard Talmy

Leonard Talmy (* 1942 in Chicago) ist ein US-amerikanischer Linguist. Er ist emeritierter Professor für Linguistik und Philosophie an der University at Buffalo. Er ist Schüler von Dan Slobin und schuf mit anderen die Raum- und Prozesssemantik.

Leben und Wirken

Leonard Talmy studierte zunächst Mathematik an der University of Chicago, bevor er ein Linguistik-Studium an der University of California, Berkeley aufnahm. Dort erwarb er 1963 den Grad B.A. und 1972 den Ph.D. Sein Forschungsgebiet ist die Kognitive Linguistik, besonders Typologie und Universalien der Semantik natürlicher Sprachen. Er hat seine Forschung u. a. auf amerikanische Indianersprachen und Jiddisch konzentriert.

Auf den Grundlagen, die von Dan Slobin erarbeitet wurden, gründete Talmy eine typologische Distinktion von Sprachen hinsichtlich der Lexikalisierung von Bewegungsereignissen oder -zuständen. Für Talmy (2000) lassen sich zur Beschreibung der Grundkonzepte von Fortbewegungsszenen folgende Begriffe verwenden:

Die Begriffe für figure und ground hat Talmy von der Gestaltpsychologie übernommen, Figur-Grund-Wahrnehmung. Die Dichotomie von Figur und Hintergrund stellt für Talmy ein wichtiges syntaktisches Ordnungsprinzip dar.

Verb-framed-languages Satellite-framed-languages
Französische Sprache Spanische Sprache Deutsche Sprache Englische Sprache
Il entra en courant. Entró corriendo. Er lief hinein. He ran in.
Elle traversa la rivière à la nage. Atravesó el río a nado. Sie durchschwamm den Fluss. She swam across the river.
Descendez du train sur la gauche. Bajen del tren a la izquierda. Steigen Sie links aus dem Zug. Step out of the train to the left.
Il ouvrit la porte d'un coup de pied. Abrió la puerta de una patada. Er stieß die Tür mit dem Fuß auf. He kicked the door open.
J'allume la lumière. Prendo la luz. Ich mache das Licht an. I turn the light on.
J'éteins la lumière. Apago la luz. Ich mache das Licht aus. I turn the light off.

Talmy unterscheidet zwischen zwei Arten von Sprachen: „satellite-framed“ (so etwa die deutsche und englische Sprache) und „verb-framed languages“ (wie die spanische und französische Sprache), für die er die zuvor genannte Begrifflichkeit in den 1980er Jahren prägte. Ein solcher Satellit wäre im Englischen z. B. „into“ (bei „He ran into the house.“), ein Beispiel für eine verbal gefasste Beschreibung wäre im Französischen „Il est entré à la maison en courant“. Hierbei beschreibt und betont eine Angabe – „en courant“ – die Weise der Bewegung (rennend).

Werke (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Leonard Talmy. In: M. Lynne Murphy, Anu Koskela: Key terms in semantics. Continuum, London 2010, ISBN 978-1-8470-6276-5, S. 213 (online).
  2. ↑ Gutenberg Research Award for American Linguist Leonard Talmy. In: uni-mainz.de. 22. Mai 2012. Abgerufen am 23. September 2026.
  3. ↑ Wolfgang Wildgen: Was ist kognitive Linguistik? Entwicklung und aktuelle Tendenzen. Ringvorlesung „Interdisziplinäre Linguistik“ 9. November 2005
  4. ↑ Christa Dürscheid, Martin Businger: Syntax: Grundlagen und Theorien (= Studienbücher zur Linguistik. Band 3). 4., überarbeitete und ergänzte Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-26546-8, S. 186.
  5. ↑ Till Wörfel: Wie sich Menschen bewegen. Sprache und Raum zwischen Grammatik und Kognition. Linguistik im Schloss, IV. Workshop 'Raum', 18.-20. Juni 2010 (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im September 2026. Suche im Internet Archive)
  6. ↑ Raphael Berthele: Ort Und Weg = Verbal References to Objects in Space in Varieties of German, Rhaeto-Romanic, and French. Bd. 16 von Linguistik, Impulse & Tendenzen, Walter de Gruyter, Berlin / New York 2006, ISBN 3-1101-8879-1, S. 25 f.
Personendaten
NAME Talmy, Leonard
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Linguist, Professor für Linguistik und Philosophie
GEBURTSDATUM 1942
GEBURTSORT Chicago