Leonhard Faustner (* 16. Februar 1815 in München; † 1. April 1884 ebenda) war ein deutscher Glas-, Architektur- und Landschaftsmaler. Er gehörte zu den bedeutenden Vertretern der Münchner Glasmalerei des 19. Jahrhunderts und leitete nach dem Tod von Max Emanuel Ainmiller die Königliche Glasmalerei-Anstalt in München. Neben seiner Tätigkeit als Glasmaler schuf er Architektur- und Landschaftsbilder sowie kunstgewerbliche Entwürfe.

Leonhard Faustner wurde als Sohn eines königlich-bayerischen Hofsattlers geboren, der den Königen Maximilian I. Joseph und Ludwig I. diente. Ursprünglich sollte er den Beruf seines Vaters erlernen, zeigte jedoch schon früh eine ausgeprägte Neigung zur Malerei. Trotz eines zunächst wenig günstigen Gutachtens des Malers und Akademieprofessors Alois Witterer wurde er an der Akademie der Bildenden Künste München aufgenommen.
Zur Sicherung seines Lebensunterhalts arbeitete Faustner zunächst im Atelier des Glasmalers Wilhelm Voertel, wo er an Kopien und Entwürfen für Sulpiz Boisserée mitwirkte. Anschließend wechselte er als Maler an die Königliche Porzellanmanufaktur München, aus deren Werkstätten sich die später weltberühmte Münchner Glasmalerei entwickelte.
Da die Glasmalerei umfassende chemische Kenntnisse erforderte, besuchte Faustner Vorlesungen des Chemikers Kajetan Georg von Kaiser. Aufgrund seiner technischen Fähigkeiten wurde er bald als Techniker an der Königlichen Glasmalerei-Anstalt tätig. Dort entwickelte er Verbesserungen beim Einbrennen der Farben, führte anstelle der Kohle eine Holzfeuerung für die Brennöfen ein und experimentierte in der Glashütte mit der Herstellung von Farbglas.
Unter der Leitung von Max Emanuel Ainmiller wirkte Faustner an zahlreichen Glasfenstern mit, die für Kirchen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten entstanden.
Nach Ainmillers Tod im Jahr 1870 übernahm Faustner zunächst kommissarisch die Leitung der Königlichen Glasmalerei-Anstalt. Nachdem der bayerische Staat die Anstalt 1874 aus Spargründen aufgelöst hatte, führte er deren Arbeiten privat weiter und vollendete zahlreiche bedeutende Glasfenster.
Leonhard Faustner starb 1884 im Alter von 69 Jahren in München.


Die Grabstätte von Leonhard Faustner befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Gräberfeld 5 – Reihe 2 – Platz 23, Standort). Das zentrale Element des Grabsteins ist ein Glasmosaik, das ein Christusgesicht mit Heiligenschein vor blauem Grund zeigt. Dies ist eine Bezug zu Faustner als den ehemaligen Leiter der Königlichen Glasmalerei-Anstalt.
Leonhard Faustners Sohn Luitpold Faustner (1845–1925) wurde ebenfalls Landschaftsmaler und knüpfte an die künstlerische Tradition seines Vaters an.
Nach Leonhard Faustner wurde 1947 in München im Stadtteil Solln (Stadtbezirk 19 – Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln) der Faustnerweg benannt (Umbenennung). Lage
Zu Faustners bedeutendsten eigenständigen Arbeiten zählen die ornamentalen Blumenfenster für die Wilhelma in Stuttgart, den zoologisch-botanischen Garten im Stadtbezirk Bad Cannstatt. Die botanischen Motive arbeitete er zunächst als Ölgemälde aus. Die Fenster von 1853 gelten als herausragendes Beispiel dekorativer Glasmalerei des Historismus.
Nach der Schließung der staatlichen Glasmalerei fertigte Faustner Fenster für zahlreiche Kirchen, darunter St. Jodok in Landshut, die St Paul's Church in London, Kirchen in Glasgow und Oxford sowie den Kölner Dom. Den Abschluss dieser Arbeiten bildete das monumentale Fenster mit der Darstellung des Ersten Konzils von Jerusalem, das von der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft gestiftet und zwischen 1877 und 1879 für den Kölner Dom ausgeführt wurde.
Neben der Glasmalerei widmete sich Faustner intensiv der Architektur- und Landschaftsmalerei. Seine Interieurs mittelalterlicher Kirchen und Klöster zeichnen sich durch eine präzise perspektivische Darstellung und sorgfältige Lichtführung aus. Eine Innenansicht mit dem Bennobogen in der alten Münchner Frauenkirche von 1853 gelangte 1878 aus dem Nachlass König Ottos von Griechenland in die Neue Pinakothek.
Auch seine Landschaftsgemälde fanden Anerkennung. Der Münchner Kunstverein erwarb mehrere seiner Werke. Zu den bekannten Bildern gehört die Landschaft am See, die sich durch ihre feine Maltechnik und stimmungsvolle Atmosphäre auszeichnet. Das Gemälde wurde 1893 von seinem Sohn Luitpold Faustner der Kunsthütte Chemnitz gestiftet.
Darüber hinaus entwarf Faustner kunstgewerbliche Arbeiten wie Uhren, Spiegel, Leuchter, Beschläge, Teppiche und ornamentale Alphabete. Seine Entwürfe verbinden konstruktive Klarheit mit reicher Ornamentik und belegen seine umfassenden Kenntnisse der Material- und Fertigungstechniken.
Auswahl von Bildern Leonhard Faustners:
Leonhard Faustner zählt zu den prägenden Künstlern der Münchner Glasmalerei des 19. Jahrhunderts. Während Max Emanuel Ainmiller vor allem als Organisator und künstlerischer Leiter der Königlichen Glasmalerei-Anstalt hervortrat, trug Faustner sowohl durch technische Innovationen als auch durch seine gestalterische Arbeit wesentlich zu deren internationalem Ansehen bei. Seine Tätigkeit sicherte nach der Auflösung der staatlichen Werkstätte die Fortführung bedeutender Glasmalereiprojekte.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Faustner, Leonhard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Glas-, Architektur- und Landschaftsmaler |
| GEBURTSDATUM | 16. Februar 1815 |
| GEBURTSORT | München |
| STERBEDATUM | 1. April 1884 |
| STERBEORT | München |